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Asien

Die künstlich schwache Währung: Chinas Yuan

Der Wechselkurs der chinesischen Währung Renminbi sorgt seit Jahren für Konflikte. Der Vorwurf: China hält den Wert seiner Währung künstlich niedrig, um sich Handelsvorteile zu verschaffen. Das ärgert auch die EU.

Rosa-farbene 100 Yuan-Noten werden von zwei Händen aufgefaltet gehalten (Foto: AP Photo/Greg Baker)

Aufwertung in kleinen Schritten: Der Yuan

Um zu zeigen, wie ernst das Währungsproblem ist, schickt die Europäische Union am 27. November drei ihrer Spitzenvertreter nach Peking. Nämlich Jean-Claude Trichet, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Joaquin Almunia, den EU-Währungskommissar und Jean-Claude Juncker, den Chef der Gruppe der Euro-Finanzminister. Dass der Renminbi, so der offizielle Name der chinesischen Währung, unterbewertet ist, darüber bestehen kaum Zweifel. Auch die Chinesen selbst bestreiten das nicht mehr.

Aufwertung in kleinen Schritten

Jean-Claude Juncker mit Hand an seinem Gesicht (Foto: Günter R. Artinger epa/dpa/lnw)

Reist nach China um Druck zu machen: Jean-Claude Juncker

Liu Liqun, Europa-Experte an der Akademie für Sozialwissenschaften in Peking weiß, dass das Tempo der Aufwertung dem Westen zu langsam ist. "Mein Eindruck ist, dass die chinesische Regierung diesem Problem sehr viel Aufmerksamkeit schenkt und auch eine Reihe von Maßnahmen ergriffen hat." Der Leitzins sei in diesem Jahr schon fünfmal erhöht worden, und auch der Mindestreservesatz für Geschäftsbanken wurde angehoben, erklärt Liu Liqun. "Es ist eine Aufwertung in kleinen Schritten." Diese kleinen Schritte sind den USA und der EU aber zu klein. Seit der Aufgabe der festen Dollar-Bindung im Juli 2005 ist der Wert der chinesischen Währung um ca. 10 Prozent gestiegen, jedoch nur gegenüber dem US-Dollar. Und seit der Dollar wegen der Immobilienkrise und den düsteren Konjunkturaussichten in den USA unter Druck steht, wertet  sich der Renminbi gegenüber dem Euro sogar ab. Für die EU bedeutet das in diesem Jahr ein Handelsbilanzdefizit von voraussichtlich 170 Milliarden Euro. Ein Rekordwert.

Am Ende der Produktionskette

Diese riesige Summe hat aber für die chinesische Regierung wenig Aussagekraft. Gudrun Wacker, China-Expertin bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin, erläutert Pekings Position. “Die Chinesen sehen sich in der Produktionskette, bei der Wertschöpfung, ziemlich weit unten, denn im Grunde genommen werden in China nur Dinge zusammenmontiert und damit ist nicht sehr viel Gewinn zu machen. Das Argument ist immer: Wir müssen so viele T-Shirts verkaufen, um einen Airbus kaufen zu können.” Doch egal wer die größten Gewinne einstreicht - der Handelsbilanzüberschuss hat dazu geführt, dass China bereits seit Anfang 2006 über die größten Devisenreserven der Welt verfügt. Inzwischen sind das genau 1,43 Billionen Dollar.

Dilemma um Devisen

Allerdings steht die Volksrepublik dabei vor einem Dilemma: Versucht sie, ihre Deviseninvestition angesichts der Dollar-Schwäche verstärkt in andere Währungen wie etwa den Euro umzuschichten, wird sie die Talfahrt des Greenback noch beschleunigen. Weitere Investitionen in den Dollar führen dagegen ebenfalls zu nicht unerheblichem Wertverlust ihrer Devisenreserven. Einen Befreiungsschlag würde nur die Freigabe der Wechselkurse oder eine massive Aufwertung der Währung bringen. Beide Fälle halten Analysten aber für unwahrscheinlich. Mit anderen Worten: Die EU-Spitzenvertreter werden auf ihrer China-Reise kaum etwas erreichen können.