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Politik

"Die jungen Tibeter wollen die Unabhängigkeit"

Die Exil-Tibeter in Indien und Nepal fühlen sich von den Regierungen ihrer Gastgeber-Länder im Stich gelassen. Sogar der Dalai Lama hat die indische Regierung ungewöhnlich offen als übervorsichtig kritisiert.

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Ein Zentrum der Tibeter in Nepal

Der Innenhof und die angrenzenden Räume des tibetischen Wohlfahrtszentrums in der nepalesischen Hauptstadt Katmandu sind dicht gefüllt mit Hunderten von Betenden, die auf dem Boden sitzen, Gebetsmühlen drehen und in Plakaten auf englisch oder chinesisch gegen die Unterdrückung in Tibet demonstrieren. Wenige Tage vor den Wahlen in Nepal haben die Exil-Tibeter aus Rücksicht vor dem Wahlkampf ihre Proteste von der Straße weg verlagert. Die Gesichter sind entschlossen, aber in keiner Weise aggressiv.

Die Jungen wollen die Unabhängigkeit

Exil-Tibeter protestieren gegen die Gewalt in Tibet - Boudha, Katmandu, heute. Viele haben sich nach nepalischer Sitte aus Trauer die Haare abrasiert.

Exil-Tibeter protestieren gegen Gewalt in Tibet. Viele haben sich nach alter Sitte aus Trauer die Haare abrasiert.

Während viele Tibeter weiterhin auf den Dalai Lama zu hören scheinen, ist seine gemäßigte Forderung nach Autonomie bei anderen nicht mehr so populär. "Die meisten Mönche und die ältere Generation sind auf der Linie des Dalai Lama. Aber die jungen Tibeter wollen die Unabhängigkeit", sagt der tibetische Journalist Jamyang Tenzing. "Sie glauben schon an den Dalai Lama und das, was er lehrt – aber hauptsächlich wollen sie die Unabhängigkeit."

Tenzing Wangdu, bis vor kurzem Präsident des Tibetan Youth Congress in Nepal, drückt es diplomatischer aus, aber er sagt im Grunde das Gleiche: "Es geht nicht um Frustration über den Dalai Lama. Denn sobald die Chinesen zuhören und versuchen, im Dialog eine Lösung zu finden, werden fast 100 Prozent der Tibeter hinter ihm stehen. Aber wenn die Chinesen überhaupt nicht hören wollen, dann werden sich die Tibeter an die Fakten halten: Tibet war und ist ein freies Land!"

Exil-Tibeter bei Protesten gegen die Gewalt in Tibet in Katmandu

Protestierende Exil-Tibeter in Katmandu

Die Radikalisierung der Exil-Tibeter ist ein Problem für die Regierungen Indiens und Nepals. Sie fürchten diplomatische Verstimmungen mit China und haben deswegen viele Demonstrationen in den vergangenen Wochen verhindert, teils mit brutaler Gewalt.

In Indien leben neben dem Dalai Lama noch rund 100.000 Tibeter. In Nepal, gewöhnlich die erste Station der Exilanten, wird ihre Zahl auf 20.000 geschätzt. Sie sind eine recht gut integrierte Minderheit, die sich zurzeit aber nicht mehr so wohl fühlt. "Natürlich bin ich mit der Haltung der nepalesischen Regierung überhaupt nicht zufrieden", sagt Tenzing Wangdu vom Tibetan Youth Congress. "Die Regierung sagt, Nepal vertrete eine Ein-China-Politik und sie werden keine anti-chinesischen Aktivitäten zulassen. Gut, soll uns recht sein! Aber sie sollten auch etwas dazu sagen, wie viele Tibeter getötet wurden und Stellung dazu beziehen!"

Der französische Botschafter in Kathmandu kommt aus einem Nebenraum, die Delegation hat weiße Schals umgehängt bekommen. Die Franzosen drücken den Tibetern ihre Solidarität aus, was von den Betenden mit großem Applaus begrüßt wird. In Frankreich sei ihre Bewegung populär, freuen sich die Tibeter zu hören. Wenn man das nur auch von Nepal und Indien sagen könnte.

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