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Kultur

Die Kunst der Plakat-Werbung

Über Werbeplakate informiert das Germanische Nationalmuseum Nürnberg in einer kurzweiligen Schau. Von Werbung für Waschmittel und koffeinhaltiger Limonade bis zu Handschuhen aus Hundeleder ist alles vertreten.

Ein Mitarbeiter des Museums beim Aufbau(Foto: Frank Boxler / GNM - Bilder wurden von der Pressestelle des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg zur Verfügung gestellt)

Das Plakat - ein Kind der industriellen Warenproduktion des 19. Jahrhunderts. Beim potentiellen Käufer soll es Konsumbedürfnisse wecken und über neuartige Markenartikel informieren. Träumen die ersten Plakatkünstler vor 1900 noch von einer "Galerie auf der Straße" und hoffen, auf diese Weise ihre ästhetischen Maßstäbe besser als im privaten Atelier einem breiteren Publikum vermitteln zu können, weicht diese anfängliche Euphorie ab 1905 schnell einer realistischeren Einschätzung. Die wirtschaftlichen Aspekte der Auftraggeber überlagern zusehends kreative Überlegungen. Die Reklame wird Gegenstand von wissenschaftlich-psychologischen Untersuchungen. Der Beruf des Werbegraphikers entsteht.

Bedeutende Kollektion

Plakat zeigt glückliche Cola-Trinker (Foto: Germanischen Nationalmuseum Nürnberg)

Ein Gebräu made in USA, um 1950

Einen guten Überblick über die Entwicklung der Plakatkunst bietet jetzt die Ausstellung "Plakativ!" des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Gezeigt werden in dem größten kulturhistorischen Museum Deutschlands bis April 2010 knapp 400 Exponate. Das zeitliche Spektrum reicht dabei vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre. Erstmals wird damit die "Nürnberger Plakatsammlung", eine der bedeutendsten Kollektionen ihrer Art in Deutschland, einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2002 war die insgesamt rund 10.000 Werke zählende Sammlung von der "Gesellschaft für Konsumforschung" (GfK) und der "Nürnberger Akademie für Absatzwirtschaft" dem Museum als Dauerleihgabe überlassen worden. Ferne Welten, Mode & Lifestyle

Das Besondere der Schau: In mehreren Abteilungen, die sich mit Themen wie Mode, Tourismus, Hygiene oder Lifestyle beschäftigen, hängen die Poster unterschiedlichster Formate in einer Art imaginärem Warenhaus an Metallgerüsten, informieren über wiederkehrende Stereotypen der Werbebranche, hinterfragen Bildmotive, Posen oder diverse Heilsversprechungen. "Familienglück" etwa. Das älteste Plakat der Ausstellung stammt aus dem Jahr 1885 und zeigt, wie eine Hausfrau in wallendem Kleid an einer "Pfaff"-Nähmaschine ein langes weißes Tuch bearbeitet.

Plakat vom Meister des Jugendstils Alfons Mucha gemalt zeigt eine rauchende Frau (Foto: Germanischen Nationalmuseum Nürnberg)

Werbung für Zigaretten

Auch bedeutende Künstler sind in der Präsentation vertreten. Beispielsweise der tschechische Jugendstil-Meister Alfons Mucha, der eine Reklameschönheit über blauen Dunst nachsinnen lässt. Im Mittelpunkt der Lithographien, Offset- oder Siebdrucke, die einst an Litfasssäulen, Mauern oder großen Plakatwänden prangten, stehen jedoch die Fertigprodukte selber. Maggi, Persil & Coca Cola

Plakat zeigt eine in weiß gekleidete Frau(Foto: Germanischen Nationalmuseum Nürnberg)

Keiner wäscht weißer

Die Welt des Supermarktes mit seinen Verheißungen nimmt einen besonders großen Raum in der Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums ein. Produkte wie "Maggi"-Suppen oder Waschmittel wie Persil werden dabei in kleinen Markenshops genauer unter die Lupe genommen. Interessant, dass beispielsweise "Rama"-Margarinewürfel, die einst als Arme-Leute-Nahrung verschrien waren, durch Reklameplakate ein neues Image erhielten und nach diversen Werbekampagnen fortan von weiten Käuferschichten akzeptiert wurden. Werbung für Coca Cola darf in dem sehenswerten Potpourri ebenso wenig fehlen wie Reklame für Unterwäsche, Rundfunkgeräte oder Autos.

Plakat zeigt eine mit weißen Zähnen lächelnde Frau Foto: Germanischen Nationalmuseum Nürnberg)

Gegen Mundgeruch, um 1935

Einen breiten Raum nehmen in der Nürnberger Sammlung auch Plakate für Körperpflege und Hygieneartikel ein. Schönheitscremes gaukeln den Käuferinnen dabei Wunschbilder ewiger Jugend vor: Träume, die durch unterschiedlichste Kosmetikartikel befriedigt werden sollen. Ob die Traditionszigarettenmarke "Roth-Händle" auch heute noch mit ihrer legendären roten Hand erfolgreich wäre? In Zeiten zunehmender Tabakverbote bleibt das zumindest fraglich. Und so ist das Werbeplakat letztlich nicht nur ein Sprachrohr der unterschiedlichsten Produkte, sondern auch ein Spiegel, manchmal ein Zerrbild, wechselnder Vorlieben und Zeiten.

Autor: Thomas Senne

Redaktion: Conny Paul