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Asien

Die Kandidaten

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Aussichtsreich: Abdul Sattar Sirat könnte Chef der afghanischen Übergangsregierung werden

Noch haben sich die afghanischen Delegationen auf dem Petersberg nicht einigen können, wem sie die politische Zukunft Afghanistans anvertrauen wollen. Sechs Kandidaten werden jedoch für die Posten des Regierungschefs und seiner fünf Stellvertreter hoch gehandelt – allesamt klangvolle Namen, die im Westen noch weitgehend unbekannt sind.

Sayed Hamid Karsai
Der 46jährige Paschtunenführer ist ein heißer Kandidat für das Amt der zukünftigen Chefs der Übergangsregierung in Afghanistan. Der Anhänger des Ex-König Mohammed Sahir Schah sei im Vielvölkerstaat Afghanistan mit niemandem verfeindet, begründet ein iranischer Beobachter die Sogkraft Karsais. Zudem werde er auch von der Nordallianz unterstützt. Mehr noch: Karsai gehöre dem Königsclan an – "also im weitesten Sinne zur Königsfamilie".

Anfänglich hatte Karsai, der vielen als Protegé der USA gilt, die Taliban unterstützt. Zu ihrem Gegner wurde er, weil der den offensichtlichen Einfluss Pakistans und anderer Ausländer, wie Osama bin Laden, auf die Bewegung der Taliban missbilligte. Sich selbst beschreibt der früher stellvertretende Außenminister Afghanistans, der fließend englisch spricht, als moderaten Moslem.

Abdul Sattar Sirat
Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat für die Führung der Übergangsregierung ist Abdul Sattar Sirat. Der Verhandlungsführer der monarchistischen Rom-Gruppe gilt als einer der einflussreichsten Berater des afghanischen Ex-Königs Mohammed Sahir Schah. Und diesem wird von vielen die größte Integrationskraft im zerrissenen Afghanistan zugeschrieben. Ebenso wie der greise Ex-König lebt der ethnische Usbeke Sirat seit langem im ausländischen Exil. Zuvor war er unter dem König Justizminister gewesen. Gegen den 63jährigen Professor für Islamwissenschaften als Chef der Übergangsregierung soll es jedoch Bedenken seitens der UN geben. Er sei zu schwach und zudem kein Paschtune – also nicht Angehöriger der größten Bevölkerungsgruppe Afghanistans.

Sibgatullah Modschadiddi
Der frühere Übergangspräsident wird von der Nordallianz als einer der stellvertretenden Regierungschefs akzeptiert. Von seinen Anhängern wird der Anführer der "Nationalen Front", einer moderat-religiösen Mudschaheddin-Gruppe, als "Heiliger" verehrt. Der Theologie-Professor wurde 1989 Präsident der afghanischen Übergangsregierung und 1992 der erste Präsident Afghanistans nach dem Sturz der kommunistischen Regierung. Dieses Amt musste er aber wenig später an Burhanuddin Rabbani abtreten, der nach wie vor als offizieller Präsident Afghanistans gilt. Gegen seinen Nachfolger und dessen Verteidigungsminister Schah Massud erhob er schwere Vorwürfe. Modschadiddi traf sich mehrfach mit Vertretern der Taliban-Gegner, um über die politische Zukunft Afghanistans zu beraten.

Junis Kanuni
Der ethnische Tadschike vertritt die Nordallianz auf dem Petersberg als Verhandlungsführer. Mit deren Außenminister, Abdullah Abdullah, bildet Kanuni ein eingespieltes Duo. Vor Kurzem ist er für die Nordallianz offiziell zuständig für Innere Angelegenheiten. Beobachter beschreiben ihn als Vertreter der neuen Ära: mit diplomatischem Geschick und politischem Instinkt. Die Nordallianz will ihn als zukünftigen Innenminister der Übergangsregierung durchsetzen.

Abdullah Abdullah
Der Tadschike hat sich zu einer festen Größe innerhalb der Nordallianz entwickelt, als deren Außenminister er auftritt. Zudem wird er als wahrscheinlicher Kandidat für einen Stellvertreterposten in der neuen Übergangsregierung gehandelt. Ihm soll nach dem Willen der Nordallianz das Außenressort übertragen werden.

Mohammed Fahim
Auch Mohammed Fahim ist ethnischer Tadschike und führendes Mitglied der Nordallianz. Seit der Ermordung von Ahmed Schah Massud im September dieses Jahres bekleidet er den Posten des Militärbefehlshabers der Allianz. Ebenso wie Kanuni und Abdullah stammt Fahim aus dem Pandschirtal. Der 44jährige gilt als verlässlicher und zäher Militärführer, verfügt aber nicht über das Charisma Massuds. Die Nordallianz beansprucht für ihn in der Übergangsregierung das Verteidigungsressort.

Sajed Ahmed Gailini
Zu den Unterstützern des Ex-Königs Sahir Shahs gehört offenbar auch die sogenannte Peschawar-Gruppe, um Sajed Ahmed Gailini, der vorwiegend paschtunische Stammesführer vertritt. Auch er kommt für einen Stellvertreterposten in Frage.