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Die Kritik

Geübt ist sie schnell, die Kritik – egal, ob gemotzt, genörgelt oder etwas verrissen wird. Objektiv ist sie selten, dafür aber offen, versteckt oder ganz subtil. Die Gabe der Selbstkritik hat nicht jeder Kritiker.

Verlässt jemand sein Haus, wird er oder sie bestimmt beobachtet. Natürlich unfreiwillig, aber daran ist nichts zu ändern. Und so, wie wir wahrgenommen werden, nehmen wir auch andere wahr. Ob im negativen oder positiven Sinn. Auf dem Weg zum Bus schießt es einem zum Beispiel durch den Kopf: „Was hat der denn an! Sieht ja schrecklich aus. Unsympathischer Kerl.“ Auf der Suche nach einem Sitzplatz im Bus, ärgert man sich, weil jemand schneller war und den letzten freien Platz besetzt. Der kritische, abwertende Gedanke wird zum Glück nicht geäußert: „Muss die sich mit ihrem dicken Hintern jetzt ausgerechnet da hinsetzen?“

Beurteilen, aber nicht verurteilen

Zwei Frauen nebeneinander. Die rechte zeigt bei einem lächelnden Gesicht mit dem Daumen der rechten Hand auf die Freundin neben ihr.

Manchmal ist es nicht einfach mit ihr, aber wir sind Freundinnen

Kritische Beobachtungen müssen nicht immer negativ ausfallen. Es gibt auch welche, die positiv sind und in ein Kompliment münden können wie: „Sehr schick das Kleid. Donnerwetter!“ Oder: „Ist das nicht der, den ich gestern schon in der U-Bahn gesehen habe? Der sieht wirklich gut aus!“

Oft sind wir dabei zu bewerten, zu urteilen, zu beurteilen, zu kritisieren. Für diejenigen, die kritisiert werden, ist die Kritik nicht selten verletzend. Es sei denn, es handelt sich um konstruktive Kritik, die jemandem weiterhelfen soll. Neudeutsch wird diese Form als Feedback bezeichnet. Egal, ob es bei einem Streit darum geht, wie man künftig Konfliktsituationen vermeiden kann oder um ein Projekt, das zu scheitern droht: Man spricht darüber und guckt, wo Fehler gemacht wurden und was verbessert werden kann.

Objektive Kritik gibt es nicht

Drei Tänzer bei einem Festival des modernen Tanzes. Sie machen einen Ausfallschritt direkt unter dem Spot von drei Deckenleuchten.

Dem einen gefällt's, der anderen nicht

Definiert wird Kritik als „Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben“. Das Wort stammt etymologisch vom griechischen kritik , was übersetzt so viel bedeutet wie „die Kunst der Beurteilung“. Und entsprechend wurde Kritik im Altertum auch verwendet: wertneutral. Etwa ab dem 18. Jahrhundert erfuhr das Wort eine Zuordnung: unter Kritik verstand man die Beurteilung von Kunst und die Auslegung der Bibel. Erst in neuerer Zeit bekam es die oben definierte Bedeutung.

Objektiv, also wertneutral, ist Kritik selten. Denn da, wo Maßstäbe gesetzt werden, ist sie letztendlich ihrem Wesen nach immer subjektiv – genauso wie der Gegenstand. Schließlich gibt es zum Beispiel keine objektive Literatur, keine objektive Musik oder objektives Theater mit einer objektiven Interpretation.

Kritik: harsch, beißend, sarkastisch …

Ein Karnevalswagen mit dem Motto und tschüss fährt am beim Rosenmontagszug durch Düsseldorf. es zeigt einen gerupften Bundesadler mit dem deutsche Wappen, gemünzt auf den rücktritt von Bundespräsident Wulff

Im Karneval müssen Politiker – auch ehemalige Bundespräsidenten – mit beißender Kritik rechnen

Genau so verhält es sich mit der kritischen Beurteilung. Es kommt nicht selten vor, dass ein und dieselbe Theaterinszenierung zum Beispiel von dem einen Kritiker überschwänglich gelobt, von einem anderen dagegen völlig verrissen wird. Auch die Literaturkritik ist sich selten einig: Da wird einem Romanautor in der einen Zeitung „hohe Erzählkunst mit stets feinstem Gespür für Details“ bescheinigt, in einer anderen heißt es, dass sich der Text „in endlosen Beschreibungen unerheblicher Einzelheiten verliert.“

Kritik hin, Kritik her: Die kritische Beurteilung, egal ob sie sarkastisch, beißend, niederschmetternd, harsch oder polemisch ausfällt, kann nur als Anhaltspunkt dienen. Letztendlich entscheidet jeder für sich selbst, ob die Kritik gerechtfertigt ist oder nicht.

