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Afrika

"Die Ivorer sind müde"

Seit die Elfenbeinküste zwei Präsidenten hat, ist Gewalt im Land wieder an der Tagesordnung. "Dem Land geht es schlecht", singt der ivorische Reggaestar Tiken Jah Fakoly in "Le Pays va mal". Eigentlich ein alter Song...

Tiken Jah Fakoly (Bild: Christine Harjes)

Sorgt sich um seine Heimat: Tiken Jah Fakoly

Tiken Jah Fakoly hat wohl nicht damit gerechnet, dass der alte Song "Le pays va mal" noch einmal so aktuell werden könnte. "Die Gesellschaft ist geteilt", singt Tiken Jah Fakoly. "Früher hat man nicht von denen aus dem Norden und denen aus dem Süden gesprochen. Heute haben sie alles kaputt gemacht", heißt es da weiter.

Ethnisch gemischte Bevölkerung

Gbagbo und Ouattara (Bild: AP/DW)

Verfeindet: Gbagbo (li) und Ouattara

Eigentlich hat der Reggaemusiker den Song geschrieben, als sein Heimatland 2002 im Bürgerkrieg versinkt. Nord und Süd stehen sich jahrelang verfeindet gegenüber. Erst der Friedensvertrag von Ouagadougou bringt 2007 langsam wieder Normalität und einen wackeligen Frieden ins Land. Jetzt sollte die Elfenbeinküste mit den ersten freien Präsidentschaftswahlen seit zehn Jahren endlich den entscheidenden Schritt in die Demokratie machen. Aber wieder liegt das Land am Boden. Mit Alassane Ouattara aus dem Norden und Laurent Gbagbo aus dem Süden stehen sich wieder die beiden verfeindeten Landesteile gegenüber. "In der ivorischen Bevölkerung gibt es keine Probleme", sagt Tiken Jah Fakoly. Erst die Politik habe die Probleme unter den Ivorern geschaffen."Die ivorische Bevölkerung ist ethnisch sehr gemischt. Und ich hoffe, dass die Ivorer wieder zu sich selbst finden."

Blauhelmsoldaten (Bild: AP)

UN-Soldaten versuchen, für Ruhe zu sorgen

Jetzt nach den Wahlen spielen die Ethnie und auch die Religion in der Elfenbeinküste wieder eine große Rolle. Der selbsternannte Präsident Laurent Gabgbo gehört der Volksgruppe der Bété an. Eine überwiegend christliche Ethnie. Der international anerkannte Präsident Alassane Ouattara ist muslimisch, wie die meisten Ivorer aus seiner Volksgruppe, den Dioula. Die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste wächst. Aber: "Die Ivorer müde. Die aus dem Norden, dem Süden, dem Osten, dem Westen sind müde. Alle sind müde. Wir wollen jetzt einen neuen Anfang", sagt Tiken Jah Fakoly.

Hoffnung auf eine "afrikanische" Lösung

Für einen neuen Anfang verhandelt zurzeit die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS in der Elfenbeinküste. Beobachter hoffen auf eine "afrikanische" Lösung. Eine Lösung, die der Elfenbeinküste nicht von Europa oder der UNO aufgezwungen wird. Einen Wandel, der von Afrika ausgeht – das fordert Tiken Jah Fakoly auch in seinem neuen Song "Il faut se lever". "Niemand wird kommen, um Afrika an unserer Stelle zu verändern", singt er da. "Wir müssen selbst aufstehen und etwas ändern."

Leben im Exil

Tiken Jah Fakoly

Engagierter Musiker: Tiken Jah Fakoly

Tiken Jah Fakoly selbst steht schon lange auf für einen Wandel in Afrika. Er sagt, was er denkt – mit schwerwiegenden Folgen für sein eigenes Leben. 2002, als der Bürgerkrieg anfängt, macht er sich mit seiner Kritik Feinde unter den Mächtigen in seinem Land. Er bekommt Morddrohungen und muss seine Heimat verlassen. Seidem lebt der Reggaemusiker in Mali. Bereut hat er sein politisches Engagement nie: "In der Geschichte eines Landes braucht man Menschen, die Stellung beziehen, die ihre Meinung sagen und die damit Sachen voranbringen", sagt Tiken Jah Fakoly. Er habe sich entschieden, zu diesen Leuten zu gehören. "Auch wenn ich weiß, dass das gefährlich ist. Aber wenn alle den Mund halten, dann verändert sich gar nichts."

Autorin: Christine Harjes

Redaktion: Dirk Bathe