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Wissen & Umwelt

Die heißen Monate und der Klimawandel

Die Monate Mai und Juni waren global die wärmsten Monate seit der Gründerzeit. Ob das aber nun Wetter oder Klimawandel ist, darüber sind sich die Wissenschaftler bis dato uneinig.

Eine Frau unter einem Sonnenschirm (Foto: Xinhua).

Bei Hitze besser den Schatten suchen!

Die jüngsten Zahlen des US-Wetterdienstes NOAA zeigen, dass noch nie - seit Beginn der Messungen im Jahr 1880 - ein Mai oder Juni so heiß war wie in diesem Jahr. Das gilt für den kombinierten globalen Durchschnittswert, der sich aus Messungen von Wetterstationen auf dem Lande und auf dem Meer ergibt. Demnach war der Monat Mai im Jahr 2014 um 0,74 Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Der Juni war 0,72 Grad Celsius wärmer.

Infografik Globale Meeres-und Erdoberflächen-Temperaturanomalien von 1881 - 2014 in °C (Grafik: DW).

Global gesehen gibt es immer mal wieder Abkühlungs- und Erwärmungsphasen

Das könnte den Eindruck erwecken, dass der Klimawandel nur eine Richtung kennt: Immer weiter nach oben. Betrachtet man indes das gesamte Jahr und wählt den Durchschnitt der zurückliegenden zwölf Monate als Grundlage des Vergleichs aus, rücken die Jahre 2013 und 2014 erst an die zweite Stelle: Zwischen Juli 2009 und Juni 2010 war es im Durchschnitt noch 0,01 Grad wärmer als im selben Zeitraum der Jahre 2013 und 2014.

Die Betrachtung der einzelnen Kalenderjahre (von Januar bis Dezember) ergibt wiederum ein differenzierteres Bild. Das Jahr 2013 teilt sich dabei mit dem Jahr 2003 und im Durchschnitt mit 0,62 Grad Celsius über dem Mittel des 20. Jahrhunderts den vierten Platz im Hitze-Ranking. Noch heißer war es demnach in den Jahren 2010 (0,66 Grad Celsius) 2005 (0,65 Grad Celsius) und 1998 (0,64 Grad Celsius).

Abkühlungs- und Erwärmungsphasen wechseln sich ab

Aus den Zahlen der NOAA, die seit 1880 erfasst werden, lassen sich Trends für verschiedene Dekaden ableiten: Zwischen 1880 und 1911 gab es eine globale Abkühlung. In diesem Jahr war es mit 0,52 Grad unter dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts am kältesten. Darauf folgte eine Erwärmungsphase, die bis 1942 anhielt, gefolgt von einer erneuten Abkühlung, vom Ende des zweiten Weltkrieges bis in die Mitte der 50er Jahre.

Danach war ein stetiger Erwärmungstrend erkennbar, der bis zum bisher drittheißesten Jahr 1998 anhielt. Seitdem verlangsamt sich die globale Erwärmung. In der letzten Dekade von 2004 bis 2014 verharrt die Durchschnittstemperatur sogar konstant auf hohem Niveau, zeigt aber in dieser Zeit keine steigende Tendenz mehr, auch nicht unter Einbeziehung der hohen Messwerte von Mai und Juni 2014.

Anhänger und Kritiker der These vom menschengemachten Klimawandel interpretieren die Messdaten, die die NOAA von Wetterdiensten aus der ganzen Welt sammelt - und seit jüngster Zeit auch aus Satellitendaten bezieht - unterschiedlich.

Japan Schneechaos (Foto:dpa).

Japan im Februar 2014: Man darf vom Wetter nicht aufs Klima schließen

Streit um Erwärmungspause seit 1998

Diejenigen, die eine Zunahme des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre für die globale Erwärmung verantwortlich machen, verweisen auf den steigenden Temperaturtrend insbesondere seit Beginn der Industrialisierung und damit verbunden, den steigenden Verbrauch fossiler Energieträger. Folglich bestünde ein kausaler Zusammenhang zwischen beiden Faktoren.

Mitte des 19. Jahrhunderts lag der atmosphärische Anteil von CO2 noch bei unter 150 ppm (Teile pro Million). Die NOAA misst den Anteil von CO2 in der Atmosphäre auf ihrer Wetterstation Mauna Loa auf Hawai seit 1959. In diesem Zeitraum ist der Anteil des Spurengases in der Atmosphäre kontinuierlich von unter 320 ppm auf über 400 ppm gestiegen.

Kritiker der These vom menschengemachten Klimawandel halten dagegen, dass gerade in den letzten zehn Jahren eine Abkopplung des CO2-Zuwachses von der globalen Erwärmung stattgefunden habe, und damit diese Kausalität nicht erwiesen sei. Zudem habe es in der jüngeren und ferneren Menschheitsgeschichte - auch unabhängig von CO2-Anteil - immer wieder Warmphasen gegeben, auch deutlich wärmere als jetzt.

Etablierte Klimaforscher halten dem wiederum entgegen, dass Dekaden als Zeiträume zu kurz seien, um verlässliche Aussagen über eine aktuelle Klimaentwicklung zu treffen - und die derzeitige Erwärmungspause halte noch nicht lange genug an.

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