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Deutschland

Die Kunst der Fälschung

Kunst ist heute ein beliebtes Investitionsobjekt. Das schafft einen Markt für Betrüger, denen selbst Experten auf den Leim gehen. Das Bundeskriminalamt hat jetzt einen ganzen Fälscherring hochgehen lassen.

Eines der bei den Durchsuchungen gefundenen Bilder: Supremus - angeblich von Kazimir Malevich (Foto: dpa)

Erst jüngst wurde wieder ein Kunstfälscherring zerschlagen

"Supremus" heißt eines der Gemälde, die bei der jüngsten Kunstfälscher-Razzia in Deutschland, der Schweiz und Israel sichergestellt wurden. Es soll von Kazimir Malevich stammen, einem Maler der russischen Avantgarde - aber ob es wirklich von ihm ist, muss sich erst noch herausstellen.

Insgesamt haben die Beamten des Bundeskriminalamts bei Wohnungsdurchsuchungen mehr als 1000 Objekte gefunden. Weitere 400 Fälschungen von Gemälden von Malevich, Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky sollen schon verkauft worden sein - meist im Ausland und an private Sammler. Allein zwei der mutmaßlichen Fälscher sollen damit zwischen 2011 und 2013 rund zwei Millionen Euro verdient haben.

Mehr Kunstinteressierte, mehr Fälschungen

Wolfgang Beltracchi zum Auftakt seines Prozesses (Foto: dpa)

Kopierte Max Ernst - der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi

Fälschungsskandale gibt es immer wieder. Einer der größten in Deutschland war in jüngster Zeit der Fall von Wolfgang Beltracchi. Er und seine Komplizen sollen mit dem Handel mit gefälschten Bildern der klassischen Moderne mindestens 16 Millionen Euro eingenommen haben. Eine seiner Fälschungen, das "Rote Bild mit Pferden", wurde als Werk des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk für knapp 2,9 Millionen Euro versteigert. Mit einem gefälschten Max-Ernst-Gemälde täuschte er sogar den Kunsthistoriker Werner Spies, der als Max-Ernst-Fachmann galt. Beltracchi wurde schließlich nach einem viel beachteten Prozess 2011 vom Landgericht Köln zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der Markt für Kunstfälscher sei in dem Maße gewachsen, in dem das Interesse der Bevölkerung an Kunst wuchs, so die Kunsthistorikerin Susanna Partsch im Gespräch mit der Deutschen Welle. Sie ist Autorin des Buchs "Tatort Kunst" und beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der Fälschungen. "Das ging schon in der Epoche des Barock los, allerdings war der Markt da noch sehr klein. Groß wurde er im 19. Jahrhundert, als Museen gegründet wurden - unter anderem in den USA - und die Amerikaner, die ja nicht auf eine so lange Geschichte zurückblicken wie die Europäer, in Europa Kunst kauften." Vor allem in Italien sei damals ein großer Markt für Kunstfälschungen entstanden.

Die Kunsthistorikerin und Autorin Susanna Partsch (Foto: Lorenz Kloska)

Susanna Partsch: Kunstfälschungen haben Tradition

Und das Interesse wächst weiter. Ob documenta oder Biennale - Kunstmessen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die stellvertretende Direktorin des Museum Ludwig in Köln, Katia Baudin, hält es für möglich, dass die Finanzkrise das Interesse an Kunst als Investitionsobjekt noch verstärkt hat. Manch einem mag es sicherer erscheinen, in ein Gemälde zu investieren als in eine Immobilie oder in Aktien.

Gefälscht wird, was der Markt verlangt

Gefälscht wird, was der Markt verlangt, und natürlich, was sich fälschen lässt. Es gebe Künstler, "die einfach nicht gefälscht werden können. Wie Paul Klee. Denn Klee hat von Anfang an genau Buch geführt über seine Werke", sagt Partsch.

Die russische Avantgarde hingegen sei bei Fälschern schon länger beliebt, weil es nicht unwahrscheinlich ist, dass Werke dieser Künstler während der russischen Revolution oder in der Stalin-Zeit verschwunden und erst viel später wiederentdeckt worden sein könnten. "Einige dieser Künstler wurden ja in der Stalin-Zeit verfolgt", sagt Katia Baudin. Die Werke der Avantgardisten verschwanden, im besten Fall in den Kellern der Museen, im schlechtesten Fall ganz.

"Mona Lisa für 30 Euro? Kein Problem."

Die stellvertretende Direktorin vom Museum Ludwig Köln, Katia Baudin (Foto: Museum Ludwig)

Katia Baudin vom Museum Ludwig

Auch wenn viele Fälle in Europa aufgedeckt werden, Kunstfälschungen gibt es auf der ganzen Welt: "In China gibt es ein ganzes Dorf, in dem offiziell Kopien hergestellt werden, die man sich auch bestellen kann. Eine Mona Lisa für 30 Euro? Kein Problem. Dass dorthin auch Händler und Hehler gehen, Aufträge erteilen und die Bilder in Europa oder in Amerika als Originale verkaufen, ist bekannt“, sagt Partsch.

Ohne eine naturwissenschaftliche Überprüfung seien Fälschungen oft nur schwer zu erkennen, erklärt die Kunsthistorikerin. Die wenigen Restaurierungswerkstätten die es gebe, wie zum Beispiel das Doerner Institut in München, seien "natürlich heillos überlaufen und da braucht es dann sehr viel Zeit, um ein Kunstwerk prüfen zu lassen".

Auch Katia Baudin betont die Wichtigkeit solcher technischen Überprüfungen von Kunstwerken. Fälle wie der von Beltracchi hätten gezeigt, dass die Expertise eines Kunsthistorikers, der die Arbeiten rein äußerlich betrachte, heutzutage nicht mehr ausreiche. Mit Hilfe ultravioletter Strahlung könne man zum Beispiel sehen, ob eine Arbeit restauriert wurde, durch Infrarotstrahlen könne die ursprüngliche Zeichnung des Künstlers unter dem Gemälde sichtbar gemacht werden. Solche Überprüfungen seien teuer und zeitaufwendig, aber notwendig.

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