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Wirtschaft

"Die IAA kommt zum richtigen Zeitpunkt"

Am Donnerstag (17.09.2009) beginnt in Frankfurt/Main die Automesse IAA. DW-WORLD.DE sprach mit Matthias Wissmann, dem Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) über seine Erwartungen.

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (Bild: VDA)

Immer optimistisch: Matthias Wissmann, Präsident des VDA

DW-WORLD.DE: Vor zwei Jahren stand die IAA vor allen Dingen im Zeichen des Klimaschutzes, des Klimawandels. Jetzt ist noch ein ganz anderer Aspekt dazugekommen: Die ganze Branche steckt weltweit in einer Krise. Was macht Sie optimistisch, dass diese Messe trotzdem eine erfolgreiche wird?

Matthias Wissmann: Weil inzwischen praktisch die gesamte automobile Welt die Frankfurter IAA als die bedeutendste Automobilmesse in Europa sieht, vielleicht sogar die bedeutendste weltweit. Und deswegen kommt jeder, der irgendwie kann, hierher. Und was die deutsche Automobilindustrie angeht, macht es mich zuversichtlich, dass wir Deutschen in wichtigen Weltmärkten zurzeit Marktanteile gewinnen, weil wir im Wettbewerb der Automobilhersteller offensichtlich die besseren Produkte haben, die niedrigeren CO2-Emissionen, die niedrigeren Kraftstoff-Verbräuche, und zwar in allen Klassen, das ist ja das Entscheidende.

Deswegen war mir die jüngste Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes so wichtig, die offiziell dokumentiert, dass in neun von zehn Segmenten deutsche Konzernmarken im Schnitt niedrigere CO2-Emmissionen haben als die Importeure. Und in sechs von zehn Segmenten sind deutsche Fahrzeuge die CO2-Champions, also mit den niedrigsten CO2-Emissionen, mit den niedrigsten Verbräuchen. Denn die Kunst besteht ja gerade darin, vom Kleinstwagen über die Kompaktklasse bis zur Oberklasse, vom Geländewagen bis zum Sportwagen, in jedem dieser Segmente Fahrzeuge zu haben, die hoch effizient sind, niedrige Verbräuche haben, niedrige CO2-Emissionen.

Und dass wir da nach offiziellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes so vorangekommen sind, zeigt, dass es richtig ist, in Forschung und Technologie eben auch zur Verbesserung der Umwelt- und Klimaschutzbilanz zu investieren. Das werden wir auch weiter tun. Wir ruhen uns auf diesem Erfolg nicht aus.

Sie haben die internationalen Märkte erwähnt. Wo muss die deutsche Autoindustrie besonders hinschauen, wo muss sie hingehen und worauf muss sie achten?

Wir wollen natürlich auf allen Märkten präsent sein. Aber zwei zentrale Märkte neben Westeuropa sind für uns der chinesische Markt - wo wir schon sehr stark sind, wo wir auch in den letzten Wochen und Monaten bemerkenswerte Wachstumszahlen haben - und der nordamerikanische Markt, wo wir von einer kleineren Ausgangsposition kommen mit zehn Prozent Marktanteil, wo wir aber in den letzten zwölf Monaten ein Prozent Marktanteil dazugewonnen haben.

Wenn wir das weiter ausbauen könnten und wenn man zum Beispiel daran denkt, dass VW in Kürze seine Produktion in Nordamerika erstmals wieder aufnimmt, dann wäre das natürlich auch ein gutes Zeichen für die weltweite Position unserer Automobilindustrie, die ohnehin die stärkste Automobilindustrie der Welt ist.

Jetzt sind Sie Gastgeber dieser Messe. Solche Messen sollen immer Signale aussenden. Am liebsten natürlich positive Signale. Ist das schon der richtige Zeitpunkt, jetzt ein solches Signal erwarten zu können von der IAA?

Ich glaube, wichtig ist als Signal, dass auch die kritischen Betrachter der Automobilindustrie verstehen, dass diese Automobilindustrie alles daran setzt, Mobilität mit Umwelt- und Klimaschutz zu verbinden. Und dass man begeistert mit dem Fahrrad fahren kann, wie ich das selber auch tue. Aber dass man auch mit sehr gutem Gewissen mit dem Auto fahren kann, wenn man sieht, wie viele umweltfreundliche Fahrzeuge inzwischen unterwegs sind.

Und das Signal für die Branche?

Und für die Branche das Signal, dass sie sicher durch einen schwierigen Konsolidierungsprozess geht und auch noch weiter gehen wird. Aber wir sehen jetzt so etwas wie eine Bodenbildung. Und da kommt die IAA zum richtigen Zeitpunkt. Wir gehen davon aus, dass wir irgendwann in den nächsten fünf Jahren wieder bei weltweiten Absatzzahlen sind, die die 60 Millionen übersteigen. Die Schlüsselfrage wird nur sein, welche der Unternehmen und welches der Länder, die solche Unternehmen haben, werden dabei den größeren Teil am Kuchen haben. Da wollen wir Deutschen mit vorne dabei sein.

Aber die Überkapazitäten bleiben, die die Branche seit Jahren vor sich herschiebt, und das weltweit.

Ich glaube nur, dass sich nach der Konsolidierung auch wieder wachsende Zahlen im Verkauf einfach aufgrund des Umstands abbilden werden, dass wir zum Beispiel in China nur 17 Fahrzeuge auf 1000 Einwohner haben, in Indien nur elf auf 1000 Einwohner, in Deutschland 500 auf 1000. Nun erwarte ich nicht 500 in diesen asiatischen Ländern in wenigen Jahren. Aber wenn die Zulassungszahlen dort wachsen, und das tun sie gegenwärtig schon, und dann Fahrzeuge angeboten werden, die unter Klimaschutzaspekten optimal sind, dann läge in der weiteren Automobilisierung dieser Länder natürlich auch eine große Chance für die Industrie und für den Klimaschutz.

Das Gespräch führte Henrik Böhme.

Redaktion: Rolf Wenkel

Matthias Wissmann ist seit Juni 2007 Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA). Von 1993 bis 1998 war er Bundesminister für Verkehr.