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Wirtschaft

Die Krise sicher umflogen

Die Luftfahrtbranche stöhnt über Aschewolken und Einbrüche bei Passagier- und Frachtzahlen. Die Luft- und Raumfahrtindustrie kann dagegen durchaus auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die Auftragsbücher sind voll.

Kampfjäger im Formationsflug (Foto: apn)

Verteidigung und Sicherheit sind für die Luftfahrtindustrie ein sicheres Geschäft

Thomas Enders (Foto: apn)

Pralle Auftragsbücher: Airbus-Chef Thomas Enders

Die Aschewolke über Europa hat sich verzogen, doch die Nachwirkungen halten an. Auch in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie macht man sich Gedanken, ob die Verluste, die die Airlines durch das tagelange Flugverbot erlitten haben, negative Folgen für das eigene Geschäft haben könnten. "Sicherlich sind den Airlines große Schäden entstanden, dass die sich im Milliardenbereich bewegen", glaubt Thomas Enders, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. "Aber ich hoffe nicht, dass sich das auf das Bestellverhalten oder die Fähigkeit zur Abnahme bestellter Flugzeuge auswirkt."

Sollte sich die Vulkanasche negativ auf das Bestellverhalten der Fluglinien auswirken, dann würde das der Luft- und Raumfahrtindustrie einen herben Schlag versetzen. Denn die Branche wähnt sich bereits am rettenden Ufer, da sie die Wirtschaftskrise mehr als gut gemeistert hat. Der Umsatz wuchs 2009 um vier Prozent auf einen Rekordwert von 23,6 Milliarden Euro. Die Beschäftigtenzahl stieg geringfügig auf knapp 94.000. Und das trotz des hohen Rückgangs beim Fracht- und Passagieraufkommen in der zivilen Luftfahrt.

Gefüllte Auftragsbücher

Airbus-Logo (Foto: apn)

3.500 Flugzeuge in der Pipeline: Airbus

Möglich war das allein durch die prall gefüllten Auftragsbücher, sagt Thomas Enders, der auch Chef des Flugzeugbauers Airbus ist. "Im letzten Jahr sind unsere Aufträge um 60 Prozent eingebrochen. Aber das hat sich in weiten Bereichen aufgrund der hohen Auftragsbestände nicht direkt in der Produktion ausgewirkt." Bei Airbus belaufe sich der Auftragsbestand auf 3500 Flugzeuge. Das habe es den Herstellern ermöglicht, mit Puffern zu arbeiten. Abbestellungen und Verschiebungen seien durch Kunden kompensiert worden, die ihre Flugzeuge früher beziehen wollten.

In der kommerziellen Luftfahrt sei die Geschäftslage nach wie vor unsicher, sagt Enders, man müsse wohl davon ausgehen, dass aus diesem Bereich zwei bis drei Jahre kein Wachstum zu erwarten sei. Da die Branche zwei Drittel ihrer Geschäfte in der zivilen Luftfahrt macht, lässt das die Erwartungen für die Jahre 2010 und 2011 trotz des noch bestehenden Auftragspolsters verhalten ausfallen. "Wir wollen zumindest die Umsatzzahlen von 2009 erreichen, weil wir von einer Umsatzsteigerung in der Raumfahrt und in der Verteidigung ausgehen können."

Verteidigung – ein sicheres Geschäft

Undatierte Computergrafik des Militär-Transporters Airbus A400M (Foto: dpa)

Verzögerungen beim A400M: Industrie nicht an allem Schuld

Verteidigung und Sicherheit sind für die Luftfahrtindustrie ein sicheres Geschäft. Mit Rüstungsprojekten wurden 2009 insgesamt sechs Milliarden Euro erlöst, das war ein Plus von fast fünf Prozent. Die Branche hat in den letzten Jahren eine Exportoffensive gestartet und ist dabei recht erfolgreich. "Kampagnen in Indien für Eurofighter, Grenzsicherung in Saudi-Arabien, wir nennen das ja bewusst das Segment Verteidigung und Sicherheit. Das große Grenzsicherungsprojekt in Saudi-Arabien ist sicherlich das Vorzeigeprojekt für unsere Industrie im Bereich von Sicherheit und Sicherung", so Enders.

Die militärischen Geschäfte mit der Bundeswehr laufen weniger glänzend. Hier macht die Luftfahrtindustrie vor allem mit Lieferproblemen Schlagzeilen. Airbus-Chef Enders weiß das nur zu gut. Die Airbus-Mutter EADS musste die Liefertermine beim Militärtransporter A400M bereits mehrfach korrigieren und kämpft zudem mit explodierenden Kosten. "Ich bin nicht stolz auf die Verzögerungen und Schwierigkeiten, die wir produziert haben. Und wenn das dazu führt, dass Soldaten im Einsatz nicht zeitgerecht das bestmögliche Gerät bekommen, dann ist das etwas, für das wir uns auch verantworten müssen."

Hubschrauber stapeln sich

Kampfhubschrauber Tiger (Foto: dpa)

Die Franzosen haben ihn, die Deutschen nicht: Kampfhubschrauber "Tiger"

Doch die Industrie sei nicht alleine an allem Schuld. Das Beschaffungswesen der öffentlichen Hand müsse verschlankt und entbürokratisiert werden, meint Enders. Als Beispiel dient ihm der Kampfhubschrauber "Tiger". Es stelle sich die Frage, weshalb die französischen Hubschrauber dieses Typs in Afghanistan seit längerem im Einsatz seien, von deutschen Tigern aber weit und breit nichts zu sehen sei. "Wir lagern und stapeln momentan Hubschrauber, weil auf Seiten der Beschaffer nicht genügend Leute da sind, um diese Hubschrauber abzunehmen", sagt Enders. "Wir sind gebeten worden, nicht so viele zu produzieren, weil man nur eine deutlich geringere Zahl abnehmen könne."

Die Europäische Beschaffungsbehörde Occar hatte dem Kampfhubschrauber Tiger im Dezember 2008 die Qualifizierung erteilt. In Frankreich erfolgte daraufhin umgehend die Typenzulassung für den Hubschrauber. Soweit er wisse sagt Enders, habe der Tiger diese Zulassung in Deutschland immer noch nicht.

Autor: Sabine Kinkartz
Redaktion: Rolf Wenkel