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Stadtbilder

Die Heinzelmännchen zu Köln

Eine historische Stadt wie Köln ist reich an Geschichten und Sagen. Eine besonders beliebte ist die von den Heinzelmännchen. Die kleinen Wesen kamen nachts in die Häuser der Bürger, um deren Arbeit zu verrichten.

Detail des Heinzelmännchenbrunnens in Köln

Heinzelmännchenbrunnen in Köln

Die Heinzelmännchen wurden das erste Mal in einem Buch über Kölner Sagen von 1826 erwähnt. Berühmt wurden sie aber vor allem durch August Kopischs Ballade „Die Heinzelmännchen zu Köln“ aus dem Jahre 1836 – und das, obwohl der Text wohl auch als Kritik an den faulen Kölnern zu verstehen ist: August Kopisch war ein preußischer Beamter, der in Berlin lebte. Und im disziplinierten Preußen, zu dem das Rheinland seit 1815 gehörte, galten die Einwohner Kölns als gemütlich und arbeitsscheu.

Doch das stört den Kölner nicht; er liebt die Geschichte von den Heinzelmännchen – die so beginnt:

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn war man faul, man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich.

Während die Kölner Faulpelze schliefen – so erzählt die Geschichte –, kamen die Heinzelmännchen und erledigten deren Arbeit. Bei den Zimmerleuten „sägten und stachen“ sie, beim Bäckermeister kneteten und backten sie Brot, beim Fleischer „hackten (sie) das Schwein“ und morgens: „Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!“

Auf die gleiche Weise halfen sie auch dem Schneider. Dort geschah jedoch das Unglück, denn „neugierig war des Schneiders Weib ...“ Die Frau wollte die Heinzelmännchen sehen und stellte ihnen eine Falle: Sie streute Erbsen auf den Boden, damit sie darauf ausrutschen sollten. Als dann nachts die kleinen freundlichen Wesen kamen, fielen sie mit lautem Geschrei. Die Schneidersfrau erwachte und – erblickt die klagendenHeinzelmännchen.

Das aber war der Fehler, denn niemand durfte die Heinzelmännchen zu Gesicht bekommen! Zur Strafe und zum Leid der Faulen verschwanden sie. Und die traurige Folge ist, dass bis heute jeder seine Arbeit selbst erledigen muss. Der Erzähler klagt: „Ach, dass es noch wie damals wär! Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her.“

Wer den Dom besichtigt, sollte sich den Heinzelmännchenbrunnen nicht entgehen lassen: Der steht ganz in der Nähe, direkt vor dem Brauhaus „Früh am Dom“. Er wurde 1899 vom „Cölner Verschönerungsverein“ zum 100. Geburtstag von August Kopisch erbaut und zeigt die kleinen Figuren, die von den Kölnern so vermisst werden. Zu sehen ist dort auch die Schneidersfrau, und zwar als junge und hübsche Person. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass die Frau positiv wahrgenommen werden sollte: Schließlich hat sie der Kölner Faulheit ein Ende bereitet.

Übrigens: Wer sich nach dieser traurigen Geschichte trösten muss, kann das direkt im Brauhaus bei einem „Kölsch“, dem typischen Kölner Bier, und deftigem kölschem Essen tun. Auch das ist ein typisch kölsches Ereignis!


Glossar

Heinzelmännchen, das – eine kleine Kölner Fantasiegestalt

Sage, die – eine alte Erzählung, die nicht wirklich passiert ist

Wesen, das – ein Lebewesen; eine Gestalt; eine Person

etwas verrichten – etwas erledigen; etwas machen

Ballade, die – eine Art langes Gedicht, das meist eine Geschichte erzählt

Rheinland – hier: Region im Westen von Deutschland am Rhein, vor allem mit den Städten Düsseldorf, Köln, Bonn und Koblenz

gemütlich – hier: langsam und bequem

arbeitsscheu – ohne Lust auf Arbeit; faul

vordem – veraltet für: früher, damals

sich pflegen – veraltet für: faul sein; nichts tun und das Leben genießen

Faulpelz, der – ein Mensch, der nicht gerne arbeitet

Zimmerleute, die – Handwerker, die mit Holz arbeiten, vor allem beim Hausbau

etwas kneten – hier: einen Teig kräftig anfassen und hin und her bewegen

Wapp! – hier: bezeichnet lautmalerisch die Tatsache, dass plötzlich etwas fertig ist

Ausverkauf, der – hier veraltet für: der Bereich, in dem Waren zum Kauf angeboten werden

Schneider, der – der Mann, der Kleidung herstellt und näht

Weib, das – veraltet (und heute abwertend) für: die Frau

jemandem eine Falle stellen – jemanden hereinlegen, um ihn zu kriegen

ausrutschen – das Gleichgewicht verlieren; hinfallen

Brunnen, der – hier: ein Bauwerk, aus dem Wasser herauskommt und wieder reingepumpt wird

Brauhaus, das – ein Ort, an dem Bier hergestellt, verkauft und getrunken wird

sich trösten – etwas tun, damit man nicht mehr traurig ist

deftig – grob, kräftig


Autor: Florian Görner
Redaktion: Ingo Pickel

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