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Europa

Die Kältewelle in Europa bleibt umbarmherzig

Der kälteste Dezember in Großbritannien seit 100 Jahren, Chaos und Tumulte am Frankfurter Flughafen, den ersten Tankstellen in Deutschland geht der Sprit aus: Der Winter verlangt den Menschen derzeit viel ab.

Menschenmasen im Terminal Eins des Flughafens in Frankfurt am Main auf (Foto: dapd)

So wie hier im Frankfurter Flughafen sieht es an vielen europäischen Airports aus

Am verschneiten Frankfurter Flughafen warteten am Samstag (18.12.2010) tausende Passagiere auf ihren Abflug. "Der Flugplan ist komplett aus den Fugen geraten", sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport. Allein bis Samstagnachmittag seien mehr als 230 Flüge gestrichen worden, am Vortag waren 560 von 1400 Flügen am größten deutschen Airport annulliert worden. Dadurch gibt es inzwischen einen Rückstau von etwa 2500 Fluggästen.

Die missliche Lage am Frankfurter Flughafen führte sogar zu Tumulten. Die Polizei musste bei der Gepäckabfertigung aufgebrachte Passagiere zur Ruhe bringen, wie Augenzeugen berichteten. Auslöser der hitzigen Debatten unter den Fluggästen waren erhebliche Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung am Lufthansa-Schalter. In einer schier endlosen Schlange, die sich quer durch das Terminal eins zog, warteten hunderte Passagiere.

Airport-Schließungen in London und Budapest

Enteisung einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt (Foto: dapd)

Enteisung einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt

Noch weitaus härter hat es Großbritannien getroffen. Eine rekordverdächtige Kältewelle mit Temperaturen von bis zu minus 13 Grad führten in Großbritannien am traditionell verkehrsreichsten Wochenende vor Weihnachten zu massiven Beeinträchtigungen im Verkehr. Nach heftigen Schneefällen wurden die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick zeitweise komplett geschlossen, weil die Schneemassen nicht mehr rasch genug beiseite geräumt werden konnten. British Airways strich bis Samstagnachmittag alle Verbindungen von und nach Heathrow und Gatwick. Auch der Billigflieger Easyjet stellte am Morgen alle Gatwick-Flüge ein. Der Eurostar-Zug nach Frankreich konnte nur mit gedrosseltem Tempo fahren, die Fähren schränkten ihren Betrieb ebenfalls ein. Wen wundert es da noch, dass der britische Wetterdienst den kältesten Dezember seit hundert Jahren registrierte.

Heftige Schneefälle beeinträchtigten ebenso massiv das öffentliche Leben in anderen europäischen Ländern. Der Flughafen Budapest Ferihegy wurde genauso geschlossen wie Airports in der Toskana. Am Bahnhof Florenz war der Zugverkehr lahmgelegt, knapp 5000 gestrandete Passagiere wurden in einem nahegelegenen Kongresszentrum untergebracht. Auch auf den eisglatten Straßen im Nordosten Frankreichs ging nach zahllosen Unfällen abschnittsweise nichts mehr.

Streusalz-Produktion rund um die Uhr

Streusalz-Entladung in der Autobahnmeisterei Börde bei Hohenwarsleben (Foto: dpa)

Streusalz-Entladung in der Autobahnmeisterei "Börde" bei Hohenwarsleben

Schnee und Eis behindern zunehmend auch die Versorgung in Deutschland. Den ersten Tankstellen ging eine Woche vor Weihnachten der Treibstoff aus. Spritmangel betraf besonders Tankstellen in den Mittelgebirgen wie im Harz, im Erzgebirge oder im Thüringer Wald. Aufgrund der Engpässe dürfen in Thüringen und Sachsen am Sonntag ausnahmsweise Streusalz- und Benzinlaster fahren. Die Hersteller von Streusalz schließen angesichts des anhaltend strengen Winters Engpässe bei der Lieferung ebenfalls nicht aus. "Die Nachfrage ist enorm gestiegen", sagte Norbert Steiner, Vorstandschef von Marktführer K+S. "Wir produzieren an allen Standorten rund um die Uhr." Zudem habe das Unternehmen Zusatzkapazitäten im In- und Ausland aktiviert. Wirtschaftlich zahlt sich das kalte Wetter für die Streusalz-Produzenten indes aus. "Wir werden 2010 das zweitbeste Jahr in unserer Unternehmensgeschichte haben und sind auch für 2011 zuversichtlich", sagte der K+S-Chef.

Halten sich Schnee und Eis weiter so hartnäckig, werden sich Autofahrer vielerorts nicht mehr auf geräumte Straßen verlassen können. "Wir versuchen alles zu tun, aber wenn man kein Geld hat, wird man teilweise den Winterdienst einschränken", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. Schon jetzt wird auf einigen Nebenstraßen nicht mehr gestreut. "Die Bürger werden sich wahrscheinlich daran gewöhnen müssen, wie in skandinavischen Ländern, dass man auch auf einer festgefahrenen Schneedecke fahren kann", so Landsberg.

143 Zentimeter Schnee auf dem Brocken

Ein Junge springt bei Sonnenberg im Harz begeistert in den Neuschnee (Foto: dpa)

Freude am Winter: Ein Junge springt bei Sonnenberg im Harz in den Neuschnee

Doch Schnee hat bekanntlich auch seine schönen Seiten: Die Wintersportgebiete im Harz erlebten am Samstag den ersten Ansturm von Weihnachtsurlaubern. Auf dem Brocken wurden 143 cm Schnee gemessen. Über ein ordentliches weißes Polster freuen sich andere Wintersportgebiete gleichermaßen: Auf dem Fichtelberg im Erzgebirge liegen 133 cm Schnee, vom Großen Arber im Bayerischen Wald werden 122 cm gemeldet, von der Zugspitze eine Gesamtschneehöhe von 185 cm.

Eins ist für die Meteorologen sicher: Auch in den nächsten Tagen bleibt es winterlich kalt. In der Nacht zum Sonntag kommen von Westen Schneefälle auf, die zum Teil länger andauern, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte. Örtlich sei Neuschnee von bis zu 15 Zentimeter möglich. Die Luft kühlt auf minus fünd bis minus zehn Grad ab. In den klaren Gebieten liegt die Tiefsttemperatur örtlich sogar unter minus 15 Grad. Im Laufe des Sonntags verlagern sich die Schneefälle dann nach Nordosten, am Oberrhein werden schon Plusgrade erreicht. Zum Wochenanfang setzt sich dann im Südwesten Deutschlands ganz allmählich etwas mildere Luft durch. Die im Laufe der Woche dort erwarteten Niederschläge werden zunehmend in Regen übergehen. Dabei besteht erhöhte Gefahr von Glatteisbildung. Im Norden und Osten bleibt aber die winterliche Witterung erhalten.

Autor: Stephan Stickelmann (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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