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Politik

Die Herren im Trümmerfeld

Eine ganze Kette von Entwicklungen hat Milizen zu einem raschen Aufstieg innerhalb der modernen Kriegsführung verholfen. Warlord Joseph Kony verbreitet mit seiner LRA seit Ende der 1980er Jahre Schrecken in Uganda.

Reihe aus Männern mit Waffen (Quelle: AP Photo)

Milizen werden oft zwangsrekrutiert - nicht selten sind ihre Mitglieder noch minderjährig

Wo Politik korrupt ist, Gerichte nicht funktionieren und keine Mittel zur Finanzierung bestehender Militärs vorhanden sind, sind die Bedingungen zur Entstehung von Milizen ideal. Es sind die "schwachen Staaten", in denen sich private Gewalt in Form von Banden oder paramilitärischen Gruppen unter der Leitung so genannter Warlords vornehmlich einnistet. Besonders der Kontinent Afrika leidet unter dieser Form unkontrollierter Gewalt, aber auch in asiatischen Ländern wie Afghanistan, Sri Lanka oder Indonesien, im südamerikanischen Kolumbien oder in den Balkanstaaten Europas betreiben Milizen ihr blutiges Handwerk.

Krieg um politische Macht, Geld und religiöse Überzeugungen

Die Motivation, mit der die Milizionäre durch die Lande ziehen, ist unterschiedlich. Oft bezeichnen sich Milizen selbst als "Freiheitsbewegungen". Oder sie verfolgen andere ideologische oder politische Ziele. So war das Vorgehen der albanischen "UCK"-Rebellen vorrangig von der Vision der Errichtung eines "großalbanischen Reichs" getrieben. Warlord Joseph Kony, Kopf der "Lord’s Resistance Army" in Uganda, hat sich gar die Errichtung eines christlichen-islamischen Gottestaates zum Ziel gesetzt. Kony bezeichnet sich als "heiliges Medium". Gott selbst gebe ihm entsprechende Anweisungen zur Erfüllung seiner Aufgaben. Vielen Milizen geht es jedoch schlichtweg um finanzielle Interessen. Zum Erlangen von Wohlstand nehmen sie wirtschaftlich attraktive Gebiete ein, um Plünderung oder Raubbau an Rohstoffquellen zu betreiben. Auch im Drogenhandel bietet sich vielen Gruppen eine lukrative Einnahmequelle.

Finanzspritze von Amerikanern und Sowjets

In anderen Fällen werden Milizen von anderen Staaten oder ausländischen Geldgebern finanziert: Während des Kalten Krieges etwa unterstützten die Großmächte Sowjetunion und USA ausgewählte Gruppen. Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hoffte, mit Hilfe von Milizionären einen Regimewechsel in Nicaragua herbeiführen zu können. "Zu diesem Zweck investierte die CIA Ende der Siebziger Jahre ungefähr 80 Prozent ihres Budgets in die Ausbildung und Aufrüstung der Contra-Miliz", schätzt Experte Matin Baraki von den Universitäten Marburg und Gießen. Oft kommt eine solche Unterstützung auch aus der Hand von Privatpersonen. Reiche Hintermänner aus islamischen Ländern wie Saudi-Arabien finanzierten beispielsweise islamistische Kämpfer in Bosnien und Algerien.

Als Basis für ihre Truppen wählen die Warlords häufig undurchdringliche, für den Gegner schwer zu kontrollierende Regionen. So verschanzen sich afghanische Milizen in verwinkelten Gebirgslandschaften, während Joseph Konys "LRA" gut versteckt aus dem Dickicht des heimischen Dschungels heraus operiert.

Zivilbevölkerung muss am meisten leiden

Nicht immer stehen bewaffnete Auseinandersetzungen mit staatlichen Truppen und anderen paramilitärischen Einheiten im Vordergrund. In den meisten Fällen sind Zivilisten die Hauptleidtragenden. Ganze Dörfer fallen Raubfeldzügen von Milizionären zum Opfer und werden danach niedergebrannt. Frauen, die sich auf dem Weg von ihrer Dorfgemeinschaft zur nächsten Wasserstelle befinden, werden überfallen und vergewaltigt.

So brutal und rücksichtslos Milizen auch vorgehen – die wenigsten ihrer Mitglieder sind Überzeugungstäter. Viele schließen sich aus wirtschaftlicher Not den besser ausgestatteten Privatarmeen an. Manchmal haben die Kämpfer zuvor selbst große Demütigungen hinnehmen müssen und wollen ihr Selbstbewusstsein durch die Bandenzugehörigkeit stärken. Andere werden unter Androhung von Gewalt gegen ihren Willen rekrutiert, teilweise verbunden mit dem Befehl zur Tötung ihrer eigenen Familien. Oft sind Zwangsrekruten noch Kinder, die unter dem Einfluss von Drogen gefügig gemacht werden.

Tim Städter, Studiengang Online-Journalismus, Hochschule Darmstadt

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