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Afrika

"Die Insel darf jetzt nicht hinten runter fallen"

Westliche Geber haben Hilfszusagen nach dem Machtwechsel zurückgezogen. Das aber sei ein Fehler, meint Oliver Dalichau, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung auf Madagaskar. Besser sei es, die Reformen mitzugestalten.

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Will Madagaskar den Weg in die Zukunft weisen: Andry Rajoelina

DW: Sie waren selbst auf Antananarivo, als Präsident Ravolamanana zurückgetreten ist. Wie hat denn die Bevölkerung reagiert?

Es war eine große Erleichterung zu spüren, dass der Machtkampf erst einmal zu Ende ist. Und dass die Armee die Machtübergabe an Adry Rajoelina, an eine zivile Regierung, möglich gemacht hat. Das zeugt davon, dass es ein Verständnis für eine friedliche, politische Lösung auf Seiten der Armee und der Sicherheitskräfte gibt. Man muss sehen, ob diese Hoffnung nicht trügerisch ist, denn der ehemalige Präsident hat immer noch Unterstützung in der hauptstädtischen Bevölkerung.

Nun hat der oberste Gerichtshof den Oppositionsführer Rajoelina als Übergangspräsidenten bestätigt. Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet, dass Rajoelina jetzt zeigen muss, ob es ihm gelingt, die Sicherheitskräfte, Polizei, Armee, langfristig hinter sich zu bringen. Interessant ist was passiert, wenn die Exilpolitiker zurückkehren, zum Beispiel der ehemalige Flottenadmiral Didier Ratsirak aus dem französischen Exil. Aber es werden große Hoffnungen auf eine Initiative der Zivilgesellschaft gesetzt, die dabei ist, eine nationale Konferenz vorzubereiten, die über Strukturen eines demokratischeren Madagaskars nachdenkt. Denn jetzt geht es um politische Reformen und einen nationalen Konsens in Madagaskar.

Glauben Sie, dass der neue Präsident sein Versprechen wahr machen wird, innerhalb der nächsten zwei Jahre Wahlen durchzuführen?

Oliver Dalichau, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Madagaskar

Oliver Dalichau, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Madagaskar

Das hat er am Mittwoch angekündigt und das hängt natürlich auch von den kommenden Wochen und Monaten ab. Es gibt erste Stimmen, die fordern, dass die Wahlen eher stattfinden sollen. Aber in einer Phase wie jetzt sollte eine Wahl wirklich gut vorbereitet werden.

Was muss geschehen, damit ein nationaler Konsens hergestellt werden kann?

Alle politischen Kräfte müssen sich an einen Tisch setzen. Ohne die Unterstützer von Marc Ravolamanana einzubeziehen, wird dieser nationale Konsens nicht gelingen. Ich hoffe auch, dass Andry Rajoelina sein Versprechen hält und das Wahlgesetz so verändert, dass auch Oppositionsparteien im Parlament vertreten sein werden, was bis jetzt nicht der Fall war.

Der bisherige Präsident wurde wegen der groß angelegten Geschäfte mit internationalen Konzernen kritisiert. Wie wird es mit diesen Geschäften weitergehen?

Andry Rajoelina ist selbst Geschäftsmann. Er weiß wie wichtig es ist, das Vertrauen von Investoren zu halten. Wichtiger wird sicherlich, ob es ihm gelingen wird, den Reichtum Madagaskars besser zu verteilen. Ob er in der Lage ist, soziale Reformen durchzuführen, das Vertrauen der Investoren auf der einen Seite und das der Madegassen auf der anderen Seite zu behalten.

Nun haben westliche Geberstaaten Hilfszusagen erst einmal zurückgezogen. Ist diese Reaktion angemessen?

Die Madegassen erwarten, dass ihr Land jetzt nicht einfach hinten runter fällt. Sie erwarten, dass die Internationale Gemeinschaft weiter Partner des Landes bleibt. Und mithilft, politische Reformen umzusetzen.

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