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Musik

Die hohe Kunst des schönen Gesangs

Richard Wagner machte sich über das "Vogelgezwitschergehabe" der Primadonnen lustig; doch das Ausgestalten einfacher Melodien hat eine lange Tradition.

Die Sopranistin Maria Callas, die die Renaissance des Belcanto einleitete, in einer Opernszene(Foto: AP)

Leitete die Renaissance des Belcanto ein: Maria Callas

Virtuosität war in der Musik zunächst nur etwas für Instrumentalisten: Schon im 16. Jahrhundert konnten Organisten oder Geiger ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellen. Die Sänger dagegen sollten ihren Text klar und deutlich präsentieren. Mit dem Aufkommen der Oper konnten jedoch auch sie mehr und mehr zeigen, wozu sie stimmlich in der Lage waren.

Der italienische Komponist Claudio Monteverdi, einer der Väter der verzierten Gesangskunst, in einer zeitgenössischen Darstellung (Foto: dpa)

Einer der Väter der verzierten Gesangskunst: Claudio Monteverdi

Meisterhafte Improvisationskunst

Der Belcanto entstand in dem Land des schönen Gesanges schlechthin: in Italien. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erlebte die Kunst des verzierten Gesanges eine Hochblüte. Bald überboten Sängerinnen und Sänger sich mit hochvirtuosen Koloraturen, Sprüngen und Trillern. Im frühen 18. Jahrhundert galten die Kastraten als Idealtyp des Belcantosängers, deren technische und stimmliche Fähigkeiten europaweit umjubelt waren und deren Namen wie beispielsweise Farinelli, Giovanni Carestini oder Gaetano Caffarelli bis heute bekannt geblieben sind. Ihre außergewöhnliche Kunst, mit ihren Improvisationskünsten aus einfachen Arien Bravourstücke zu machen, war bei den Komponisten nicht unbedingt beliebt: Denn nicht sie, sondern die Sänger ernteten den Erfolg.

Der Tenor Luciano Pavarotti und die Sopranistin Daniela Mazzucato in einer Szene aus Gaetano Donizettis Oper Der Liebestrank aus dem Jahr 1988 (Foto: dpa)

Luciano Pavarotti als Nemorino Daniela Mazzucato als Adina in Gaetano Donizettis Oper "Der Liebestrank"

Glanzvolle Opernepoche

Mit dem Verschwinden der Kastraten zum Ende des 18. Jahrhunderts veränderte sich auch der Belcanto: Die Komponisten gestanden den Sängerinnen und Sängern immer weniger improvisatorische Freiheit zu. Stattdessen schrieben sie ihre Opernarien mit zahlreichen technischen Raffinessen immer virtuoser. Mit den Bühnenwerken von Gioacchino Rossini, Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti erlebte der Belcanto ab 1810 eine letzte Hochblüte, bevor er nach 1850 einem "natürlicheren" Gesangsstil weichen musste. Verdi, Wagner und die Komponisten des Verismo wollten dramatische ausdrucksstarke Stimmen mit klaren Linien und ohne unnötigen Zierrat. Erst 100 Jahre später wurden die Opern Rossinis und seiner Kollegen wieder entdeckt; heute gelten sie als der Inbegriff des Belcanto.

Autor: Klaus Gehrke
Redaktion: Gudrun Stegen