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Kultur

Die Kultur des Klimas

Es ist eine Binsenweisheit: Ist es draußen warm, fühlt sich der Mensch wohl. Seit 12.000 Jahren werden die entscheidenden Fortschritte in Kunst, Kultur und Lebensart in Warmzeiten gemacht. Mit einer Ausnahme.

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Wein als Klimaindikator: Wo Trauben gedeihen, ist es warm und trocken

Die Stadt Ur im Süden den heutigen Iraks gilt als die älteste Großstadt der Welt. Bereits vor achteinhalbtausend Jahren leben dort 35.000 bis 100.000 Menschen in weißgetünchten Häusern. Die Bauern in den umliegenden Dörfern

Ein afghanischer Junge, ein Esel mit Granatäpfeln beladen, auf dem Weg zum Markt nach Kandahar

Bauer mit Granatäpfeln

Mesopotamiens sind sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter. Das warme Klima kommt ihnen entgegen: Feldfrüchte werden angebaut, in bewässerten Gärten gedeihen Zitrusfrüchte, Datteln und Granatäpfel. Das Volk der Sumerer ist das erste Kulturvolk der Welt. Sie erfinden das Rad, die Schrift und die Zeiteinteilung.

Zur gleichen Zeit ächzt Mittel- und Nordeuropa noch unter den Eismassen der letzten Eiszeit. Erst um 6000 v.u.Z. ist Skandinavien wieder eisfrei. Dann wird es auch hier mehrere tausend Jahre lang relativ warm sein. Riesige Steinkreise, Grabkammern und Tempelanlagen entstehen.

Steinkreis in Stonehenge

Steinkreis in Stonehenge

Diese "Kultur der großen Steine", die sogenannte "Megalith-Kultur", ist in ganz Europa verbreitet: "Diese Leistungen wurden nicht von ausgemergelten Kräften erbracht. Die Gesellschaften konnten sich auf eine produktive, überschüssige Landwirtschaft stützen", schreibt Paläoklimatologe Professor Wolf Dieter Blümel in seiner Studie 20.000 Jahre Klimawandel und Kulturgeschichte.

Klima ist relativ

In den letzten 12.000 Jahren hat die Erde mehrere Wechsel von Warm- und Kaltzeiten erlebt. In den Warmzeiten lagen die Durchschnittstemperaturen um 2 bis 2,5 Grad höher als heute. Untersuchungen der jüngeren und jüngsten Klimageschichte zeigen, dass Warmphasen gleichbedeutend sind mit Luxus und Überfluss. Kaltphasen zwingen zu radikaler Anpassung. Ein Forscherteam der Harvard University hat 240 wissenschaftliche Studien zu den Klimaveränderungen der letzten 1000 Jahre ausgewertet. Ergebnis: Weder die europäischen "Jahrhundertsommer"

Feuerwehrleute im Schlauchboot

Flut in Dresden, 2002

von 1947 oder 2003 noch die Häufung von Extremwetterlagen mit Orkan, Flut und Überschwemmungen sind - historisch gesehen - in irgendeiner Weise dramatisch. Das Horrorszenario der unkontrollierten "globalen Erderwärmung" wird relativiert: Seit 1850 steigen die Durchschnittstemperaturen tatsächlich wieder, und zwar auf ganz natürliche Weise. Offenbar gibt es eine neue Warmzeit. Die letzte liegt fast 1000 Jahre zurück.

Wechsel von Warm und Kalt

Die Untersuchung der Jahresringe von Bäumen, Eisbohrungen und die Auswertung historischer Aufzeichnungen haben ergeben, dass es zu Zeiten der "Mittelalterlichen Warmperiode" (9. bis 14. Jahrhundert) in Mitteleuropa deutlich wärmer ist als heute. In Südschottland, Pommern und Ostpreußen wird Wein angebaut. Heute liegt die Weinbaugrenze 500 Kilometer weiter südlich. Im Jahr 985 zieht der Wikinger Erik der Rote von Island nach Grönland. Das "Grünland" ist - wie der Name sagt - fruchtbares Land. Über die eisfreie Nord-Ost-Passage segelt Eriks Sohn Leif 500 Jahre vor Kolumbus als erster Europäer nach Amerika.

Die "Kleine Eiszeit", die um 1300 beginnt und bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauert, bringt die Menschen in Europa enorm in Bedrängnis. Das Wetter ist wechselhaft, kühl und

Gletscher gehen zurück Alpen Schweiz

Alpen-Gletscher

regnerisch. 1342 wird Mitteleuropa von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Die Hälfte des Mutterbodens wird fortgeschwemmt. Die Folge: Hungersnot und Seuchen. Die Pest rafft 40 Prozent der Bevölkerung dahin. Mitte des 17. Jahrhunderts, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, rücken die Eismassen der Alpen wieder vor. In den nasskalten Sommern der nächsten 200 Jahre verfaulen nicht selten Getreide und Kartoffeln. Die Menschen hungern. Wer kann, wandert aus.

Die unerfreuliche "moderne Warmzeit"

Der Temperaturanstieg seit Mitte des 19. Jahrhunderts fällt zeitlich zusammen mit der Industrialisierung und der radikalen Veränderung der europäischen Kulturlandschaften: Wälder werden abgeholzt, Flächen zugebaut und versiegelt. Die Bevölkerung explodiert. "Der eskalierende Verbrauch fossiler Brennstoffe und die

Bauernhaus mit Schloten

landschaftsschädigende, emissionsfördernde Bevölkerungsexplosion dürften aber zu diesem Zeitpunkt noch kein klimasteuerndes Ausmaß erreicht haben", vermutet Klimaforscher Blümel. Die Steuerungszentrale liegt wahrscheinlich woanders: in den Ozeanen.

Beispiel Golfstrom: Er entsteht in der Karibik und sorgt dafür, dass zum Beispiel die Häfen von Grönland oder Murmansk auch im Winter eisfrei sind. Wenn die Polkappen abschmelzen und nicht mehr genügend Kaltwasser produzieren, dann funktioniert der Wärmetauscher nicht mehr. Ausdehnung oder Schwund der polaren Eiskappen beeinflussen die Zirkulation von kaltem und warmem Wasser und damit die Großwetterlage über den Meeren. Es ist paradox: In Nordeuropa droht eine neue Kältezeit, während sich andernorts das Klima aufheizt. "Mit dem zusätzlichen Dreh an der Klimaschraube greift der Mensch in ein System ein, dessen Wirkungsweisen und Synergien er noch nicht ausreichend kennt", warnt Blümel.

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