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Wirtschaft

Die hohe Kunst des Managements

Technologie und Innovation, das sind Themen, die an der European School of Management and Technology in Berlin die größte Rolle spielen. Die Eliteschule wurde 2002 von deutschen Konzernen gegründet.

Die private European School of Management and Technology in Berlin im alten Staatsratsgebäude in Berlin (Foto: ESMT)

Die ESMT - eine Eliteschule für internationale Nachwuchskräfte

Kacheln aus Meißener Porzellan, dunkle Holzvertäfelungen, Ledersofas und komfortable Internetterminals – wer die ESMT mit einer normalen deutschen Universität oder Hochschule vergleichen will, der muss schon beim ersten Eindruck kapitulieren. Aber normal sein will die European School of Management and Technology gar nicht.

Am Schlossplatz Nummer 1 in Berlin, im für 35 Millionen Euro umgebauten ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR, wird die internationale Wirtschaftselite von morgen aus- und die von heute weitergebildet. Ein Anspruch, der seit der Gründung im Jahr 2002 besteht, wie der Präsident der ESMT, Lars-Hendrik Röller, deutlich macht: "Die ganze deutsche Wirtschaft und ein Großteil der Dax-Unternehmen hat sich damals entschieden, eine private Business-School in Berlin zu gründen. Das ist keine leichte Aufgabe." Röller verweist in diesem Zusammenhang auf den internationalen Wettbewerb, der besteht. Er glaube aber, dass es für Deutschland gut ist, eine solche Schule zu haben.

Studenten kommen aus der ganzen Welt

Professor Lars-Hendrik Röller (Foto: ESMT)

Professor Lars-Hendrik Röller, Präsident der European School

Wer an der ESMT die hohe Kunst der Unternehmensführung erlernen will, der muss bereits einen akademischen Titel vorweisen können und mindestens drei Jahre Berufserfahrung haben. Flüssiges Englisch in Wort und Schrift werden ebenfalls vorausgesetzt, denn die einjährige Ausbildung zum MBA, zum Master of Business Administration, findet in Englisch statt. Alternativ kann der MBA auch berufsbegleitend in knapp zwei Jahren erworben werden. Rund 100 Studenten sind derzeit bei der ESMT eingeschrieben. Sie kommen aus der ganzen Welt und auch das ist etwas, was die Schule, so sagt Präsident Röller, besonders macht: "Man lernt ja nicht nur von dem Professor, sondern auch von seinen Kommilitonen."

Technologie und Innovation, das sind nicht ohne Grund die Themen, die an der ESMT die größte Rolle spielen. Die beiden Bereiche sind das Kerngeschäft jener deutschen Top-Unternehmen wie Siemens, Deutsche Bank, Allianz, BMW und Bayer, die die Schule gegründet haben. Ihre Chefs sitzen aber nicht nur in Vorstand und Aufsichtsrat der ESMT, sondern sie sind auch aktiv in den Lehrplan eingebunden.

Schulungsraum der European School of Management and Technology in Berlin (Foto: DW)

Rund einhundert Studenten sind derzeit an der Business-School in Berlin eingeschrieben

Ein Stipendienprogramm für Begabte

Praktische Einsätze bei Partnerfirmen stehen für die Studenten genauso auf dem Programm wie Kamingespräche mit Vorstandsvorsitzenden. Das alles hat natürlich seinen Preis. 29.000 Euro für das einjährige Programm und mehr als 50.000 Euro für den berufsbegleitenden Studiengang. Wer besonders begabt ist, kann sich für ein Stipendium bewerben. Dabei gehe es allein um die Qualität des Bewerbers, sagt Röller. Es gebe Stipendien für junge Leute mit Migrationshintergrund und für Frauen in Führungspositionen: "Wir haben außerdem ein Kofi-Annan-Fellowship, mit dem wir junge Manager, Frauen und Männer aus Entwicklungsländern nach Berlin holen, zum Beispiel aus Afrika", so ESMT-Präsident Röller.

