Die langlebige Muschel und ihr frühzeitiger Tod | Wissen & Umwelt | DW | 20.11.2017
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Wissen & Umwelt

Die langlebige Muschel und ihr frühzeitiger Tod

Bei Muscheln denkt man vielleicht nicht als Erstes an Langlebigkeit, aber manche der glibberigen Kreaturen können jahrhundertelang leben - wenn wir sie lassen.

Bei Muscheln denken die meisten von uns wahrscheinlich erst mal ans Essen. Von Neuengland bis Indien werden sie mit Genuss verspeist. Aber wenn es die Weichtiere schaffen, Raubtieren wie uns zu entgehen, können sie ziemlich alt werden - ein halbes Jahrtausend alt.

Aber woher wissen wir überhaupt, wie alt Muscheln werden? Praktischerweise haben die Tiere Wachstumslinien. Ähnlich wie Baumringe zeigen die vielen feinen Linien auf der Schale der Muscheln deren Alter an, wobei eine Linie einem Jahr entspricht.

Der Rekordhalter (soweit wir wissen) ist die Islandmuschel (Arctica islandica). Die Schalentiere sind im Nordatlantik sehr verbreitet und werden dort auch kommerziell geerntet. Ein Exemplar, das später den Spitznamen "Ming" bekam, schaffte es dieser "Ernte" jahrhundertelang zu entkommen.

Aber 2006 wurde Ming vom Glück verlassen. Eine Forschergruppe zog sie vor der Küste Islands aus dem Meer. Ursprünglich dachte man, sie sei immerhin 405 Jahre alt. Später korrigierten Forscher die Zahl jedoch nach oben auf beeindruckende 507 Jahre. Das bedeutet, dass bei Mings Geburt Amerika gerade erst entdeckt worden war. Martin Luther war erst 16 und ja, die Ming-Dynastie herrschte in China.

Leider werden wir wohl nie wissen, wie alt die Muschel hätte werden können, wenn man sie einfach in Ruhe gelassen hätte. Bevor ihnen klar wurde, was sie da für ein außergewöhnliches Tier gefangen hatten, steckten die Forscher die Muschel in die Tiefkühltruhe, um sie zu konservieren - und töteten sie dadurch. 

 

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