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Hintergrund

Die Kanzlerin spricht

Seit mehr als einem Jahr wendet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Videobotschaften an die Internet-Gemeinde - begleitet von Spott, aber höchst erfolgreich. DW-WORLD.DE war bei der Aufzeichnung im Kanzleramt dabei.

Andreas Schmidt, Redakteur der Produktionsfirma, prüft die Aufzeichnung, Quelle: DW

Der Podcast-Redakteur Andreas Schmidt prüft die Aufzeichnung

Noch ist Herr Hausmann bester Laune. Die beiden Strahler stehen perfekt, das Panoramafenster zum Reichstag ist mit einer getönten Folie abgeklebt, auf dem Stehpult liegen zwei Seiten Redetext bereit, daneben hängt gravitätisch eine Deutschlandfahne. Sogar die Akkus hat sein Kamerateam noch schnell ausgewechselt, nur zur Sicherheit. Die Kanzlerin kann kommen.

"Es gibt Grenzen"

Andreas Schmidt posiert für die Einstellung der Kamera als Angela Merkel, Quelle: DW

Andreas Schmidt posiert als Angela Merkel...

Herr Hausmann hat also im Moment allen Grund, entspannt zu sein. Und so plaudert er über seine Produktionsfirma Evisco, die seit vergangenem Sommer jeden Freitag ins Kanzleramt kommt, um den Video-Podcast der Kanzlerin aufzuzeichnen. Es ist gewissermaßen ein Stück Mediengeschichte, an dem Herr Hausmann beteiligt ist: Kein anderer Staatschef verbreitet bislang außerhalb von Wahlkämpfen regelmäßige Videobotschaften über das Internet. "Das ist für uns natürlich ein sehr wichtiger Auftrag", sagt Herr Hausmann. "Wir freuen uns, hier zu sein." Da ist noch alles ruhig.

Die dreiminütigen Videos sind denkbar einfach gemacht: Eine feste Kameraeinstellung, vielleicht einmal ein kleiner Zoom, aber das war es auch schon. Herr Schweyer, der Kameramann sagt: "Bei der Arbeit mit der Kanzlerin gibt es Grenzen." Herr Hausmann, der Geschäftsführer, sagt: "Es geht nicht um den Showeffekt, es geht um die Vermittlung von Informationen."

Umbarmherzige Reaktion

Der Kameramann prüft die Einstellung, Quelle: DW

...damit der Kameramann die Einstellung überprüfen kann

Die Medien reagierten auf die Podcasts, als hätten sie flirrende Pop-Clips erwartet. Die "mäßige, aber ziemlich regelmäßige" (Berliner Zeitung) "Ansprache im Stil eines Weihnachtsgrußwortes" (Welt) sei - abgesehen von ihrer "unfreiwilligen Komik" (FAZ) - "langsam und dröge" (stern), "steif und emotionslos" (SZ).

Den Erfolg hat das nicht schmälern können: Bei der dpa wird der samstägliche Podcast nach Angaben des Hauptstadtbüros als "wichtige Nachrichtenquelle am Wochenende" betrachtet, auch andere Nachrichtenagenturen schicken regelmäßig Meldungen über den Ticker. Die werden auch von jenen Zeitungen nachgedruckt, die für den Podcast selber nur Spott übrig haben. Für 2000 Euro Produktionskosten ist das sehr viel Resonanz.

"Das ist ein sehr öffentlichkeitswirksamer Auftrag", sagt Herr Hausmann. Ansonsten zeichnet die Evisco AG Modenschauen auf oder stellt Internet-Filme für den FC Bayern München her. Die Erfahrungen aus dem Sportbereich seien sehr nützlich, sagt Herr Hausmann, denn: "Wir müssen sehr flexibel reagieren können."

Lesen Sie im zweiten Teil, warum das Team sehr flexibel reagieren muss.

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