1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Global Ideas

Die Klimadebatte braucht die Stimmen der Frauen

CO2-Werte, Zertifikate, Emissionshandel - die Klimadiskussion ist oft sehr technisch. Klimaschützer fordern, endlich die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Besonders die oft am stärksten betroffenen: Frauen.

Frau im trockenen Maisfeld (Quelle: Anne Wangalachi/CIMMYT)

Frauen sind stärker vom Klimawandel betroffen

Als der Zyklon Sidr 2007 über die Küsten von Bangladesch hinwegfegte, verloren mehr als 3000 Menschen ihr Leben - die meisten von ihnen waren Frauen. Das war kein Zufall, glaubt Sharmind Neelormi von der Jahangirnagar Universität in Savar, Bangladesh. Sie untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschen in dem Land.

Frauen in abgelegenen Gegenden Bangladeschs seien die letzten gewesen, die vom herannahenden Sturm gehört hätten. Denn oft würden sie vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Und wenn es Zyklon-Schutzunterkünfte gebe, nutzen Frauen sie oft trotzdem nicht. Typischerweise gebe es nur eine offene, überflutete Toilette, erklärt Neelormi - kulturelle Gründe machten es Frauen anders als Männern schwer, diese zu nutzen. "Wären die Schutzunterkünfte anders konstruiert worden, könnten tausende Frauen noch leben", glaubt Neelormi.

Eine Frau hackt Holz (Foto: UN)

In Entwicklungsländern verrichten Frauen den größten Teil der Arbeit auf dem Land

Frauen ungleich häufiger betroffen

Die 41-jährige Neelormi setzt sich seit geraumer Zeit bei Regierungsstellen dafür ein, dass die Zyklon-Schutzbunker anders konstruiert werden. Das Problem ist nach Ansicht von Klimaaktivisten ein Beispiel für den fehlenden "weiblichen Faktor" in der Debatte über den Klimawandel. Klimaverhandlungen und Anpassungsstrategien würden den besonderen Bedürfnissen von Frauen kaum Rechnung tragen, glauben sie. 2009 befand eine Studie des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), dass Frauen in Entwicklungsländern die Folgen des Klimawandels ungleich schwerer spüren würden als Männer: Denn Frauen verrichten den größten Teil der Arbeit in der Landwirtschaft und sind daher wesentlich stärker von Wetterereignissen abhängig, die auf die Nahrungs- und Energieversorgung durchschlagen.

Aber das ist nur eines der Probleme, die die Studie beschreibt. Frauen in Entwicklungsländern haben weniger Möglichkeiten ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Sie sind stärker ans Haus gebunden und damit weniger mobil. Auch das erhöht ihre "Vulnerabilität gegenüber plötzlichen wetterbedingten Naturkatastrophen", so die Studie.

"Wichtige Kräfte für den Wandel"

Frau mit elektrischen Anlagenteilen (Foto: CC/Barefoot photographers of Tilonia)

Das "Barefoot-College" in Indien bildet Frauen zu Installateurinnen für Solaranlagen aus

Klimaschützer warnen jedoch davor, Frauen nur als Opfer des Klimawandels zu sehen. "Wenn es um die Anpassung an den Klimawandel geht, sind Frauen wichtige Akteure", sagt Angie Dazé vom kanadischen Ableger der Hilfsorganisation CARE. Im Haushalt und bei der Nutzung natürlicher Ressourcen seien Frauen oft sehr innovativ. "Wir müssen Frauen stärker dazu ermutigen, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einzusetzen", sagt Dazé. Ihre Organisation hat sich auf gemeinschaftlich organisierte Anpassungsprojekte von und mit Frauen spezialisiert und ist gegenwärtig besonders in Ghana aktiv. Dort arbeitet die Gruppe daran, dass die Stimmen der Frauen stärker Gehör finden.

Ähnliche Initiativen gibt es an verschiedenen Orten. So etwa am Barefoot College in Indien, wo Frauen aus landwirtschaftlichen Gemeinschaften zu Installateurinnen für Solaranlagen ausgebildet werden, um so anschließend ihr eigenes Einkommen zu verdienen. In Malawi hilft eine irische Firma dabei, Frauen aus ländlichen Regionen darin zu schulen, energiesparende Öfen zu bauen und zu verkaufen. Der Einsatz dieser Öfen reduziert den gesundheitsschädlichen Rauch, dem Frauen beim Kochen mit Feuerholz ausgesetzt sind. Das Einsparen von Holz verringert außerdem die Abholzung.

Delegierte beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen 2009 (Foto: UN/Mark Garten)

Klima-Männerclub: Bei internationalen Klimaverhandlungen sind Frauen stark unterrepräsentiert


Frauen sind von Entscheidungen ausgeschlossen

Trotz vereinzelter Anstrengungen wie dieser ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass Frauen in der Klimapolitik eine zentrale Rolle spielen. Gotelind Alber von der Organisation Women for Climate Justice ("Frauen für Klimagerechtigkeit") hält ein fehlendes Problembewusstsein und strukturelle Ungleichheiten für die größte Hürde. "Wenn es um Pläne und Entscheidungen im Klimabereich geht, sind Frauen auf allen Ebenen unterrepräsentiert", sagt Alber. "Beim Klimathema haben die meisten Leute das Thema Gleichberechtigung gar nicht auf dem Radar."

Die Regierung von Bangladesch lernt dazu. Die nationale Klimawandelstrategie und der Aktionsplan der Regierung legen derweil fest, dass bei der Planung von jeder Art von Klimaanpassung die Geschlechter-Thematik ausdrücklich berücksichtigt werden muss. Das sei ein Beispiel für die Berücksichtigung der Frauen dort, sagt Sharmind Neelormi und "definitiv ein großer Schritt nach vorne."

Autorin: Sonia Phalnikar
Redaktion: Philipp Bilsky