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Sprachbar

Die Klaviatur der Fußballsprache

Fußball hat eigene Regeln und eine eigene Sprache. Wahre Kenner des Ballspiels beherrschen sie wie ein Musiker sein Instrument – vom Flügelspiel über die Manndeckung, den Zehner im Sechzehner bis zur Null, die steht.

„Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“: Diese Fußballweisheit des früheren deutschen Trainers Sepp Herberger wird gerne zitiert. Wahr ist sie deshalb noch lange nicht. Und Günter Netzer spielte mit Vorliebe lange Bälle, Michael Ballack schlug weite Bälle, um flott das Mittelfeld zu überbrücken, wobei weder die Bälle lang noch weit sind.

Flügelspiel und Manndeckung

Günter Netzer (r) und zwei Spieler (links). Er ist dabei, den Ball zu schießen

Ganz plötzlich kam er von hinten, „aus der Tiefe des Raumes“ und stürmte nach vorne: Günther Netzer

Warum ein langer Ball allerdings in die Tiefe des Raumes gespielt wird, ist mir ein Rätsel, da die Spiele doch meist im Freien stattfinden. Dafür begeistert mich die hohe musikalische Qualität des Fußballs. Wo sonst findet man derart viele Pianisten auf einem Haufen? So mancher Stürmer beherrscht das Flügelspiel in beeindruckender Perfektion.

Zugegeben – auch so manche Frau spielt virtuos auf der Klaviatur des Passspiels. Der stark emanzipatorische Charakter des Fußballs ist nicht mehr zu übersehen – nicht immer allerdings in der Sprache. Fußballerinnen praktizieren weiterhin die Manndeckung und sind eine Mannschaft. Wenn die Spieler mitunter 120 Prozent und mehr geben, dann nicht nur, um den freien Mann zu finden. Hier wird dann auch die freie Frau auf dem Spielfeld gesucht, während sich so manche Freifrau in der Besucherlounge am Champagner labt.

Die Suche nach dem Tor

Ein Ball fliegt über das Tor. Der Torwart hechtet zur Seite

Mancher Fußballer findet das Tor nicht direkt

Im Fußball werden auch die Schwachen und Behinderten integriert. Menschen mit starken Sehproblemen bekommen immer wieder ihre Chance – und hier sind gar nicht mal in erster Linie die Schiedsrichter gemeint.

Es gibt immer wieder Stürmer, die einfach das Tor nicht finden. Man lässt sie dennoch mitspielen – aus lauter Höflichkeit. Und auch wenn die eigenen Leute beim Spaziergang durch die gegnerische Hintermannschaft die Gäste schlicht stehen lassen, ist das kein Zeichen von Unhöflichkeit – die gegnerische Mannschaft ist halt dieses Mal nicht so gut drauf.

Die Null muss stehen

Ein Fußballspieler formt mit beiden Händen eine Null

Was für eine Freude: Die Null steht!

Auch Zahlenakrobaten kommen im Fußball voll auf ihre Kosten. „Die Null steht“, der Zehner passt in den Sechzehner, und der Schiedsrichter gibt einen Elfer. Sogar Doppelsechsen finden in der Mannschaft ihren Platz. Selbst vermeintlich Untalentierte haben ihren Platz, sprachlich zumindest – das ist das Schöne. Sie werden nicht unbedingt in vorderster Spitze eingesetzt, aber immerhin sind sie voll integriert.

Ansonsten sitzen sie die ganze Saison auf der Bank. Dennoch: Man muss nicht reich sein, um Fußball spielen zu können. Es kann durchaus ein Sport auch für Hartz-IV-Empfänger sein. Man braucht genau genommen nicht mal einen Ball. Im Gegenteil: Das Spiel ohne Ball wird heute sogar bei den Spitzenklubs geübt und gepflegt.

Der Fußball hat ein großes Herz

Gerangel um den Ball vor dem Tor. Im Hintergrund der Torwart

Manchmal wird mit der Brechstange versucht, den Ball ins Tor zu kriegen

Faszinierend ist auch, welche Fülle von Sportarten der Fußball in sich vereinigt. Lange bevor der Begriff „Walking“ die Alltagssprache eroberte, ging man im Fußball schon weite Wege. Man ist viel unterwegs – vor allem im Mittelfeld.

Oft geraten ganze Mannschaften ins Schwimmen, und dafür muss ein Platz nicht unter Wasser stehen. Nichtschwimmer werden dabei keinesfalls vergessen; sie müssen durchhalten. Nicht selten wird sogar das ganze Mittelfeld überbrückt. Und selbst der Heimwerker kommt beim Fußball auf seine Kosten: Räume werden eng gemacht, die Flügelzange ist regelmäßig im Einsatz, manchmal sogar die Brechstange.

Von Doppelpässen und Gegurke

Zugegeben: In Sachen Bürokratie ist der Fußball nicht immer auf der Höhe der Zeit. Die Trainer verlangen nach wie vor den Doppelpass, dabei reicht meist der Personalausweis. Und gelegentlich übertreibt man es auch mit der Ökologie – wenn man sich so manches Gegurke anschaut. Aber wie heißt es so schön: Eine Schwalbe macht noch keine rote Karte, zumindest wenn der Schiedsrichter keine Tomaten auf den Augen hat!




Fragen zum Text

Einen Fußball kann man nicht
1.  zuspielen.
2.  zuschießen.
3.  zuschlagen.

Flügelspieler sind Fußballer, die …
1.  sehr gute Pianisten sind.
2.  in einer Mannschaft links und rechts außen spielen.
3.  bildlich gesehen von Flügeln über das Spielfeld getragen werden.

Die Redewendung Die Null steht bedeutet, dass …
1.  eine Mannschaft kein Gegentor bekommen hat.
2.  ein schwacher Spieler sich aus seiner Manndeckung lösen konnte.
3.  der gegnerische Torwart mit der Rückennummer „0“ keinen Ball ins Tor gelassen hat.


Arbeitsauftrag
Die Fußballsprache hat eigene Begriffe und Formulierungen. So bedeutet Doppelsechs, dass zwei defensive Mittelfeldspieler in einer Mannschaft sind, ein Zehner ist ein offensiver Mittelfeldspieler mit der Rückennummer 10 und ein Spiel ohne Ball ein Stellungsspiel, bei dem jeder Spieler seine Position hat. Recherchiert ein bisschen und findet heraus, was die anderen in dieser Sprachbar verwendeten Begriffe und Redewendungen bedeuten. Ihr könnt sie noch um weitere ergänzen. Dann seid ihr mit Sicherheit gut gerüstet, um ein Fußballspiel zu kommentieren!

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