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Politik

"Die Herzen der Menschen müssen gewonnen werden"

UN-Beobachtungsmissionen bilden den Schlüssel für die Zukunft Sudans. Sie sollen die Umsetzung des Friedensvertrags vor Ort garantieren. Eine Reportage aus der Krisenregion.

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Flüchtlinge stehen für Essen an

Im Südsudan schweigen die Waffen. Nachdem der Friedensvertrag zwischen der Regierung und der südsudanesischen Rebellenarmee SPLA (Sudan People’s Liberation Army) unterzeichnet wurde, muss jetzt dafür gesorgt werden, dass das Abkommen umgesetzt wird und die friedliche Aufbauarbeit beginnt. Das geht allerdings nur mit weiterer ausländischer Hilfe. Dabei sollen Beobachtungsmissionen der Vereinten Nationen (UN) eine wichtige Rolle spielen.

Misstrauen gegen das Regime in Khartum

Wenn die Soldaten der Rebellenarmee in diesen Tagen zum Morgenappell antreten, dann denken sie noch an den Krieg. 21 Jahre lang haben sie für mehr Selbstbestimmung und Gleichberechtigung gekämpft, die sie jetzt bekommen sollen. So sieht es jedenfalls der am 9.1.2005 unterzeichnete Friedensvertrag vor.

Doch nicht alle trauen dem alten Feind, dem Regime in Khartum. Skeptisch ist auch der SPLA-Kommandeur Pieng Deng. "Einen umfassenden Waffenstillstand, Frieden haben wir erst dann, wenn die Vereinbarungen über die Sicherheit auch umgesetzt werden", erklärt er. "Wenn eine internationale Mission, zum Beispiel der Vereinten Nationen, sie durchsetzen." Die derzeitigen mutlinationalen, Nicht-UN-Beobachtungsmissionen VMT (Verification and Monitoring Team), CPMT (Civilian Protection Monitoring Team) oder JMC (Joint Military Commission) in den früher umkämpften Nubabergen im Zentrum Sudans habe kein ausreichendes Mandat, bei Vertragsverletzungen tatsächlich Druck auszuüben.

Wie soll das UN-Mandat aussehen?

In den Nubabergen, bei der Joint Military Commission, erklärt General Wilhelmsen Soldaten der Befreiungsarmee, wie ihre Zukunft aussehen könnte. Wie und von wem im Sudan ein umfassender Waffenstillstand beobachtet werden könnte. Wichtigste Voraussetzung sei es, vor Ort zu sein und für eine ruhige Lage zu sorgen, sagt er.

Drei Jahre ist der Norweger General Wilhelmsen schon in der Krisenregion. Weitere sechs Monate wird er bleiben, bis die im Friedensabkommen vereinbarte Beobachtungsmission der Vereinten Nationen einsatzbereit ist.

Das UN-Mandat ist noch nicht festgelegt. Deshalb hat General Wilhelmsen vor allem eins: viele Vorschläge. "Der Sudan muss in Regionen aufgeteilt werden, in die die Beobachtungsmissionen gehen können. Dort müssen sie mit beiden Seiten zusammenarbeiten. Das ist wichtig, damit das Gleichgewicht gehalten wird."

Über Personalfragen oder Einzelheiten zum Mandat wird noch in New York verhandelt. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat bereits bekannt gegeben, dass er eine Truppenstärke von 10.000 Mann in den Sudan schicken möchte. Diese soll dem Friedensvertrag Nachdruck verleihen und die Vorbereitung freier Wahlen unterstützen. Wer wen wohin schickt, ist noch offen.

Klar ist nur, dass im Süden Sudans niemand Soldaten aus arabischen Ländern habe möchte. Sie hatten das Regime in Khartum während des Kriegs unterstützt. Für General Wilhelmsen ist das verständlich: "Wir müssen auch die Herzen und Gedanken der Menschen hier gewinnen."

Die Konfliktparteien in die Pflicht nehmen

In vielen Gesprächen hat der Norweger erfahren, dass die Akzeptanz der Beobachter von ihrer Unabhängigkeit abhängt. Denn die Lage in der Krisenregion ist brisant. Es braucht nur eine Mine zu explodieren, von denen noch Tausende im Land liegen, und schon sind die Gemüter erhitzt, der Waffenstillstand und damit der Frieden in Gefahr.

General Wilhelmsen Erfahrungen mit seiner Mission haben ergeben, dass es wichtig ist, die verfeindeten Parteien mit in die Pflicht zu nehmen: "Normalerweise werden unabhängige Parteien, also internationale Beobachter, geschickt. Das zumindest ist die Politik der Vereinten Nationen. Wir aber beteiligen auch die Konfliktparteien an der Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens. Wir geben ihnen Verantwortung und Einfluss, und das nehmen sie sehr ernst. So können sie selbst die Zügel in die Hand nehmen, wenn wir einmal weg sind."

Genauso sieht es der Friedensvertrag vor: Erst der Rückzug der verfeindeten Truppen, dann ihre Demobilisierung, die von der internationalen Gemeinschaft überwacht werden soll. Ansonsten wird der Frieden im Sudan nur auf dem Papier stehen.

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