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Welt

Die Kunst der Eigenheim-Simulation

Immobilienhändler in Deutschland jammern: Kaum jemand kauft mehr Wohnungen oder Häuser. Zwei junge Frauen helfen mit einer amerikanischen Verkaufsstrategie nach: Sie richten lmmobilien vor dem Verkauf ein.

Ein Haus, daneben ein Schild 'For sale' (Foto: AP)

Das Geschäft mit Immoblien stockt

In Jeans und Poloshirt kniet Kirsten Schildt auf dem Parkettboden und reißt einen Karton auf. Neben ihr hält Kollegin Madeleine von Beckerath einen Schraubenzieher in der Hand. Mit geübten Handgriffen bauen die beiden in Minutenschnelle ein weißes Sideboard auf. Die Anrichte soll den derzeit wenig attraktiven Eingangsbereich einer 120 Quadratmeter großen Wohnung in Hamburger Toplage verschönern.

Madeleine von Beckerath befestigt ein Tischbein(Foto: DW/Kathrin Erdmann)

Madeleine von Beckerath bei der Arbeit

Hinter die Anrichte wollen die beiden einen Sessel stellen, dazu einen mit Brenn-Gel betriebenen Kamin: "Eigentlich ist das hier als Esszimmer geplant gewesen", sagt Kirsten Schildt, aber direkt im Eingang wolle einfach keiner sitzen. Die beiden gelernten Betriebswirtinnen haben sich deshalb eine andere Lösung ausgedacht.

Leihmöbel für das richtige Ambiente auf Zeit

Teils mit ihrem eigenen Fundus, teils mit neuen Möbeln richten die beiden Frauen einige der Zimmer in der 700.000 Euro teuren Wohnung zur Ansicht ein. Dem potenziellen Käufer soll so gezeigt werden, wie schön das künftige Zuhause aussehen könnte. Die meisten Menschen hätten große Probleme, sich eine leere Wohnung mit Möbeln vorzustellen - und deshalb kaufen sie vielleicht auch die Wohnung oder das Haus nicht, erklärt Kirsten Schildt ihre Strategie.

Eine leere Dachgeschosswohnung mit Parkettboden (Foto: DW/Kathrin Erdmann)

Neues Objekt zum Ausstatten: Eine leere Dachgeschosswohnung

Kommen die beiden in möblierte Immobilien, räumen sie entweder um oder ändern Kleinigkeiten wie Licht oder Farben. "Meistens allerdings schmeißen wir erst einmal jede Menge Zeug raus, entrümpeln und schaffen so eine klare Linie", so die 36-jährige Kirsten Schildt. "Uns geht es in erster Linie darum, ein freundliches helles Ambiente zu schaffen", ergänzt ihre Kollegin Madeleine von Beckerath.

Homestaging soll Verkauf der Immobilie beschleunigen

Ziel ihrer Bemühungen ist es, eine Immobilie so schnell und so teuer wie möglich zu verkaufen. Bisher hatten Makler oder Privatpersonen beim Verkauf keine Probleme. Doch weil das Geschäft in Zeiten der Krise stockt, wenden sich inzwischen immer mehr Verkäufer an die beiden. Sie werden im Fachjargon Homestager genannt, abgeleitet aus dem Englischen von to stage, etwas aufführen.


Ein weißer Sessel mit Kissen und Blumenarrangement. Er soll den Raum einer zu verkaufenden Immobilien verschönern(Foto: DW/Kathrin Erdmann)

Ein weißer Sessel mit Kissen und Blumenarrangement: Das Ambiente soll stimmen

Als sich die beiden Betriebswirtinnen vor zwei Jahren selbstständig gemacht haben, habe es noch erhebliche Zweifel an ihrer Arbeit gegeben, erzählt Kirsten Schildt. Maklern oder Privatverkäufern war nicht klar, warum sie nochmals Geld in die Hand nehmen sollten. Doch letztlich hätten sie doch gesehen, dass das Homestaging einen Verkauf erheblich beschleunigt. Vor allem in den vergangenen zwei Monaten sei die Nachfrage nach ihrer Arbeit stetig gestiegen, freuen sich die beiden.

Ursprung in den USA

Die Idee, Häuser und Wohnungen mit etwas Nachhilfe zu verkaufen, entstand vor rund zehn Jahren in den USA. Madeleine von Beckerath, eine gebürtige Schwedin, hat Homestaging vor rund fünf Jahren in ihrer Heimat kennengelernt. Dort, so die 40-Jährige, würden inzwischen 70 Prozent der Immobilien gestaged. Denn der Verkauf einer Immobilie werde so nicht nur beschleunigt, sondern auch der Verkaufspreis liege häufiger höher als bei einer Wohnung oder einem Haus, das nicht hergerichtet wurde. Man sagt, so Madeleine von Beckerath, dass ein Euro Investition in die Einrichtung später zehn Euro mehr beim erzielten Verkaufspreis ergibt.

Mit ihrer Idee, auch in Deutschland Immobilien auf diesem Weg zu verkaufen, waren die beiden Frauen nach eigenen Angaben die ersten - bis auf eine Ausnahme seien sie immer erfolgreich gewesen: Der Verkäufer wollte seine Wohnung dann doch lieber vermieten, sagt Kirsten Schildt. Dem Erfolg der noch jungen Firma scheint das keinen Abbruch getan zu haben.


Autorin: Kathrin Erdmann / Sabrina Scholz

Redaktion: Christina Hebel

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