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Politik

Die Krux mit der Wahrheit

Die amerikanischen Geheimdienste sind frustriert, das Pentagon genervt. Die Taliban- und El Kaida-Gefangenen wollen nicht auspacken.

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Statt Geheimnisse über das Netzwerk des Terrors auszuplaudern beten die Gefangenen lieber gen Mekka und bringen die USA auch noch in den Ruf, es mit den Menschenrechten nicht so genau zu nehmen. Weitaus bessere Informationen als aus der kubanischen Gefängnisbucht kommen derzeit aus Ägypten. Dort sitzt Ibn al Shaykh al-Libi hinter Schloss und Riegel - ein enger Vertrauter Osama Bin Ladens, der sich bei seinen Vernehmungen höchst kooperativ verhalten soll. Das mag nicht unwesentlich damit zusammen hängen, dass es in ägyptischen Gefängnissen durchaus Insassen gibt, die den Verlust von Fuß- oder Fingernägeln beklagen, von anderen Foltermethoden einmal ganz zu schweigen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sonst nicht gerade das, was man ein "Weichei" nennt, hat solche Methoden ausdrücklich abgelehnt, zumindest für die Gefangenen, die sich unter seiner Obhut befinden. Nun könnte man natürlich künftige El Kaida-Transporte aus Afghanistan kurzerhand nach Kairo umdirigieren, aber dass würde möglicherweise die Ägypter überfordern.

William Webster, seines Zeichens CIA-Chef a.D, hatte diese Woche eine scheinbar bessere Idee. Er empfiehlt die Wahrheitsdroge Sodium Penthotal zum Einsatz zu bringen. Sodium Pentothal ist ein Sedativum, das während Operationen von Anästhesisten eingesetzt wird. Auch bei Hinrichtungen in US-Gefängnissen wird die Droge gerne verwendet. In geringer Dosierung führt das Sedativum dazu, dass der solchermaßen Behandelte gesprächig wird und seine Ansichten und Vorstellungen hemmungslos kommuniziert. Doch Webster könnte mit seinem Vorschlag falsch liegen. Experten bezweifeln nämlich, ob die Droge so wirkt, dass ein Mensch mit der Wahrheit auch gegen seinen Willen rausrückt.

Tja, Herr Webster, wenn es so einfach wäre - dann hätte man den Gefangenen ja auch Alkohol in den Tee mischen können. Aber wir haben es ja mit Muslimen zu tun - und dass wäre nun wirklich ein Verstoß gegen die Menschenrechte.