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Global Ideas

Die Landwirtschaft in Marokko sitzt auf dem Trockenen

Der Grundwasserspiegel in der Souss-Ebene in Marokko lag früher bei zehn Metern. Für die Bauern war es ein Leichtes, an Wasser zur Bewässerung ihrer Felder zu kommen. Inzwischen sinkt der Spiegel um drei Meter pro Jahr.

Straßenszene in Boutilimt, Mauretanien. (Foto: GTZ / Markus Kirchgessner)

In der Souss-Ebene, der Region im Atlas-Gebirge, haben die Menschen schon immer von der Landwirtschaft gelebt. Sie bauen vor allem Getreide und Futtermittel für ihr Vieh an. Etliche der traditionellen Brunnen, aus denen die Kleinbauern das Wasser für ihre Felder holen, sind inzwischen aber versiegt. Ein Grund dafür ist die Großlandwirtschaft, die durch ihre Gewächshäuer und Pumpsysteme den Bauern das Wasser buchstäblich abgräbt. "Es gibt viele Bauern, die durch das Abpumpen des Grundwassers ihre Existenzgrundlage verloren haben, weil dadurch der Grundwasserspiegel so tief gesunken ist, dass sie mit ihren herkömmlichen Brunnen nicht mehr drankommen", erzählt Jürgen Gräbener. Er arbeitet für die deutsche Beratungsfirma Eco Consult in Marokko und kennt die Situation in der Region. Was den Grundwasserspiegel angeht, wird sie nicht besser. Um fast drei Meter sinkt das Wasser ab, jedes Jahr.

Korb mit Argan Nüssen (Foto: CC / Jérémy Couture)

Argan-Nüsse - die Aufforstung des Arganbaums kann die Bodenerosion aufhalten

Früher mussten die Bauern nicht sehr tief bohren, um an das Wasser zu kommen. Der Grundwasserspiegel lag bei etwa zehn Metern. Heute ist es ungleich schwieriger, die Felder zu bewässern. Das Wasser kommt aus mehr als 200 Metern Tiefe. Fast ausschließlich die großen Agrarbetriebe sind jetzt noch in der Lage, es überhaupt zu verwenden. In dieser trockenen Region sind die Stauseen schon vor Ende der Saison leer, das Wasser reicht nicht für die intensive Landwirtschaft.

Große Agrarbetriebe versus Kleinbauern

Diese Form der Bewirtschaftung hat sich in den letzten 30 Jahren entwickelt, als Marokko begann, seine Politik an die Weltwirtschaft anzupassen, Importschranken aufhob und Subventionen abbaute. "Die Großlandwirtschaft im Gewächshaus ist der wesentlichste Exportfaktor in ganz Marokko, der wichtigste Wirtschaftsfaktor in der Region", sagt Jürgen Gräbener. Fast 700.000 Tonnen Gemüse werden in der Souss-Ebene jedes Jahr produziert, ein großer Teil für den Markt in Europa.

Frauenhände mit Cashew-Nüssen (Foto: GTZ / Ursula Meissner)

Programme zum Schutz und Management der natürlichen Ressourcen helfen, die Qualität der Produkte zu verbessern und die Einkünfte zu erhöhen.

Den Kleinbauern nützt das wenig. Sie haben in den vergangenen Jahren vermehrt gegen die Entwicklungen in der Großlandwirtschaft protestiert, die zu einer Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen geführt haben. Schließlich wird bei ihnen nicht nur das Wasser knapp. Wenn sie deshalb ihr Land verlieren, müssen sich viele von ihnen als Landarbeiter verdingen - zu schlechten Konditionen.

Die Aussichten für die Zukunft sind für die Bauern alles andere als rosig. Der offizielle Regierungsplan sieht vor, die Souss-Region in den nächsten Jahren weiter auszubauen und zu einem der produktivsten landwirtschaftlichen Zentren zu machen, das mit anderen in der Welt konkurrieren kann.

Blick in die Zukunft

Ohne den Wasserhaushalt aufzubessern, wird das nicht gehen. Zu diesem Zweck sollen 52.000 Hektar Land neu bewirtschaftet werden. Wo bisher Getreide angebaut wurde, werden Olivenbäume angepflanzt, die weniger Wasser verbrauchen. "Mehr Wasser zu produzieren", sei das Ziel, erläutert Jürgen Gräbener. "Dazu wird es in Zukunft zwei Entsalzungsanlagen geben und es werden noch mehr mittlere und kleine Staudämme gebaut." Moderne Technologie soll also der Schlüssel für die Lösung des Problems sein.

Bäume werden gepflanzt (Foto: CC / vodkamax)

Mehr Wasser produzieren, auch durch gezieltes Pflanzen

Um trotz der Riesenanlagen weiter wirtschaften zu können, stellen viele Bauern heute auf die sogenannte Tröpfchenbewässerung um. Hier wird das Wasser in kleinen Mengen automatisiert an die Pflanzen abgegeben. Diese Methode gilt als probates Mittel, die Landwirtschaft am Leben zu halten. Das man ohne moderne Technik nicht auskommt, ist auch den Experten klar. Sie plädieren aber dafür, die Tradition nicht zu vergessen, um langfristig eine intensive Landwirtschaft in so einer trockenen Gegend zu betreiben. Die Frage sei mit der Diskussion um die Atomkraft in Deutschland vergleichbar, sagt Jürgen Gräbener. "Wir haben heute keine Alternative, müssen aber langfristig sehen, wie wir sie loswerden."

Bis dahin, hofft er, dass noch nicht alle traditionellen Brunnen in Marokko versiegt sind.

Autor: Mabel Gundlach
Redaktion: Klaus Esterluß