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Deutschland

Die Jecken sind los

Schlag 11 Uhr 11 hat in den rheinischen Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz die fünfte Jahreszeit begonnen. Dabei spielt die Zahl "11" im Karneval eine wichtige Rolle und ihr Ursprung reicht bis in die Antike.

Karnevalisten feiern am 11. November 2009 in Köln den Beginn der Karnevalssession 2010. (Foto: AP)

Beginn der "fünften Jahreszeit"

Karnevalisten feiern am 11. November 2009 in Köln den Beginn der Karnevalssession 2010. (Foto: AP)

Trotz Schweinegrippegefahr lautet das Motto in Köln: "In Kölle jebützt - In Köln geküsst".

Zehntausende Narren schunkelten sich bei trübem Novemberwetter seit den frühen Morgenstunden warm. Auf dem Kölner Heumarkt stellten Musikbands ihre neuen Karnevalslieder vor. Unter begeisterten Kölle-Alaaf-Rufen begrüßten die Jecken die neue Session, die in diesem Jahr unter dem Motto "In Kölle jebützt" (In Köln geküsst) steht. Gesundheitsexperten hatten allerdings mit Hinweis auf die Schweinegrippe dazu geraten, es diesmal mit dem "Bützen", dem Küssen, nicht zu übertreiben.

In Düsseldorf erwachte pünktlich Obernarr "Hoppeditz" und läutete die neue Karnevalssession unter dem Motto "Jeck - we can" ein. Mit der traditionellen Verlesung der "närrischen Grundgesetze" am Fastnachtsbrunnen feierte Mainz den Start in die Narrenzeit. Das Motto für den nächsten Rosenmontag lautet: "Bei uns in Meenz gilt die Devise: Die Fassenacht kennt keine Krise".

Warum die Zahl "11"?

Die "Fünfte Jahreszeit" beginnt immer am 11.11. um 11.11 Uhr und wird in den verschiedenen Regionen Deutschlands mal Karneval, mal Fasching und wieder woanders Fastnacht genannt. Gemeinsam haben all diese Begriffe, dass sie die Vorfeier der Fastenzeit bezeichnen. Hinter dem Begriff "Karneval" steckt der Verzicht auf Fleischgenuss in der anschließenden Fastenzeit. Das Lateinische "Carne vale" ist nach volkskundlichen Überlieferungen im Sinne von "Fleisch lebe wohl" zu verstehen. Auch "Fastnacht" umschreibt ursprünglich die Nacht - heute die närrische Zeit - vor der fleischlosen Fastenperiode. Und "Fasching" geht auf den mittelhochdeutschen Ausdruck "vast-schanc" zurück, gemeint ist der letzte Ausschank vor der Fastenzeit.

Porträt eines Karnavalsprinzen aus dem Elferrat. (Foto: DW)

Zum traditionellen Karneval gehört der Elferrat

Die "11" gilt als die Narrenzahl schlechthin, nicht nur für den Karnevalsbeginn: Der Elferrat ist die höchste Instanz der Narren und viele Karnevalsgesellschaften haben diese Zahl in ihrem Wappen. Doch warum die "11"? Eine eindeutige Erklärung gibt es nicht, dafür zahlreiche Theorien. Ein Ansatz besagt, die altdeutsche Schreibweise "eylf" habe die Zahl "11" zur Narrenzahl gemacht, denn sie soll den Jecken zurufen: "Ei, lustig, fröhlich". Dieser Spruch zierte schon 1381 das Siegel der Gründungsurkunde der Karnevalsgesellschaft zu Kleve.

Auch die römische Ziffer XI soll zum Aufstieg der "11" zur Narrenzahl beigetragen haben, denn durch sie sei die närrische Behauptung zu beweisen, dass die Hälfte von XI = VI ist. Andere sagen, der Schnapszahlcharakter mache den Charme der "11" aus.

Nach einer weiteren Theorie hat die Zahl 11 ihren Ursprung in der christlichen Kirche. Die "11" ist das Sinnbild der Sünde, denn sie überschreitet die Zahl der zehn Gebote. Der Narr stand mit seinem Verhalten während der Karnevalszeit für die Kirche außerhalb der religiösen Normen. Daher wurde mit ihm die Zahl "11" verbunden.

Der Beginn der närrischen Session hat ebenfalls einen religiösen Hintergrund. Der 11. Tag im November hat schon immer den Auftakt zu einer Zeit markiert, deren Höhepunkt die Woche vor Aschermittwoch ist. Denn dieser Tag liegt genau 40 Tage vor Winteranfang, der zeitlich fast mit Weihnachten zusammenfällt. Von Weihnachten bis zum christlichen Festtag Mariä Lichtmess, das im Kalender auf den frühesten Fastnachtstermin verweist, sind es nochmals 40 Tage.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Nach der traditionellen Eröffnung "am Elften im Elften" kehrt jedoch erst einmal wieder Ruhe in die rheinischen Karnevalshochburgen ein. Die Hochzeit der Karnevalssitzungen und Bälle beginnt Anfang nächsten Jahres. Höhepunkt sind die Rosenmontagszüge am 15. Februar. Der erste Rosenmontagszug in Deutschland wurde 1823 in Köln gestartet, zwei Jahre später folgten Düsseldorf und 1836 Mainz. Am Aschermittwoch, der 2010 auf den 17. Februar fällt, ist dann wieder "alles vorbei".

Autorin: Patrizia Pullano (dpa,ap)

Redaktion: Annamaria Sigrist

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