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Sport

Die Handlungsreisenden des Fußballs

Monika Staab ist die Hauptgewinnerin der Initiative "Deutscher Fußball-Botschafter". Die 55-Jährige hat in 68 Ländern Frauen ermutigt, Sport zu treiben - und damit Selbstvertrauen gegen Unterdrückung zu gewinnen.

In den Minuten, in denen Monika Staab so sehr im Mittelpunkt steht wie nie zuvor, will sie nicht über sich selbst reden. "Mit diesem Preis soll der Frauenfußball die Aufmerksamkeit gewinnen, die er verdient", sagte die 55-Jährige. "Durch Erfolgserlebnisse erhalten Frauen das Gefühl, dass sie mitreden können." In 68 Ländern hat Staab den Ball als Werkzeug der Diplomatie genutzt, seit gut einem Jahr als Nationaltrainerin in Katar. Im Lichthof des Auswärtigen Amtes wurde sie am Montag (05.05.2014) zur "Deutschen Fußball-Botschafterin 2014" gewählt. Die Initiative "Deutscher Fußball Botschafter" hat sich zum Ziel gesetzt, das Ansehen und das Engagement deutscher Trainer und Spieler im Ausland zu fördern und weltweit soziale Projekte zu unterstützen. Die langjährige Nationalspielerin Steffi Jones bezeichnete Staab in ihrer Laudatio als Vorbild.

"Die Helden des Fußballs waren immer auch Botschafter", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in seiner Eröffnungsrede und erinnerte an Konrad Adenauer. Der erste Kanzler der Bundesrepublik hatte 1961 erstmals den Fußball als außenpolitisches Element ins Spiel gebracht. Damals schickte er den Trainer Rudi Gutendorf auf eine lange Tour durch inzwischen 50 Länder. Der Handlungsreisende des Fußballs Gutendorf erhielt von Steinmeier nun eine Sonderurkunde.

Publikumspreis für André Schürrle

Nach Gutendorf standen bis heute hundert weitere Trainer und Trainerinnen im diplomatischen Fußballdienst. "Sie können Minderheiten integrieren und Brücken bauen", sagte Steinmeier. Die Initiative "Deutscher Fußball Botschafter" will dieses Wirken seit 2013 bekannter machen, durch Auszeichnungen an Trainer oder Spieler, die das Image Deutschlands prägen, verbunden mit einem Preisgeld für gemeinnützige Projekte. André Schürrle, deutscher Nationalspieler beim FC Chelsea, möchte Jugendlichen in London helfen. Er wurde mit dem Publikumspreis der Initiative ausgezeichnet, deren Medienpartner die Deutsche Welle ist. Laudator Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle, würdigte die positive Repräsentanz von Schürrle und den weiteren deutschen Spielern im Ausland.

Verleihungsveranstaltung Deutscher Fußball Botschafter 2014

Nationalspieler André Schürrle vom FC Chelsea wurde per Videoleitung live zugeschaltet

Nach dem ersten Hauptpreisträger Holger Obermann 2013 steht nun Monika Staab im Fokus: Für sie sind Frauenfußball und Frauenpolitik nicht voneinander zu trennen. Als Netzwerkerin des Weltfußballverbandes FIFA hat sie in vielen Ländern den Fußball für Frauen erst möglich gemacht. Immer wieder überzeugte sie konservative Funktionäre, Ehemänner und Eltern, dass auch muslimische Mädchen und Frauen ein Recht auf Sport haben. Nun in Katar fühlt sie sich an die Anfangszeit ihrer Karriere erinnert: 1970 hob der DFB sein Verbot auf, Vereine konnten fortan Frauenteams gründen. Monika Staab musste niemanden mehr für ihr Hobby anschwindeln.

Lehrjahre in Frankreich, England und Israel

Auch in Berlin bewies sie einmal mehr, worauf es in der Diplomatie ankommt: Rhetorik, Körpersprache, Empathie. Sie hat Länder bereist, deren Regierungen in der Kritik stehen. Das zeigt sich in Katar besonders, wo 2022 die Weltmeisterschaft stattfinden soll, und wo die Vorbereitung von Menschenrechtsverletzungen und Korruption begleiten wird. Monika Staab weiß, dass sie ein autoritäres Regime nicht durch Torschusstraining demokratisieren kann. Aber ihr Motto lautet: "Fußball ist ein Stück Emanzipation. Das Selbstvertrauen, dass die Frauen auf dem Feld gewinnen, stärkt sie auch gegen Unterdrückung."

Auszeichnung Fußball-Botschafterin 2014 Monika Staab (Foto: dpa)

Monika Staab ist "Deutsche Fußball-Botschafterin 2014"

Zu Hause in Hessen hatte Monika Staab nie wirklich den Plan gehabt, das Café ihrer Eltern zu übernehmen. Sie kickte lieber, war eine ausdauerstarke Spielmacherin, folgte stets dem Unbekannten. Sie spielte in Paris und London, lebte in einem israelischen Kibbuz. Dort entwickelte sie den Wunsch, Entwicklungshilfe durch Fußball zu leisten. Sie erfüllte sich diesen Wunsch, nachdem sie den 1. FFC Frankfurt zu vier Meisterschaften und fünf Pokalsiegen geführt hatte.

Die FIFA verlangt von ihren Mitgliedsverbänden die Förderung des Frauenfußballs, dutzende Länder folgen diesem Vorstoß widerwillig, nur Saudi-Arabien verweigert sich komplett. Weltweit spielen mehr als 250 Millionen Menschen regelmäßig Fußball, 30 Millionen sind Frauen. Monika Staab war auf den Cook Islands oder in Pakistan. Immer wieder hat sie älteren Entscheidungsträgern erklärt, dass Fußball nicht zur Unfruchtbarkeit führt. Sie diskutiert über Glaubensfragen und Kopftücher, Respekt und Taktik. In Katar dürfen keine Männer die Spielerinnen anfeuern. Doch Monika Staab hat Väter kennengelernt, die stolz auf ihre Töchter sind. Auf Töchter im Nationaltrikot.

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