1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Die Krone macht's möglich

Island gehört zu den Ländern, die am schlimmsten von der Krise betroffen sind. Banken wurden verstaatlicht, viele Menschen verloren ihre Jobs. Doch auch hier gibt es Lichtblicke. Einer davon ist die Tourismus-Branche.

Menschen baden in der 'Blauen Lagune' im isländischen Grindavik (Foto: dpa)

Die Tourismus-Branche in Island profitiert von der Krise

Es schneit bei minus fünf Grad. Die Geschäfte in Reykjavik werben mit Ausverkäufen und Prozenten. Viele Touristen sind unterwegs, die Souvenirläden können sich nicht über zu wenig Kundschaft beklagen. "Der Tourismus ist der große Gewinner der Wirtschaftskrise", bestätigt die Marketing-Chefin der Tourismus-Information, Dóra Magnúsdóttir. Der Kurs der isländischen Krone sei momentan für die Touristen sehr günstig. Für einen Euro bekommt man zurzeit ungefähr doppelt so viele isländische Kronen wie noch vor einem Jahr.

Für viele, die sich einen Islandurlaub bislang nicht leisten konnten, ist er auf einmal erschwinglich geworden: Ein einfaches Doppelzimmer kostet 50 bis 60 Euro und für das gleiche Geld kann man zu zweit gut essen gehen. Das nutzen viel Touristen, auch im Winter bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und fünf Stunden Tageslicht. Ende 2008 wurden in der städtischen Tourismus-Information 40 Prozent mehr Besucher gezählt als im Vorjahr.

Lange geplante Reisen werden nun möglich

Ein Geysir bricht aus (Foto: Per Hendriksen)

Geysire und gute Wechselkurse locken Touristen nach Island

Von Reykjavik aus können die Touristen mit Bussen zu den Sehenswürdigkeiten in das Umland fahren. Dieses Angebot nutzt auch Oscar Endres aus Darmstadt. In dem modernen Reisebus, in dem er zum Geysir "Strokkur" unterwegs ist, sind alle Plätze belegt, hauptsächlich mit Deutschen und Briten. Endres hat ein günstiges Pauschalangebot für die Reise in der Zeitung gefunden . "Ich denke, das hat mit der wirtschaftlichen Krise zu tun." Er wollte immer schon einmal nach Island fahren und hat jetzt zugegriffen.

Nach anderthalb Stunden Fahrt durch eingeschneite, menschenleere Landschaften ist der Bus am Ziel: Die Touristen warten an einem blubbernden, nach Schwefel riechenden Teich auf den Ausbruch von "Strokkur". Schließlich schießt das Wasser in die Höhe, 20 Meter hoch.

Der Wechselkurs lockt

Blick über Reykjavik (Foto: Hotel Odinsve)

Mehr Touristen kommen nach Reykjavik - trotz oder dank der Krise?

Auch den Cafés in Reykjavik selbst falle auf, dass es mehr Touristen in der Stadt gebe, erzählt James. Sein kleines, gemütliches Café in der Innenstadt ist in letzter Zeit ständig voll. Eine der vielen Besucher ist Anne Beierlein aus Göttingen. Die 25-jährige Studentin reist mit einer Freundin zwei Wochen lang mit dem Rucksack durch Island. "Für die Isländer ist die Krise natürlich ärgerlich. Aber meine Freundin und ich hätten uns den Urlaub nicht leisten können, wenn die Krone im Moment nicht so günstig wäre", sagt sie. Wenn man sich selbst versorge, und in Hostels wohne, seien die Preise in Ordnung.

Im Vergleich zu vielen anderen Branchen lässt sich im Tourismus also momentan noch Geld verdienen. Doch das ist nur ein kleiner Lichtblick. Island liegt wirtschaftlich am Boden. In dem bislang von Vollbeschäftigung verwöhnten Land sind geschätzte 13.000 Menschen arbeitslos - und täglich kommen hunderte dazu.

Autor: Benjamin Eyssel
Redaktion: Julia Kuckelkorn

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links