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Europa

Die Krim-Krise auf der Domplatte

Das umstrittene Referendum auf der Halbinsel erfüllt auch die in Deutschland lebenden Ukrainer und Krim-Tataren mit Sorge. Mit Transparenten und Sprechgesang gehen einige von ihnen auf die Straße - wie in Köln und Bonn.

"Mit Sicherheit wird es Säuberungen geben, davor haben alle Angst und große Sorge", sagt Olaf Leidreiter. Er ist Deutscher, aus Solidarität steht er gemeinsam mit seiner ukrainisch-stämmigen Frau Alina und anderen Demonstranten vor dem Generalkonsulat der Russischen Föderation in Bonn. Eine Gruppe von Tataren hat vor dem umstrittenen Referendum auf der ukrainischen Halbinsel Krim zum Protest aufgerufen. Rund 12 bis 15 Prozent der dortigen Bewohner sind Tataren, einst waren es mehr. Doch während des Zweiten Weltkriegs wurden sie pauschal als Nazifreunde beschuldigt und deportiert. Das Referendum auf der Krim wollen sie boykottieren, aus Angst vor einem Anschluss an Russland und einer weiteren ethnischen Vertreibung.

Zu allem bereit

"Viele Tataren bringen ihre Familien schon in Sicherheit, aber die Männer bleiben auf der Krim - die sind bereit zu kämpfen", sagt Leidreiter, der sich für den Termin an diesem Samstag (15.03.2014) extra traditionelle, ukrainische Kleidung angezogen hat - schwarz-rote Filzjacke und Pelz-Hut. Es ist eine ruhige Kundgebung: Ein paar Anwohner luken aus ihren Fenstern, gelegentlich fährt ein Auto auf dem Weg zum nahe gelegenen Waldkrankenhaus vorbei, aus dem gegenüberliegenden Russischen Konsulat keine Regung.

Tataren-Protest in Bonn (Foto: Stephanie Höppner/DW)

Mit Fahne und traditioneller Kleidung: Tataren protestieren gegen das Referendum

"Sollte in diesem Fall Blut fließen, dann bin ich der festen Überzeugung, dass dieses Blut auch auf den Händen von Frau Merkel kleben wird", sagt Leidreiters Frau Alina, deren Familie nahezu vollständig noch in der Ukraine lebt. "Sie war diejenige, die auf der Sicherheitskonferenz 2007 gegen einen Beitritt der Ukraine zur NATO war." Beide sind bereits revolutionserfahren: "Wir waren beide auf dem Maidan", sagt Leidreiter und zeigt seinen Ausweis, ausgestellt von der Revolutionsgarde. "Wir sind zu allem bereit", ergänzt seine Frau.

Gestörte Telefonverbindung

Auch auf der Kölner Domplatte haben sich kurz nach der Bonner Kundgebung Demonstranten gegen das Referendum versammelt, über Facebook hatte die Gruppe "Maidan Köln" zur Kundgebung aufgerufen. Mit Sprechchören, Fahnen und traditionell-ukrainischem Blumenschmuck im Haar ziehen sie die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich: Viele schauen skeptisch bis amüsiert aus der sicheren Ferne, andere machen Fotos. Etwas Forschere nähern sich der Truppe: "Wen kann ich denn hier ansprechen?", fragt ein junger Mann laut. Zwei junge Mädchen vertiefen sich in ein Gespräch mit den Demonstranten. "Ich hab es nur in den Nachrichten mitbekommen, aber nie was verstanden", sagte eine von ihnen.

In der Mitte des Protest-Kreises steht die ukrainischstämmige Nathalie Uhlmann, Sprechtüte und Fahne in den Händen. Seit Tagen ist sie schon im Einsatz. In den Wochen davor war auch sie auf dem Maidan in Kiew. Dennoch: Ein politischer Mensch sei sie nicht, sagt sie. In Köln geht sie einer Verwaltungstätigkeit nach, bewältigt ihr Engagement in der Freizeit. "Es geht mir einfach nur um die Menschen - Menschen wie ich, die aber gerade in einer anderen Lage stecken. Es geht nur darum, hab ich Herz, Gefühl und Mitgefühl?" Mit Familie und Freunden in der Ukraine hält sie - so gut es geht - Kontakt. Die Telefonverbindung ist oft gestört, sagt sie. Viele Anrufe werden nicht durchgestellt. "Deswegen frage ich, sobald ich durchkomme, direkt "Wie geht's euch?"."

Eine Russin für die Ukraine

Künstlerin Natascha auf der Demo gegen Putin auf der Kölner Domplatte. (Foto: Stephanie Höppner/DW)

Sie ist bereits für Estland und Georgien auf die Straße gegangen: Die russische Künstlerin Natascha

Zu den in blau-gelbe Fahnen gehüllten Demonstranten gehört auch die russische Künstlerin Natascha. Seit 1987 lebt sie in Deutschland. "Die russische Propaganda ist sehr stark in Deutschland, die Putin-Versteher haben ein großes Podium", glaubt sie. Außerdem denkt sie, dass viele Menschen der Ukraine mit Bezug auf die Europäische Union ablehnend gegenüber stehen: "Vielen Leuten gefällt überhaupt nicht, wenn Länder wie die Ukraine irgendwann zur EU gehören - das bedeutet für Deutsche: mal wieder mehr bezahlen. Kann ich auch gut verstehen." Dass sie als Russin mit Ukrainern gegen die Politik Putins demonstriert, ist für sie nicht ungewöhnlich. "Ich habe auch für die Unabhängigkeit Estlands und Georgiens protestiert. Ich bin einfach gegen sowjetische Machtverhältnisse."

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