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Aktuell Welt

Die Kirche, die Gläubigen und der Sex

Die erste Synode unter Papst Franziskus in Rom verspricht spannend zu werden, denn es geht um Ehe, Familie und Sexualität. Und um die Kluft zwischen der Lehre der katholischen Kirche und der Lebenswirklichkeit.

Die Katholische Kirche will den neuen Realitäten in Ehe und Fragen der Sexualität ins Auge sehen. Zwei Wochen lang reden 191 Bischöfe aus aller Welt im Vatikan mit dem Papst darüber, wie die katholische Kirche auf die veränderte Lebenswirklichkeit vieler Katholiken reagieren soll. Dabei stehen Themen wie der Umgang mit Patchwork-Familien, wiederverheirateten Geschiedenen, gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften oder auch Paaren ohne Trauschein ebenso auf dem Programm wie die die Sexualmoral. Weitere Themen der Bischofssynode sind eine bessere Unterstützung für Familien angesichts von Migration und Gewalt.

Franziskus warnt vor Selbstdarstellung

Zu dem Treffen in Rom sind auch Laien geladen. Aus Deutschland sind der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx und die Berliner Eheberaterin Ute Eberl in den Vatikan gereist.

Mit einem festlichen Gottesdienst im Petersdom eröffnete Papst Franziskus die Versammlung. In seiner Predigt machte er den Teilnehmern klar, dass es auf der Synode vor allem um Inhalte und nicht um Personen gehen solle. Statt sich in wirklichkeitsfremden Vorschlägen zu verlieren, sollten die Bischöfe offen und respektvoll über die Belange von Familien diskutieren, so Franziskus. "Die Synodenversammlungen sind nicht dazu da, schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist", sagte der Papst.

Papst Franziskus beim Eröffnungsgottesdienst in Rom (Foto: rtr)

Papst Franziskus: hat zur Synode über Ehe, Familie und Sexualität nach Rom geladen

Zugleich machte er deutlich, dass die geltende kirchliche Lehre bei den Debatten nicht das alleinige Kriterium sein dürfe. "Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über die Lehre hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten", so Franziskus wörtlich.

Streit um Wiederverheiratete

Am Montag beginnt die inhaltliche Arbeit der Bischöfe und Laienteilnehmer im Rahmen der Synode. Als Grundlage und Arbeitspapier dient dafür eine Umfrage unter Gläubigen in aller Welt. Der vom Vatikan im Vorfeld der Synode verschickte Fragebogen hatte ergeben, dass viele Gläubige zu Themen wie der zweiten Ehe oder Verhütung andere Auffassungen vertreten als die katholische Lehre.

Gerade für wiederverheiratete Geschiedene erwarten sich viele Katholiken Lösungen - doch entzündete sich gerade daran im Vorfeld auch ein scharfer Streit. So lehnen konservative Vertreter etwa die Zulassung von Gläubigen zur Kommunion ab, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben. Andere hatten hier eine mögliche Lockerung der kirchlichen Lehre angedeutet.

Beschlüsse sind von der Synode allerdings nicht zu erwarten. Das Treffen dient zur Vorbereitung einer weiteren Synode im kommenden Jahr zum gleichen Thema. Erst danach könnte es nach Ansicht vieler Beobachter womöglich zu konkreten Änderungen der kirchlichen Praxis kommen. Allgemein wird erwartet, dass Franziskus nach der zweiten Synode ein päpstliches Schreiben zu dem Thema veröffentlicht.

cw/wl (afp, kna, dpa)