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Kultur

"Die Kuh ist umzingelt"

Von Rechenkünstlern, Politikern der S-Klasse, Lokomotiven im Tunnel, Möchtegern-Enthaltsamkeit, falsch getragenen Lorbeeren und Fußballern in Ekstase: das Jahr in Zitaten.

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Wohl selten hat ein einzelnes Datum ein Jahr so geprägt wie 2001. Der 11. September, der Tag, an dem die Welt voller Entsetzen die Terroranschläge von New York und Washington verfolgte. Der 11. September: ein Datum, das zum "Wort des Jahres" wurde. Ein Tag, der Konsequenzen nach sich ziehen würde:
Unser Krieg gegen den Terror (...) wird nicht zu Ende sein, ehe jede weltweit tätige Terrorgruppe aufgespürt, gestoppt und besiegt worden ist ...
... sagte US-Präsident George W. Bush vor dem Kongress in Washington.

Skepsis spricht allerdings aus den Worten von Samuel Huntington, dem Autor des Buches "Kampf der Kulturen":
Ich sehe nicht, wie man Haltung und Verhalten von Leuten verändern kann, die den Tod nicht fürchten.

Und eher nachdenklich stimmt die Äußerung der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy:
Terrorismus ist ein Symptom, nicht die Krankheit.

Auf jeden Fall war nicht nur jedem sonntags daher redenden Politiker schnell klar, dass die Welt nach dem 11. September eine andere sei, sondern auch einfühlsamen Medienleuten:
Aufgrund der Ereignisse und Entwicklungen der vergangenen Tage nimmt RTL II die geplante Show "Oktoberfest 2001" (...) aus dem Programm und zeigt stattdessen den Western-Klassiker "Rio Lobo" mit John Wayne.

Allerdings hat es auch schon vor dem 11. September Änderungen in der Welt gegeben. Wer redet zum Beispiel noch von BSE? Das Problem ist gelöst, wenn wir der Ministerin für, unter anderem, Verbraucherschutz, Renate Künast, glauben dürfen:
Die Kuh ist umzingelt.

Männer mit Appeal

Noch nicht vom Eis ist die Kuh namens Kanzlerkandidatur. Ein heißes Thema für Deutschlands C-Demokraten und die C-Sozialen in Bayern. Für Gloria Fürstin von Thurn und Taxis schien die K-Frage allerdings eher eine S-Frage zu sein:
Edmund Stoiber ist vor allem sexy, dies ist für uns Frauen besonders wichtig.

Klaus Wowereit

Klaus Wowereit

Zu den Menschen des Jahres gehörte 2001 mit Sicherheit Klaus Wowereit, ein Sozialdemokrat, der nur Insidern ein Begriff war - bis er sich outete:
Ich bin schwul - und das ist auch gut so.

Eine Äußerung, deren Nachsatz zum geflügelten Wort und deshalb auch als "Satz des Jahres" geadelt wurde. Die Kernaussage allerdings bietet erst richtige Perspektiven, denn wie meinte SPD-Generalsekretär Franz Müntefering:
Im Prinzip sind Lesben und Schwule für alles geeignet - sogar als Papst.
Na ja, immerhin ist Klaus Wowereit inzwischen Regierender Bürgermeister von Berlin - ist ja auch schon was.

Absteiger und Auslaufmodelle

Eher zu den Absteigern des Jahres gehörte Slobodan Milosevic. Der einst allmächtige Diktator der Bundesrepublik Jugoslawien wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert. Kommentar des bosnischen Filmregisseurs Emir Kusturica:
Im Grunde genommen wurde sein Kopf für 1,3 Milliarden Dollar verkauft. Das ist eine hohe Ablösesumme. Maradona und andere Fußballspieler waren da doch sehr billig.

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