Der kritische Dialog und die Nörgelei

Symbolbild: Ein Kind sitzt in einem Einmachglas

„Wer im Glashaus sitzt, …“

Meist ist es jedoch so: Je harscher oder niederschmetternder sie ist, umso größer ist das Interesse. Das ist so ähnlich wie mit den verbotenen Früchten, die besonders reizen. Reizwörter für eine schlechte bis äußerst schlechte Kritik gibt es unzählige, wie etwa unter aller Kritik oder unter aller Kanone. Mancher Kritiker kann schnell selbst ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Dünnhäutig sollte keiner sein. Denn wie heißt es in einem Sprichwort: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“ Also, jeder Kritiker sollte selbst grundsätzlich in der Lage sein, viel Kritik einstecken zu können.

Kritik soll anregen und genau das in Gang setzen, was als kritischer Dialog bezeichnet wird. Kritik sollte deshalb fundiert sein. Der Kritiker sollte wissen, wovon er redet. Ist das nicht der Fall, verkommt das Gesagte oder Geschriebene zur bloßen Nörgelei, wird als dilettantisch empfunden und von niemandem ernst genommen. Obwohl: Diese Berufsnörgler, die vermeintlich alles besser wissen, gibt es ja. Viel schlimmer ist, dass sie ihre Meckerei und Motzerei für profunde Kritik halten.

Subtile Kritik und Scharfzüngigkeit

Eine Frau hält einen Spiegel vor sich und betrachtet ihr Bild

Selbstkritische Menschen können sich den Spiegel vorhalten

Kritik kann offen daherkommen, aber auch versteckt, subtil. Meister ihres Fachs sind die Kabarettisten, die Parodisten, die Karikaturisten. Sie sprechen mit scharfer Zunge, oder schreiben und zeichnen mit spitzer Feder. Ihr Stilmittel: die Ironie. Allerdings besitzt nicht jeder die Gabe mit wenigen Gesten, wenigen Worten, wenigen Strichen sprichwörtlich den Nagel auf den Kopf zu treffen.

Einer von ihnen war der deutsche Dramaturg, Regisseur und Journalist Herbert Ihering. Er schrieb einmal in einer Rezension über eine Aufführung der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“ über die Darstellerin der „Isolde“ nur zwei Sätze: „Gestern sang Frau Lehmann die Isolde. Das hätte sie nicht tun sollen.“ Ob sie für diese Kritik offen war?

Die Selbstkritik

Wenn ja, wird sie es beim nächsten Auftritt besser gemacht haben. Allerdings nur, wenn die Fähigkeit zur Selbstkritik vorhanden war. Denn wie heißt es in einer alten Spruchweisheit: „Im Garten der Selbstkritik wachsen gesunde Pflanzen.“ Wer diese Weisheit verstanden hat, übernimmt dann die des deutschen Dichters Christian Morgenstern: „In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik am anderen.“ Übertragen ins 21. Jahrhundert bedeutet das: Nur wer mit sich selbst kritisch ins Gericht geht, kann anderen eine positive Rückmeldung geben!





Fragen zum Text

Ein Kritiker schreibt  …
1.  einen Sarkasmus.
2.  eine Polemik.
3.  einen Verriss.

Jemand, der von allen Seiten angegriffen wird, …
1.  steht im Kreuzfeuer der Kritik.
2.  unterliegt der Selbstkritik.
3.  ist unter aller Kritik.

Mit der alten Spruchweisheit ist gemeint, dass …
1.  nur selbstkritische Menschen gesund sind.
2.  Menschen, die selbstkritisch sind, gute Gärtner sind.
3.  selbstkritische Menschen sich persönlich weiterentwickeln.


Arbeitsauftrag
Suche dir aus dem Angebot der Deutschkurse etwas heraus, das du gerne kritisieren möchtest – zum Beispiel einen Text aus dem Bereich Deutsch Aktuell oder Deutsch im Fokus, ein Videothema, eine Folge von „Jojo sucht das Glück“. Beachte bei deiner Kritik folgenden Aufbau: 1. ein kurzer einleitender Satz, in dem du das Thema beschreibst und den Autor nennst. 2. Wiedergabe des Inhalts in mehreren Sätzen. 3. Argumentation: Was hat mir gefallen und warum? Was hat mir nicht gefallen und warum? 4. Schlussfolgerung mit Begründung: Kann ich den Beitrag weiterempfehlen oder nicht?

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