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Musik

Die künstlerischen Ambitionen der Marion Maerz

Marion Maerz wollte mehr sein, als nur ein Schlagerstar: 1971 sang sie Lieder des amerikanischen Komponisten Burt Bacharach auf Deutsch ein. Doch die Platte blieb ein Geheimtipp, den es jetzt wieder zu entdecken gilt.

Marion Maerz

Sie wollte vom Schlager wegkommen, um zu zeigen, was sie als Sängerin kann, erzählt Marion Maerz. Sie sitzt in einem Restaurant am Elbstrand von Hamburg-Blankenese, unweit ihrer Wohnung. Es ist ein grauer Wintertag, am Strand vor dem Fenster streiten sich die Möwen, und schmutzige Containerriesen fahren in Richtung Nordsee. Eine Kulisse wie geschaffen, um die traurigen Liebeslieder aus dem Burt Bacharach Songbook zu illustrieren. Auch da werden gerne Schiffe besungen, auf denen die Liebe davon fährt. Doch Marion Maerz sang nicht von „Trains & Boats & Planes“ – bei ihr wurde aus dem Bacharach-Song das deutsche „Frag doch nur dein Herz“.

Aufrücken in die Reihe der Großen

1971 waren diese Lieder Marion Maerz‘ große Hoffnung. „Seite eins“ hieß das Album, auf dem sie eine Auswahl von Stücken aus dem Bacharach Songbook auf Deutsch interpretierte.

Deutsche Schlagersängerin Marion Maerz

Das späte Comeback der Marion Maerz.

Die Platte sollte ihrer stockenden Karriere als Schlagersängerin neuen Schub geben. Und es war die einmalige Chance für die noch junge Frau, in die Reihe der Großen wie etwa Drafi Deutscher oder Gitte Haenning aufzurücken – jenen Interpreten, die immer ein bisschen mehr waren als „nur“ Schlagersänger. „Seite eins“, sagt Maerz, „ist meine Lieblings-LP immer gewesen, auch weil sie über Schlager hinausgegangen ist. Da bin ich besonders stolz drauf.“

Dabei war Marion Maerz da schon in die Musikgeschiche eingegangen. Sie war die erste Deutsche, die im legendären Beat Club von Radio Bremen auftreten durfte - mit einem englischen Song, weit entfernt von deutscher Schnulzigkeit. Damals nannte sie sich noch schlicht „Marion“.

Gesangsstunden waren erlaubt

Geboren wurde sie 1943 als Marion Litterscheid in Flensburg. Schauspielerin durfte sie nach dem Willen ihres strengen Vaters nicht werden, Gesangsstunden wurden ihr aber erlaubt. 1964 wurde sie auf der Messe in Hannover entdeckt. Sie durfte an einem Talentwettbewerb teilnehmen, der ihr den zweiten Platz und die Aufnahme zweier Singles einbrachte.

Deutsche Schlagersängerin Marion Maerz

1965 landet sie mit „Er ist wieder da“ einen Hit. Doch künstlerische Ambitionen, die Marion Maerz immer schon hatte, sind im Schlagergeschäft nicht gut aufgehoben. Maerz musste Stücke singen, die ihr nicht gefielen, und das verheimlichte sie auch nicht. Sie galt bei Schlagerproduzenten als schwierig. Der Erfolg war für Marion Maerz nie das Wichtigste: „Ich singe, weil ich gerne singe, und nicht weil ich jetzt unbedingt Nr.1 sein will.“

Das Angebot, die Stücke des großen Burt Bacharach zu singen, war für Marion Maerz eine einmalige Chance. Doch die Schallplatte floppte, warum, das ist schwer zu sagen. Sie mit den von Dionne Warwick eingesungenen Originalen zu vergleichen, wäre falsch. Der deutsche Schlagermarkt hat schon immer nach Übersetzungen verlangt, nicht nur textlich, auch musikalisch. Das hat Arrangeur Ingfried Hoffmann vor allem durch geschickte Vereinfachung und das Einstreuen von Schlagerelementen geschafft, ohne das Sonnige und die Leichtigkeit der Originale aufzugeben. Und Marion Maerz singt diese Lieder mit einer klaren, warmen Stimme, die die perfekte Balance zwischen Selbstbewusstsein und mädchenhafter Unschuld hält.

Begehrtes Sammlerstück auf Vinyl

Inzwischen ist „Seite eins“ unter Sammlern inzwischen ein begehrtes Objekt, und in Schlager-Internetforen wird Marion Maerz als großes unterschätztes Talent gefeiert. Eine späte zweite Karriere wird ihr mit der Neuveröffentlichung ihrer Bacharach-Songs wohl nicht gelingen. Aber sie wird vielleicht endlich späte, verdiente Achtung für ihr Lieblingsalbum finden. Wenn ihre Hörer nun dazu bereit sind – für Burt Bacharach auf Deutsch.

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