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Wirtschaft

Die Kraft in der zweiten Reihe

Wenn von der Wirtschaft die Rede ist, geht es meist um die großen DAX-Konzerne. Doch dabei wird leicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft einen in seiner Summe noch kräftigeren Motor hat: die Familienunternehmen.

Konzernzentrale der Metro Group in Düsseldorf (Foto: DPA)

Deutschlands größtes Familienunternehmen - die Metro Group

Um es gleich vorwegzunehmen: Familienunternehmer sind nicht die besseren Menschen. Nehmen wir die Familie Schlecker, die über ein ganzes Drogerieimperium herrscht. Da haben wir es seit 1998 schwarz auf weiß: Das Stuttgarter Landgericht verurteilte das Unternehmer-Ehepaar zu je zehn Monaten auf Bewährung und einer Million Euro Geldstrafe, weil es viele seiner Beschäftigten schlichtweg betrogen hatte. Oder nehmen wir die Eigentümer des Modelleisenbahnbauers Märklin: Die hielten so lange an überkommenen Konzepten fest, bis sie ihr Unternehmen verkaufen mussten. Und natürlich gibt es auch unter Familienunternehmern diejenigen, die sich überschätzen: Die Familie Schaeffler beispielsweise, die den DAX-Konzern Continental übernommen hat und schon heute als Paradebeispiel dafür gilt, wie man es keinenfalls machen sollte.

Eine Kundin betritt eine Filiale der Drogeriekette Schlecker (Foto: AP)

Hat das Image des fürsorglichen Familienunternehmers beschädigt - Schlecker

Das Sytem macht den Unternehmer besser

In der Summe, glaubt Johann Eekhoff, Präsident des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM), sind Familienunternehmen allerdings systembedingt oft die besseren Unternehmer. Denn solange Familienunternehmer davon ausgehen, dass jemand aus der Familie die Firma übernehme, dächten sie in Generationen - und nicht in Quartalen wie Kapitalgesellschaften. Laufe etwas schief in einem Familienunternehmen, dann könnten diese in Ruhe darauf reagieren, um das Unternehmen langfristig zu stabilisieren, "auch wenn kurzfristig Verluste auftreten", so Eekhoff.

Vielfach befinden sich Familienunternehmen in der dritten oder vierten Generation. Sie erwirtschaften deutlich mehr als 50 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Und sie könnten vielleicht noch mehr erwirtschaften, wenn sie leichter Kapital aufbringen könnten, sagt Eekhoff. "Kapital aufbringen heißt aber im Fall eines Familienunternehmens, dass die Familienmitglieder dieses Kapital aufbringen müssten." Selbst wenn die gute Gewinne machten, sei dies aber oft nicht einfach. "Dadurch haben die Unternehmen in Phasen, in denen sie Marktchancen sehen, einen Nachteil", sagt Eekhoff. Zusatzlich Eigentümer hinzu zu nehmen sei ebenfalls schwierig, beziehungsweise viele Familienunternehmen täten sich schwer damit. "Sobald sie weitere Eigentümer aufnehmen, verwässert natürlich die Idee des Familienunternehmens."

Oft klein - und sehr oft innovativ

Auszubildender zum Anlagentechniker schweißt mit Schutzbrille (Foto: AP)

Familienunternehmen bilden traditionell junge Menschen aus

Vielleicht führt dies aber dazu, dass gerade Familienunternehmen besonder erfinderisch sind, um am Markt bestehen zu können. Typisch für Familienunternehmen sei es jedenfalls, dass sie besonders innovativ seien, sagt Patrick Adenauer, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer ASU. Drei Viertel aller Patente kommen aus Familienunternehmen. Sie seien Marktführer in ihren Bereichen, "Weltmarktführer oft in kleinen Nischen", sagt Adenauer. Deutschland insgesamt habe davon einen großen Nutzen.

Neun von zehn Betrieben in Deutschland sind in Familienhand - mehr als eine Million Betriebe sind das. Und in eben diesen Betrieben erlernen auch die meisten Jugendlichen ihren Beruf, so Eekhoff vom Institut für Mittelstandsforschung. Im Vergleich zu den EU-Ländern Spanien und Frankreich steht Deutschland mit 15 Prozent Jugendarbeitslosigkeit noch ganz gut da. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien oder Frankreich käme deshalb zustande, weil Firmen dort nicht ausbilden. Die Jugendlichen dort sollten dann von der Schule direkt in den Beruf - und auch so bezahlt werden, als hätten sie eine volle Ausbildung. "Die meisten Unternehmen schrecken davor zurück", sagt Eekhoff.

Führung erleben können

Firmenchef August Oetker vor Firmenlogo (Foto: DPA)

Eine starke Bindung - nicht nur für den Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter

60 Prozent aller Beschäftigten arbeiten für ein Familienunternehmen. Fast 90 Prozent würden gerne bei einem Familienunternehmen arbeiten, wie das Marktforschungsinstitut Emnid herausgefunden hat, und Adenauer glaubt auch zu wissen warum: "Familienunternehmen üben eine große Bindung aus." Und dann nennt Adenauer ein Beispiel: der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. "Das ist so ein Unternehmen, wo die Familie ganz nah dabei ist, und jeder Mitarbeiter weiß das und jeder Mitarbeiter spürt das." Ein stabilisierendes Element sei dies, findet Adenauer - ein einer etwas haltlos gewordenen Welt.

Autor: Jutta Wasserrab
Redaktion: Rolf Wenkel