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Politik

Die Last mit der Kreditkarte

Sie brauche erst gar keine Kreditkarte beantragen, bekam DW-Korrespondentin Christina Bergmann zu hören. Sie würde sie sowieso nicht bekommen. Nach ihren jüngsten Recherchen will sie auch gar keine mehr haben.

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Amerikaner zahlen alles mit der Plastikkarte – so heißt es, und es stimmt. Im Durchschnitt hat jeder amerikanische Haushalt fünf Kreditkarten. Damit haben im Jahr 2005 alle zusammen genommen insgesamt Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,8 Billionen Dollar eingekauft. Doch die Plastikkarte hat neben der praktischen auch noch eine andere Seite: Sie trägt mit dazu bei, dass die Amerikaner sich immer mehr verschulden, dass die Zahl der Privatleute, die den Offenbarungseid leisten müssen, steigt. Dabei liegt das oft nicht daran, dass sie hemmungslos Geld ausgeben, das sie nicht haben. Sondern an den Praktiken der Kreditkartenfirmen, also auch der großen Banken.

Schulden türmen sich

Zu Beginn einer Senatsanhörung am Mittwoch zum Thema schilderte der Vorsitzende, der demokratische Senator Carl Levin, den Fall des Wesley Wannemacher. Der Mann hat vor sechs Jahren geheiratet und die Ausgaben für seine Hochzeit mit seiner Kreditkarte bezahlt. Dabei hat er das Limit einmal überzogen – um 200 Dollar.

Statt der erlaubten 3000 Dollar gab er 3200 Dollar aus. Die letzten sechs Jahre hat der Mann mit dem Versuch verbracht, seine Schulden zu tilgen. Sie beliefen sich zum Schluss auf insgesamt 10.700 Dollar – das heißt zu den ursprünglichen 3.200 Dollar, die er tatsächlich ausgegeben hat, kamen 7500 Dollar an Zinsen und Gebühren. Die türmten sich schneller auf, als Wesley Wannemacher es für möglich gehalten hatte. Ein Beispiel: Die zusätzlichen Zinsen, die die Bank für das Überziehen des Kredits fordert, beziehen sich nicht, wie man annehmen könnte, auf die überzogenen 200 Dollar. Sondern auf die gesamte ausgegebene Summe, also auf 3200 Dollar.

Selbstmörderische Folgen

Die Höhe dieser zusätzlichen Zinsen kann 25 oder 30 Prozent betragen. Doch damit nicht genug. Wenn Mister Wannemacher die Summe bezahlt, die auf seiner nächsten Kreditkartenrechnungen steht, dann ist das Problem nicht gelöst. Denn in der Zeit zwischen dem Ausstellen der Abrechnung und der Zahlung werden wieder Zinsen fällig – und so weiter und so fort.

Mir wurde ganz schwindlig beim Studieren all der Zinsen, Zinseszinsen und Gebühren, die Kreditkartenfirmen erheben und offenbar willkürlich verändern können. Natürlich, so betonen auch die Banken, bezahlen die meisten Kunden regelmäßig ihre Kredite und haben keine Probleme. Aber es gibt eben auch die Fälle, in denen College-Studenten, die noch keine Arbeit aber eine Kreditkarte haben, in den Selbstmord getrieben werden. Am Wochenende kommt in den USA der Dokumentarfilm "Maxed Out" in die Kinos, der solche Fälle schildert. Denn, so der Vorwurf der Verbraucherschützer, die Banken würden gerne denen Karten geben, die ihre Kredite nicht rechtzeitig zurückzahlen können, und so ein ein profitables Geschäft garantieren.

Die gute deutsche Kreditkarte

Ich kriege, wie gesagt, keine Kreditkarte. Denn ich kaufe nur das, was ich mir leisten kann und habe deshalb auch keine "Kreditgeschichte", die mich als Zahler von Raten ausweist. Ich komme aber auch mit meiner "Debit-Card" klar. Das ist eine Art EC-Karte, bei der der Betrag immer direkt vom Konto abgebucht wird. Und wenn es wirklich mal nötig ist, nehme ich meine deutsche Kreditkarte. Da zahle ich zwar Gebühren für den Einsatz im Ausland – aber ich weiß vorher, wie viel.

Wesley Wannemacher hat inzwischen 6.300 Dollar von seinen insgesamt 10.700 Dollar abbezahlt. Den Rest hat ihm die Chase Bank letzte Woche erlassen.

  • Datum 08.03.2007
  • Autorin/Autor Christina Bergmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/9yY8
  • Datum 08.03.2007
  • Autorin/Autor Christina Bergmann
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