Stipendiatin der ESMT, Berlinda Mkangawi (Foto: ESMT)

Stipendiatin Berlinda Mkangawi kommt aus Simbabwe

Eine dieser Stipendiatinnen ist Berlinda Mkangawi. Die 34-Jährige kommt aus Simbabwe und hat dort eine eigene Firma. Sie berät Unternehmen im Marketing. Seit Januar studiert Berlinda an der ESMT und in dieser Zeit hat sie schon feststellen müssen, dass den Studenten einiges abverlangt wird. Unterricht von morgens um neun bis nachmittags um 17 Uhr. Danach Arbeitsgruppen und Vorbereitungen für den nächsten Tag. Regelmäßige Prüfungen sind ebenso selbstverständlich wie individuelles Lernen am Wochenende: "Es ist anspruchsvoll und es reicht nicht aus, einfach nur vorbereitet zu sein. Allein für eine einzige Vorlesung heute morgen mussten wir einen 44-seitigen Artikel und ein grundlegendes Kapitel in einem Buch lesen und dazu ein paar Übungen machen", erzählt Berlinda und fügt lachend hinzu: "Es ist viel Arbeit, aber das liegt auch daran, dass die Lehrinhalte von zwei Jahren in einem Jahr vermittelt werden."

Das Kofi-Annan-Stipendium verpflichtet Berlinda, nach dem einen Jahr in ihre Heimat zurückzukehren. Aber das ist für sie selbstverständlich, denn sie hat schließlich ihre Firma in Simbabwe und zudem drei Kinder, von denen das jüngste gerade drei Jahre alt ist. Für die übrigen Studenten gilt das nicht, viele von ihnen kommen auch gerade deswegen nach Berlin, weil sie auf einen Job in einem deutschen Unternehmen hoffen. Aber gerade das sei auch so gewollt, sagt Präsident Röller.

In den Top Ten

Die Gründer der ESMT hatten aber nicht nur eine internationale Nachwuchsrekrutierung im Sinn; an der Business-School gibt es auch ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm für Manager und forschungsbasierte Beratung für Unternehmen. Die Executive Education ist das Kerngeschäft der ESMT. Während die MBA-Ausbildung derzeit noch keinen Gewinn abwirft, spülen die pro Jahr rund 2.500 Seminarteilnehmer einiges in die Kassen der Schule.

Bei der Gründung vor acht Jahren war viel vom "deutschen Harvard" die Rede. Aber genau das will die ESMT nicht sein. Ein unverwechselbares eigenes Profil ist das Ziel. Und immerhin: Im soeben veröffentlichten Executive Education Ranking der "Finanicial Times" finden sich die Berliner unter den zehn besten Business Schools Europas wieder - und in der Weltrangliste auf Rang 17. Um noch besser zu werden, soll auch das Stiftungskapital weiter wachsen. Auf 115 Millionen Euro beläuft es sich derzeit, nach Angaben von ESMT-Präsident Röller gibt es feste Zusagen aus der Wirtschaft über weitere 50 Millionen Euro in den nächsten Jahren.

Mit wachsender Finanzkraft könnten auch mehr renommierte Professoren aus aller Welt nach Berlin gelockt werden. Bislang besteht die Fakultät aus 34 Lehrkräften, 40 bis 50 sollten es nach Ansicht von Dekan Olaf Plötner schon noch werden. Man müsse aber einen Schritt nach dem anderen machen, sagt Plötner, der für die Executive Education verantwortlich zeichnet, das Wachstum müsse organisch sein und das brauche seine Zeit. "Wir wollen natürlich auch gerne noch viel mehr Studenten haben und mehr Manager und die Umsätze wollen wir gerne steigern", so Plötner weiter. Für die ersten acht Jahre habe man mit der ESMT aber schon viel geschafft und da sei man auch stolz drauf.

Am 6. und 7. Juli 2011 findet das vierte ESMT Annual Forum in Berlin statt. Experten aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik befassen sich dann mit dem Thema "The global Race for competitive Edge".

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Monika Lohmüller

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