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Deutschlandtour

Die Lausitz träumt von sonnigen Zeiten

"Segelboot statt Bagger" - so heißt die Devise im Lausitzer Seenland. Aus der früheren Braunkohle-Ödnis soll ein Paradies für Touristen werden. Die Hoffnung steigt wie das Wasser in den früheren Tagebauen.

Strand am Bärwalder See (Foto: LMBV)

Deutschland Entdecken Seenland Lausitz Lausitzer Seenland

Die Beach-Bar "Grill and Chill" in Geierswalde am gleichnamigen See strahlt karibische Gelassenheit aus. Hier bekommt der weltgereiste Urlauber, wofür er sonst viele Flugkilometer zurücklegen muss: Sandstrand, Liegestühle und Sonnenschirme sorgen für Postkarten-Ambiente. Das Wasser glitzert in der Sonne, im kleinen Hafen gegenüber schaukeln Boote - freilich nicht ganz so große wie in Monaco oder St. Tropez.

Wer die Idylle südlich von Berlin und nordöstlich von Dresden sieht, fühlt ein Versprechen der Wende erfüllt: Es gibt sie doch, die blühenden Landschaften von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Dass sie ausgerechnet in einer geschundenen Region entstanden, wirkt nur auf den ersten Blick wie ein Wunder: Der "Schöpfer" ist direkt dem Bundesfinanzministerium unterstellt: die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Sie beseitigt jene Schäden, die der Raubbau in den DDR-Braunkohlerevieren hinterließ. Bis zu 300 Millionen Tonnen schaufelten die Bagger jährlich aus der Erde, die kleine DDR war ein Braunkohle-Gigant.

Ein ambitioniertes Vorhaben

Segelboote im Lausitzer Seenland (Foto: Tourismusverband Lausitzer Seenland)

Ein Paradies für Wassersportler: das Lausitzer Seenland

Entsprechend gigantisch ist nun der Sanierungsbedarf. Am Ende wird die Rekultivierung etwa zehn Milliarden Euro kosten. Dabei macht die LMBV im Grunde nur das, was die Natur über einen längeren Zeitraum ohnehin getan hätte - sie flutet die früheren Tagebaue mit Wasser. Dafür werden neben dem Grund- und Regenwasser auch Flüsse angezapft, 2017 sollen die Seen gefüllt sein.

Ein Drittel der insgesamt 100.000 Hektar großen Fläche soll sich in Wasser und Forst verwandeln. Der Rest ist zu gleichen Teilen für den Naturschutz und die Landwirtschaft gedacht. Vor allem mit dem Wasser ist Vieles verbunden, für das die Seenländer nun werben: Segeln, Speedboot, Surfen, Tauchen, Wasserwandern und Schifffahrt für Touristen. "Das Leben kehrt wieder in eine geschundene Landschaft", sagt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, selbst gebürtiger Oberlausitzer.

Costa de Lausitz

LMBV-Baustelle an der B 186 bei Zwenkau (Foto: LMBV)

Bis zur Fertigstellung gibt es noch jede Menge zu tun

Das Ausmaß der Veränderungen wird sichtbar, wenn man Fotos der früheren Mondlandschaft mit dem heutigen Zustand vergleicht. Studien haben ergeben, dass die Wasserfläche auch das Mikroklima verändert. Die Verdunstung lässt Regenwolken entstehen, die anderswo abregnen. Schon ist die Lausitz zumindest im Sommer eine fast schon subtropische Landschaft. "Im Sommer ist es hier oft zwei bis drei Grad wärmer als vielerorts in Deutschland, im Winter dafür kälter", sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Die Wärme hat zum Namen Costa de Lausitz geführt. Im Winter sind auf den Seen sogar Wellen bis 2,50 Meter Höhe möglich.

Doch die Region wird erst zur blühenden Landschaft, wenn sie auch Investoren entdecken. Der Bautzener Landrat Michael Harig räumt ein, dass es noch keinen Großinvestor gibt. Als wiederholt Böschungen abrutschten, wurden Investoren und Banken nervös. Nicht zuletzt habe die Finanzkrise wirtschaftliche Aktivitäten gebremst. "Wir sind guter Dinge, auch wenn es ursprünglich schneller gehen sollte", sagt Harig.

Attraktives Umland

Blick auf das Lausitzer Seenland (Foto: LMBV)

Türkises Wasser wie in der Südsee: Blick von oben auf das Lausitzer Seenland

Noch stehen an manchen Stellen Warnschilder mit der Aufschrift "Sperrgebiet. Betreten verboten. Lebensgefahr!" Nach den Worten von Manfred Kolba, LMBV-Chefsanierer für die Lausitz, werden sie in den kommenden Jahren verschwinden. Und auch die Wasserqualität soll sich verbessern. Dafür bringt die LMBV Kalk unter Wasser ein und arbeitet an weiteren Technologien. Bis 2020 sollen die Übernachtungszahlen im Seenland von derzeit 400.000 pro Jahr auf eine Million steigen - mal ganz abgesehen von Tagestouristen.

Damit das gelingt, ist das Seenland auf das Engagement aller Anwohner angewiesen, auch ein paar Kilometer weiter hinten im Land. Die Familie Ittmann aus Klein-Partwitz zum Beispiel hat vor einigen Jahren den 114 Jahre alten "Gasthof zum Anker" übernommen. Tochter Anja ist Sachsens aktuelle Bierkönigin, Sohn Andreas ist Tischler und hat lange in Bayern gearbeitet. Dass er am Wochenende oft nach Hause fuhr, fiel den Kollegen auf. "Was willst du da? Da gibt es doch nicht nichts. Das ist doch schon Polen", zogen sie ihn manchmal auf. Inzwischen hat Andreas Ittmann neben dem Gasthof einen Quad-Verleih eröffnet. Seine früheren Kollegen aus Bayern waren auch schon da.