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Kultur

Die Kunst des Redens

Kennen Sie das: Sie sollen eine Rede halten und plötzlich sind Sie heiser? Ihre Knie zittern, die Hände werden schwitzig? Dann sollten Sie vielleicht mal bei den "Toastmasters" vorbeischauen.

Ein Teilnehmer übt die Stehgreifrede (Foto:ust)

Reden will gelernt sein

"Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert bis zu dem Zeitpunkt, wo Du aufstehst, um eine Rede zu halten." Das soll Mark Twain einst gesagt haben. Und tatsächlich ist das Sprechen vor großen Gruppen gar nicht so einfach. Wer es trotzdem versuchen will - oder muss - der kann sich Hilfe holen: bei den "Toastmasters".

Tradition aus Amerika

Bei den Toastmasters geht es nicht um geröstetes Weißbrot, Frühstücks- oder Tischkultur. Allenfalls geht es um Tischreden, denn die Toastmasters sind ein Rhetorikverein, gegründet vor 85 Jahren in Amerika, benannt nach den englischen Trinksprüchen, den 'toasts'. In Deutschland sind sie inzwischen in fast allen größeren Städten vertreten.

Redetraining für jederfrau und jedermann: Eine Frau hält eine Rede vor den übrigen Teilnehmern (Foto:ust)

Die Scheu verlieren - das geht nur durch Übung

"Vor großen Gruppen zu sprechen erzeugt bei sehr vielen Menschen Ängste, Hemmungen und Befüchtungen", weiß Hans Kraft. Der 62jährige Studienrat hat schon als Kind gerne Gedichte aufgesagt, bei den Toastmasters ist er an diesem Abend für die Begrüßung zuständig. Es ist eine von vielen Aufgaben, die im Laufe eines jeden Toastmasters-Treffens an die Mitglieder verteilt werden. Daneben gibt es noch den "Füllwort-Zähler", den "Zeitnehmer", der mit grün-gelb-roten Karten dafür sorgt, dass keiner die Redezeit überschreitet und natürlich viele Redner.

Politik und Religion sind tabu

Wer im Club der Redemeister nur ältere Herren mit graumelierten Schläfen erwartet, die ans Glas klopfen um lange Reden und schlappe Witze zum besten zu geben, wird überrascht. Der Altersdurchschnitt ist insgesamt erstaunlich niedrig. Frauen sind ebenso vertreten wie Männer. Das Publikum: so bunt gemischt, wie es Redethemen gibt. Politik und Religion sind tabu, ansonsten ist alles erlaubt: von der Büttenrede bis zum Antrittsvortrag der Universität.

Trotzdem ist das Programm streng durchritualisiert. Jeder Programmpunkt und sei er noch so klein, scheint seinen eigenen Moderator zu haben, der mit Applaus und Handschlag auf die Bühne gebeten und wieder verabschiedet wird. Und da es viele Programmpunkte gibt, wird auch viel geklatscht.

Reden ohne Vorbereitung

Juli 2008 - Barack Obama hält eine Rede in Berlin (Foto: dpa)

Reden vor Menschenmassen - Politiker sind das gewohnt

Bei der "Stehgreifrede" kann man seine Spontanität testen. Das Thema gibt der Moderator vor. Zwei Minuten hat man Zeit, um zu einem vorgebenen, gerne auch absurden Thema etwas zu sagen. Hier ist Kreativität und vor allem Mut gefragt. Der jeweilige "Stehgreifreden-Bewerter" gibt im Anschluss ein freundliches und konstruktives Feedback. Oberste Losung: Niemand wird niedergemacht.

Für das Handwerkliche sind bei den Toastmasters zwei Basishandbüchern zuständig. Man durchläuft sogenannte Redeprojekte, für die es bunte Ansteck-Plaketten und eine Urkunde aus der Toastmasters -Zentrale der USA gibt. Wenn man die zehn Redeprojekte abgeschlossen hat, kann man sich "competent Communicator" nennen.

Doch mit Handwerk allein ist es nicht getan. Wer alles richtig machen will und wie die Inkarnation eines Basishandbuchs für Kommunikation klingt, macht sich unglaubwürdig. Das ist auch bei den Toastmasters nicht anders. Doch wer sich und andere gerne reden hört und offen ist für alle möglichen Themen - der wird hier seine helle Freude haben.

Autorin: Marcella Drumm
Redaktion: Petra Lambeck

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