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Europa

Die Kinder im Niemandsland

Polizeieinsatz, Tränengas, Flüchtlingsprotest - die Situation an der griechisch-mazedonischen Grenze wird immer angespannter. Und mittendrin: zahlreiche Flüchtlingskinder. Von Oscar Lopez, Idomeni.

Während an der Grenze

laute Protestrufe

zu hören sind, schallt fröhliches Kinderlachen aus einem kleinen Zelt im Flüchtlingscamp an der griechisch-mazedonischen Grenze. Hier malen, spielen und singen Jungen und Mädchen gemeinsam mit Iro Kofoktsitos. Ein kurzer, unbeschwerter Moment im Leben dieser Kinder. "Die Dinge, die manche von ihnen malen, sind furchtbar", sagt Kofoktsios. "Menschen mit Gewehren, Krieg, Folter." Die 18-Jährige ist gemeinsam mit anderen Helfern vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) an die griechische Grenze zu Mazedonien gekommen. "Wir können ihnen keine Unterkunft oder Essen geben", sagt sie, "aber wir dachten, zumindest ein Lächeln können wir ihnen schenken."

Lächelnde Gesichter sieht man in dem Flüchtlingscamp in der griechischen Stadt Idomeni selten. Nachdem die mazedonische Regierung in der vergangenen Woche mitteilte, sie würde nur noch Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien oder dem Iran über die Grenze lassen, kamen tausende Menschen aus anderen Nationen

an der Grenze nicht weiter.

Derzeit baut Mazedonien sogar einen drei Meter hohen Grenzzaun.

Jeden Tag protestieren die Zurückgebliebenen, die mazedonische Polizei setzt Blendgranaten und Pfefferspray gegen die demonstrierenden Flüchtlinge ein. Immer wieder wird die Grenze deswegen komplett geschlossen.

Wie soll es weitergehen?

Auch etwa 70 Kinder sind hier unweit der griechischen Stadt Idomeni im trostlosen Niemandsland gestrandet. Die meisten von ihnen kommen aus dem Iran oder Pakistan. Andere Jungen und Mädchen sind aus Marokko, Somalia, dem Sudan oder Bangladesch geflohen. Viele dieser Kinder sind mit ihren Eltern hier, andere sind komplett auf sich allein gestellt. Mit der geschlossenen Grenze sitzen sie nun alle in dem von Hilfsorganisationen aufgebauten provisorischen Lager und wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Freiwillige vom CVJM spielen mit den Kindern im Flüchtlingscamp - Foto: Oscar Lopez (DW)

Freiwillige vom CVJM spielen mit den Kindern im Flüchtlingscamp: Ein kurzer, unbeschwerter Moment

Ungefähr ein Viertel der rund 700.000 Flüchtlinge, die dieses Jahr in Griechenland ankamen, sind Kinder. Sie alle haben eine gefährliche Reise über das Mittelmeer hinter sich. Nach Angaben von Kate O'Sullivan von "Save the Children" sind seit der Veröffentlichung des Fotos der toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi Anfang September noch 110 weitere Kinder ertrunken. Doch wie sich hier in Idomeni zeigt, haben sich diejenigen, die es übers Meer geschafft haben, und nicht aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak kommen, möglicherweise vergeblich in Lebensgefahr begeben.

"Schließung der Grenzen öffnet Türen für Gewalt"

Die traumatischen Erlebnisse der Kinder spiegeln sich in dem wieder, was sie erzählen und malen. Aber die meisten Mädchen und Jungen hier hoffen auf eine bessere Zukunft: "Ich habe hunderte Zeichnungen von Häusern", sagt Helferin O'Sullivan. "Häuser, in denen die Kinder wohnen wollen, wenn sie endlich am Ziel angekommen sind."

Nun drohen die Träume der Jungen und Mädchen an der Grenze zu Mazedonien zu platzen. "Das Schließen der Grenzen öffnet die Türen für Gewalt, Ausbeutung und Schmuggel", sagt Bertrand Desmoulins vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF). "Viele der Minderjährigen sind so entschlossen, nach Deutschland zu gelangen und dort zu studieren und Arzt oder Ingenieur zu werden, dass sie bereit sind, alles zu tun, um über die Grenze zu kommen."

Protestierende Flüchtlinge - Foto: Oscar Lopez (DW)

Protestierende Flüchtlinge: "Angela Merkel, bitte hilf uns"

Auch Alexandra Kruse vom UNHCR sieht die Grenzschließung kritisch. Sie arbeitet in einem Camp auf der mazedonischen Seite der Grenze. "Die Grenzschließung öffnet den Weg für Betrug, auf einmal ist jeder Syrer oder Iraker."

Auf der anderen Seite

Glücklich sind diejenigen, die tatsächlich

den richtigen Pass haben,

der ihnen den Grenzübertritt ermöglicht. Feda und ihre Familie gehören dazu. Die 16-jährige Syrerin ist mit Onkel und Tante aus ihrem Dorf in der Nähe von Homs geflüchtet. Mit dabei sind ihre beiden Cousins, drei und vier Jahre alt. Sie entschlossen sich, Syrien zu verlassen als eine Bombe auf ihr Dorf fiel und sechs Erwachsene und zwölf Kinder starben. "Sie standen in einer Schlange und haben auf Brot gewartet."

Als sie nach einer langen und gefährlichen Reise über das Mittelmeer dann endlich an der griechisch-mazedonischen Grenze standen, ging es aber auch für Feda und ihre Angehörigen zunächst nicht weiter. "Wir mussten die ganze Nacht warten", berichtet Feda. "Wir haben nicht geschlafen, wir haben nichts gegessen. Es war so kalt. Ich bin froh, jetzt auf der anderen Seite zu sein." Jetzt will sie weiter. Ihr Ziel ist Deutschland. "Ich will wieder in die Schule gehen und dann Ingenieurin werden."

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