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Kultur

Die Kaiser von China

Riesige Gemälde und kostbare Kunstgegenstände der chinesischen Kaiser sind jetzt in Köln zu sehen. Auch das heutige China soll verständlicher werden. An der Inszenierung der Macht waren Europäer stark beteiligt.

Ein Thronensemble steht am 18.10.2012 in Köln im Museum für Ostasiatische Kunst. Die Ausstellung «Glanz der Kaiser von China: Kunst und Leben in der Verbotenen Stadt» ist vom 20.10.2012 bis zum 20.01.2013 in Köln im Museum für Ostasiatische Kunst zu sehen. Foto: Oliver Berg/dpa (zu dpa Museen/Kunst vom 19.10.2012) pixel

Ausstellung Glanz der Kaiser von China Thronensemble

Lebensgroße Herrscherporträts und meterhohe Gemälderollen, die detailreich das Leben am kaiserlichen Hof in China zeigen, zeigt derzeit das Ostasiatische Museum. In ausgeschmückten Zeremonien ist auf den Bildern neben der adeligen Pracht auch das Autoritätsgefüge der Würdenträger zu erkennen. Zahlreiche Gegenstände, mit denen sich die Kaiser umgaben: ein reichverzierter Thron aus Tiergeweihen, Brokat-Gewänder, schmuckvolle Uhren und kunstvolle Vasen lassen diesen Teil des einstigen China lebendig werden.

In 39 Hochsicherheitskisten war die wertvolle Fracht vom Palastmuseum in Peking nach Köln gebracht worden. Beim Auspacken achteten die mitgereisten Wächter des Schatzes auf jedes Detail. Rund 190 Kunstwerke zeigt das Ostasiatische Museum noch bis zum 20. Januar 2013. Eine kleine Auswahl historisch besonders bedeutender Objekte aus den mehr als 1,8 Millionen Kunstwerken des Palastmuseums.

Das China von damals erklärt das China von heute

Die Offizielle Staatsrobe von Kaiser Kangxi in Köln im Museum für Ostasiatische Kunst in einer Vitrine (Foto: dpa)

Die Staatsrobe des Kaisers Kangxi

"Es ging uns keineswegs um Propaganda für China. Wir sind Aufklärer", sagt die Ausstellungskuratorin und Museumsleiterin Adele Schlombs. Es gehe darum, die historischen Bedingungen zu verstehen, unter denen das heutige China entstanden sei. Einen universellen Anspruch wie die chinesischen Kaiser hätten europäische Herrscher niemals gehabt.

Im Reich der Mitte galt der Kaiser als Garant kosmischer Energie, als politisches Oberhaupt und als religiöser Führer, der alles und alle vereint: Buddhisten, Daoisten und Anhänger des Schamanismus. Die Kaiser wurden als Himmelssöhne betrachtet, als eine alles umfassende Macht, der sich niemand entziehen konnte. Gleichzeitig waren sie die Hüter der Tradition, Kunstmäzene und zuständig für die Vermittlung von Bildung und Wissen. "Wenn man das weiß, erscheint Chinas heutiger Autoritätsanspruch, der vielen Europäern aufstößt, plötzlich in einem anderen Licht", erklärt Schlombs.

Die Halle der Höchsten Harmonie in Peking ist die größte zusammenhängende Holzkonstruktion weltweit (Foto: The Palace Museum)

Die "Halle der Höchsten Harmonie" ist die größte zusammenhängende Holzkonstruktion weltweit

Inszenierte Größe mit Europas Hilfe

Was kaum jemand vermutet: an der Inszenierung von Größe, Macht und Pracht der chinesischen Kaiser waren Europäer deutlich beteiligt, erläutert Sinologin Schlombs. Gleichzeitig habe China das europäische Denken beeinflusst. "Der kulturelle Austausch zwischen China und Europa war im 17. und 18. Jahrhundert auf seinem Höhepunkt." Jesuiten-Pater standen in regem Austausch mit Chinas Kaisern und der geistigen Elite des Landes. Die Lehre des chinesischen Philosophen Konfuzius sei das Modell des aufgeklärten Staates gewesen und habe viele Denker im Westen geprägt.

Auf der anderen Seite hätten die Jesuiten am chinesischen Hof eine neue Form der Bildlichkeit eingeführt und eröffneten den Herrschern neue Möglichkeiten der Selbstdarstellung, so Schlombs. Als Maler und Künstler hätten die Geistlichen den realistischen Stil dieser Epoche geprägt. Ein Bild aus dem Jahr 1736 erkläre das deutlich, "Friedliche Botschaft" von Giuseppe Castiglione. Für Nichteingeweihte zeigt die Darstellung nur zwei Männer mit einem blühenden Aprikosenzweig. Schlombs erklärt, dass hier eine friedvolle Übergabe der Kaiserherrschaft dokumentiert und symbolisiert werde. "Das Entscheidende aber ist, dass die Gesichter genau zu erkennen sind, mit Schatten und scharfen Zügen. Das war vor dieser Zeit undenkbar."

Deutsches Know-How und chinesischer Geist

Adele Schlombs, Direktorin des Ostasiatischen Museums in Köln, vor einem chinesischem Glockenspiel (Foto: DW/Günther Birkenstock)

Mit dieser Ausstellung könne man das heutige China besser verstehen, meint Kuratorin Adele Schlombs

Chinas Wissenschaft profitierte von den westlichen Einflüssen ebenfalls. Der Jesuit Adam Schall von Bell, am Kaiserhof zum Mandarin geadelt, stieg auf zum Leiter des kaiserlichen astronomischen Instituts und entwickelte astronomische Geräte. Auch die Kanonenproduktion überwachte er zwischenzeitlich. Der kulturelle Austausch beflügelte die Technik. Aus dem Westen hatte man die Emailletechnik importiert, wo sie zur Veredelung von Metalloberflächen verwendet wurde. China nutze das Emaillieren statt für Metall für die Verzierung von Porzellan, aufwändig und kunstvoll.

Zwei Jubiläen

Anlass für die hochkarätige Ausstellung ist das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Peking und Köln. Es war wohl die traditionsreiche Verbindung, die dem Ostasiatischen Museum die Mittel und die Chance verschaffte, eine solche Schau auf die Beine zu stellen. Auf bundesdeutscher Ebene werden damit außerdem 40 Jahre diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China gewürdigt.

Auch wenn der Titel "Glanz der Kaiser von China" so verstanden werden kann, in Köln werden nicht nur Pracht und Herrlichkeit der ehemaligen Herrscher gezeigt. "Hier werden auch kritische Bezüge zum früheren Herrschaftssystem hergestellt", betont Kuratorin Schlombs. Sie ist sich sicher, dass die chinesische Unterstützung dieser Ausstellung in all ihrer Differenziertheit etwas von Chinas neuer Souveränität und Distanz zur eigenen Geschichte zeige.