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Politik

Die kleine Welt des großen Kinos

Die EU - unbeliebt, in der Krise? Nicht überall. In Bangkok ist das von der EU organisierte Filmfestival ein voller Erfolg, nicht zuletzt wegen seiner hervorragenden Organisation.

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Danke EU – ob dänische Familientragödie, italienisches Historiendrama oder tschechische Komödie, halb Bangkok verbrachte letzte Woche in den Kinos. Das Filmfestival der Europäischen Union brachte 30 Filme nach Thailand. Dieses Jahr zum ersten Mal mit dabei: Streifen aus Polen, Ungarn und den anderen neuen EU-Mitgliedern. Auch die deutschen Beiträge – Gegen Die Wand; Schultze Gets The Blues; Mein Bruder, Der Vampir – waren gut besucht.

Dass sogar ein obskurer luxemburgischer Film Tage vorher ausgebucht war, liegt an etwas, womit man die Europäische Union normalerweise nicht in Verbindung bringt: straffe Organisation. Das Programm stand Wochen vorher fest und blieb unverändert, die Filme wurden unter der Woche nur abends gezeigt, und jeder Beitrag kam mit fehlerfreien englischen Untertiteln.

Filmstadt Bangkok

Der Erfolg des Festivals kann kaum an den für das thailändische Publikum exotischen Themen und an guten Filmproduktionen liegen, denn Bangkok ist stolze Heimat von zwei weiteren Filmfestivals. Im Februar veranstaltet die Thailändische Tourismusbehörde (TAT) das glamouröseste der drei, das Bangkoker Internationale Filmfestival (BIFF), zu dem dieses Jahr Stars wie Jeremy Irons und Bai Ling (neben Menschen wie Jean-Claude Van Damme) kamen. Oliver Stone, Colin Farrell, Michael Douglas und Anthony Hopkins sind gern gesehene Gäste, die das Image des Festivals hebt und für das die TAT vier Millionen Euro springen lässt.

Dem EU-Filmfestival folgt jeden Oktober das Weltfilmfestival Bangkok. Organisiert von einer groβen Bangkoker Tageszeitung, strahlt es zwar nur etwa 80 Filme aus (verglichen mit rund 170 während des BIFF), aber die Auswahl ist wesentlich gehaltvoller und globaler. Dank eines aus den USA importierten Festivaldirektos (man stelle sich einen Amerikaner als Direktor des Festivals in Venedig oder Berlin vor), orientiert sich das BIFF am Kino des Westens. Nur das Weltfilmfestival zeigt rare Perlen aus Bangladesch, dem Iran, aus Afrika und Südostasien.

Was zu wünschen übrig lässt

Dank der Tatsache, dass die Organisatoren der zwei internationalen Festivals miteinander konkurrieren, dass es also auch in Zukunft drei Festivals geben wird, kann man die Bangkoker Kinoliebhaber nur beneiden. Fast 250 Filme können sie jährlich sehen, und sie müssen dafür nicht einmal tief in den Tasche greifen: Eine Kinokarte kostet rund zwei Euro. Doch außer dem EU-Festival lässt die Organisation der Festivals zu wünschen übrig. Zum Teil ist sie katastrophal.

Mal gibt es keine Programme, mal sind diese mit falschen Informationen gespickt. Viele Streifen erreichen Bangkok nicht rechtzeitig, andere werden grundlos abgesagt. Zu viele Sitze bleiben in den Theatern unbesetzt, aufgrund des Desinteresses der Sponsoren, die mit Kinokarten überhäuft werden. Einige Filme schaffen es nicht durch die thailändische Zensurbehörde. Die Filmauswahl stimmt einen bedenklich, wenn man weiß, dass der thailändische Film Tropical Malady, Gewinner des Jurorenpreises in Cannes, es noch in kein Bangkoker Festival geschafft hat.

Nur für erlesenes Publikum

Andere Kritiken stoßen tiefer. Viele Thais beklagen, dass die Festivals nur dem Sukhumvit-Club zugänglich sind, einer Gruppe von reichen, gebildeten Thais. Warum jeder Besucher englischen Untertiteln folgen muss anstatt thailändischen, wird meist mit der Tatsache erklärt, dass diejenigen, die sich für derartige Filme interessieren, sowieso englisch verstehen – eine Begründung, die unbequem nah einem eigenproduzierten Orientalismus steht.

Auch warum das BIFF der Tourismusbehörde anstatt dem Kultusministerium untersteht ist unklar. Film hat bisher in keinem anderen Land höhere Touristenzahlen produziert. So werden die zwei Festivals, ideal rein kulturelle Veranstaltungen, politisiert, nicht zuletzt durch die Preisvergaben. Hinter verschlossenen Türen folgt auch die thailändische EU-Kommission gewiss einer Mission, die über das Kulturelle hinausgeht. Doch zumindest für die Öffentlichkeit bleibt allein das wettbewerbsfreie EU-Festival vom Politischen befreit – und kommt zu bedenkenlosem Genuss von europäischer Filmkultur.