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Europa

Die irre Ideologie des norwegischen Mörders

Nach dem ersten Schock über den Doppelanschlag in Norwegen richtet die ganze Welt nun ihre Blicke auf den geständigen Täter – und ist erschrocken über das groteske und obskure Weltbild des Anders Behring Breivik.

Porträt von Anders Behring Breivik (Foto: AP)

Anders Behring Breivik

Ein trojanisches Pferd mit Mondstern, die EU-Fahne mit Hammer und Sichel, das BBC-Logo mit einem Henker – das Video ist ein Mix aus Propagandabildern, mit einer bedrohlich-pathetischen Melodie unterlegt und Wortschöpfungen wie "Eurabische Union" oder "EUSSR" gewürzt. Die zwölfminütige Präsentation und ein 1516-Seiten-Manifest hat Anders Breivik ins Netz gestellt, kurz bevor er loszog, um 76 Menschen zu töten.

Rettungskräfte am Unglücksort (Foto: dapd)

Nach der Explosion in Oslo

Die Bombenexplosion in Oslo, bei der acht Personen starben, und das Blutbad auf der Insel Utøya, bei dem Breivik mindestens 68 Menschen erschoss, waren wohl Mittel zum Zweck: Eine möglichst breite Öffentlichkeit mit seiner Ideologie bekannt zu machen.

Kranke Ideologie

Das Manifest "2083 – A European Declaration Independence" offenbart die groteske Welt des 32-jährigen Mitgliedes eines Schützenvereins und einer Freimaurerloge. Breiviks Ideologie basiert auf der Angst, Westeuropa sei in Gefahr. Seine zwei großen Feinde seien der kulturelle Marxismus, der sich direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verbreitete, und die islamische Kolonisation. Die Gegner - Marxisten, die todessehnsüchtigen Humanisten und die globalen Kapitalisten - hätten sich in einer "Multikulturalismus-Allianz" vereint und die Macht über Medien, Politiker und Hochschulen erlangt.

Breivik ruft zu einer Revolution gegen sie auf – und prophezeit einen Sieg im Jahre 2083. Sich selbst sieht er als Ritter und Retter Europas. Als obersten Kreuzfahrer bezeichnet er den Papst in Rom. Der 32-Jährige tritt für eine starke katholische Kirche ein und für einen säkularen Staat, in dem sich die Christen nicht in Fragen der Politik einmischen sollten. Dass es in diesem Denkmodell einen Widerspruch gibt, ist ihm offenkundig nicht bewusst. Im Manuskript seien laut Medien viel zu gegensätzliche und unvereinbare Sichtweisen miteinander gemischt. Seine Kenntnisse habe er obskuren Internetforen entnommen.

Ziel erreicht?

Mädchen malt ein Herz an die Wand (Foto: dapd)

Gedenken an die Opfer des Doppelanschlags

Breivik notiert in seinem Manuskript akribisch, wie viel Zeit und Geld ihn die Arbeit an dem Pamphlet gekostet hat -mehr als 300.000 Euro, die er unter anderem mit dem Anbau von Gemüse verdiente. Angesichts der vielen Todesopfer klingen seine Zugeständnisse besonders zynisch: "Ich will keine Entschädigung dafür, denn es ist ein Geschenk eines patriotischen Landsmannes an Sie." Das Töten war für ihn wohl das Mittel, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu bekommen.

Drei Tage nach dem Doppelanschlag scheint sein Ziel erreicht zu sein. Über den noch am Freitag weitgehend unbekannten Anders Breivik gibt es nun Wikipedia-Einträge in 26 Sprachen. Der Titel seines Manifestes hat mehr als 125.000 Treffer bei Google. Viele haben die PDF-Datei kopiert und auf ihren Seiten gespeichert. Die Medien und die Nachrichtenagenturen weltweit übersetzen Auszüge aus seinem Pamphlet. Doch Zustimmung finden seine Worte in breiter Öffentlichkeit nicht. Medien weltweit bezeichnen ihn als "brutalen Massenmörder" und "kranke Seele". Sein Manifest beinhalte "Gedanken eines rechtsradikalen Wirrkopfs".

Autorin: Olga Kapustina (mit kna, dapd, dpa)
Redaktion: Marion Linnenbrink

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