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Musik

Die Kunst, nicht banal zu sein

Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit. 2010 widmet das Ruhrgebiet Hans Werner Henze eine große Werkschau. DW-WORLD.DE hat den Komponisten in Essen getroffen.

Der Komponist Hans Werner Henze im Dezember 2004 in Madrid bei der Vorstellung seiner Autobiographie. Foto: dpa

Hans Werner Henze

DW-WORLD.DE: Herr Henze, die Metropole Ruhr ist 2010 Kulturhauptstadt, auch Ihr Werk ist ein Teil davon. Wie finden Sie das?

Hans Werner Henze: Ich bin begeistert und freue mich über die Zusammengehörigkeit, die sich ausdrückt durch dieses Bemühen fast aller hier tätigen künstlerischen Organisationen und Künstler, die sich mit mir beschäftigen, sich unter mir was vorstellen können oder denen meine Musik etwas sagt, oder auch nur denen meine Musik brauchbar erscheint für pädagogische oder sonstige Zwecke, zum Beispiel zur Unterhaltung.

Ist die Oper "Gisela", die Sie jetzt für die RuhrTriennale 2010 komponieren, ebenfalls ein Teil dieses Projekts?

Absolut. Es gibt eine Kinderoper von mir, "Pollicino", die funktioniert sehr gut und muss von Kindern gespielt und musiziert werden. Am Schönsten ist es, wenn man auch von Kindern gemalte Kulissen verwendet. Es ist in den Musikschulen in ganz Deutschland, aber auch im Ausland inzwischen ein pädagogisches Objekt geworden. Meine Auftraggeber beim Ruhrfestival möchten am Liebsten einen "Pollicino" für Erwachsene haben. Ich werde versuchen, in dem Sinne etwas zu erfinden. Ich habe ein ganzes Jahr lang darüber nachgedacht, wie das laufen könnte, eine Operndramaturgie mit den verschiedensten Kunstschulen des Rurhgebiets von Düsseldorf bis Bochum einzubinden. Deshalb haben wir Pantomime, Gesang, Instrumentalmusik und Tanz einbezogen, damit alle in der Partitur von "Gisela" etwas finden.

Ihre Musik gilt als ein Seismograph, der auf die kleinsten gesellschaftlichen und politischen Unruhen reagiert. Durch welche Unruhe ist das Projekt "Gisela" begründet?

Dieser Auftrag hat mich in einen Aufgabenbereich katapultiert, mit dem ich noch nicht vertraut war. Es ist einfach ein Gefühl, ein Interesse auf allen Seiten da für dieses Projekt. Nun arbeite ich an dieser Oper, und ich bin noch längst nicht fertig.

Was reizt Sie daran, noch einmal ein Werk für Jugendliche zu schreiben, wie einfach ist es – oder wie schwer ist es?

Das Einfachste ist das Schwerste. Nicht banal zu sein, nicht altmodisch. Ich bin sehr beschäftigt mit dieser Aufgabe.

In diesem Jahr werden Werke aus allen Ihren Schaffensperioden im Ruhrgebiet aufgeführt. Wie empfinden Sie das?

Ich lerne dabei immer was. Man muss ja, wenn man schreibt, die Vergangenheit wegschieben wie eine Kulisse, die man nicht mehr braucht. Und jetzt werden diese früheren Werke wieder präsent. Agitation ist da drin, für einen Alten wie mich besonders reizvoll.

Das Gespräch führte Klaus Gehrke

Redaktion: Gudrun Stegen

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