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Fußball

Die halbe Liga ist im Abstiegskampf

Wer muss runter, für wen reicht es am Ende gerade so? Zehn Bundesligaklubs sind noch vom Abstieg bedroht. Während die einen sich an Durchhalteparolen klammern, geht bei den anderen der Trend in Richtung Klassenerhalt.

Spielt der 1. FC Köln in der kommenden Saison wieder in der 2. Liga? Müssen Werder Bremen nach 35 oder der VfB Stuttgart nach 39 Jahren Erstligazugehörigkeit absteigen? Schafft der Hamburger SV die merkwürdige Bestmarke, dreimal in Folge in der Relegation zu spielen? Bezahlt der FC Augsburg seine tolle Europa-League-Saison mit dem Abstieg? Und was ist mit Ingolstadt und Darmstadt? Bleiben zum ersten Mal seit 2010 wieder beide Aufsteiger drin? Die kommenden Wochen in der Bundesliga werden auf alle diese Fragen Antwort geben. Möglich sind alle genannten Szenarien, einige von ihnen sogar sehr wahrscheinlich.

Die Liga ist in der unteren Hälfte nämlich so eng und spannend wie lange nicht mehr. Von den Kölnern auf Rang neun bis zur Frankfurter Eintracht auf dem 17. Platz reicht sieben Spieltage vor Saisonende die Abstiegszone. Der FC hat vor dem 28. Spieltag mit 33 Punkten nur sechs Zähler mehr als Frankfurt (27). Einzig Hannover 96 - mit 17 Punkten abgeschlagen Letzter - scheint sich aus dem Rennen um den Klassenerhalt bereits verabschiedet zu haben. Doch sogar die 96er könnten sich theoretisch mit einer Serie noch aus eigener Kraft retten. So weit die Theorie.

Fünf Mannschaften mit nur einem Punkt Lücke

In der Praxis geht es vor allem für die Mannschaften auf den Plätzen 13 bis 17 ums Überleben in Liga eins. Darmstadt und Bremen haben 28 Punkte, Augsburg, Hoffenheim und Frankfurt 27 Zähler. Bei den Frankfurtern muss davon ausgegangen werden, dass dies auch nach dem Wochenende noch so ist, denn die Eintracht tritt am Samstag bei Spitzenreiter Bayern München an. Dennoch sagt Trainer Niko Kovac: "Wir werden nicht dorthin fahren, um unser Torverhältnis zu verschlechtern. Wenn wir verlieren müssen, dann aber anständig. Aber ich gehe davon aus, dass wir da auch etwas holen können."

Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac vor der Bank (Foto: Getty Images/Bongarts/M. Volkmann)

Eintracht Frankfurts neuer Trainer Niko Kovac fordert Leidenschaft von seinen Spielern

Allerdings meint es der Rest-Spielplan nicht gut mit den Frankfurtern: Nur noch dreimal treten sie zu Hause an und treffen dabei unter anderem auf Borussia Dortmund. Auswärts geht es zu den Bayern und nach Leverkusen. Kovac verbreitet nichtsdestotrotz Zuversicht. Seine Spieler hätten beim 1:0-Sieg gegen Hannover gesehen, "dass sie mit Leidenschaft Siege holen können. Es gibt sicher noch das eine oder andere zu verbessern. Aber diese Leidenschaft müssen wir in jedem Spiel bringen."

Anders als die Eintracht ist die TSG Hoffenheim (16. Platz/27 Punkte) unter ihrem neuen Trainer Julian Nagelsmann deutlich im Aufwind. Unter der Leitung des 28-Jährigen hat die TSG in sieben Spielen 13 Punkte geholt. Für Stürmer Kevin Volland liegt der Grund auf der Hand: "Uns hat Selbstvertrauen gefehlt. Seit der neue Trainer da ist, haben wir es wieder." Besonders wird das vor heimischem Publikum deutlich: Unter Nagelsmann gewann die TSG bisher alle drei Heimspiele - am Sonntag steht das nächste gegen den 1. FC Köln an.

Mit Heimstärke und Pizarro

Auf seine Heimstärke setzt auch Werder Bremen (14./28), das bis zum Saisonende noch vier Heimspiele hat. "Aus meiner Sicht ist das ein klares Plus, weil unser Publikum uns pusht und unterstützt. Das ist wichtig", sagte Werder-Manager Thomas Eichin im "Kicker" und kündigte an: "Im Weser-Stadion werden wir die nötigen Punkte holen." Tatsächlich haben die Bremer am 14. Spieltag zuletzt zu Hause verloren. Allerdings konnten sie seitdem auch nur eine von sechs Heimpartien gewinnen, die anderen endeten unentschieden. Insgesamt sind die Bremer die drittschwächste Heimelf der Liga.

Bundesliga, Werder Bremen gegen FSV Mainz 05: Claudio Pizarro breitet die Arme aus (Foto: Getty Images/Bongarts/D. Grombkowski)

Tore gegen die schwache Heimbilanz: Claudio Pizarros Treffer sollen Werder Bremen in der Liga halten

Von 39 möglichen Heimpunkten blieben nur elf in Bremen - ein Durchschnitt von 0,85 Punkten pro Heimspiel. Kein beruhigender Wert, besonders nicht in Anbetracht dessen, dass mit Augsburg, Stuttgart und Frankfurt noch drei direkte Konkurrenten in Bremen antreten. Zur Bremer "Lebensversicherung" könnte daher der bereits 37 Jahre alte Torjäger Claudio Pizarro werden, der in den bisherigen zehn Rückrundenspielen zehn Tore erzielte.

Noch schwächer als die Bremer Ausbeute vor heimischem Publikum ist die von Darmstadt 98 (13./28). Der Aufsteiger konnte erst ein einziges Heimspiel gewinnen. Für das Team von Trainer Dirk Schuster ist es daher fast ein Vorteil, dass vier der verbleibenden sieben Bundesligaspiele auswärts stattfinden und nur drei zu Hause.

Weinzierl: "Zu viele Gegentore"

Etwas andere Sorgen hat der FC Augsburg (15./27) - ganz unabhängig davon, ob zu Hause oder auf fremdem Platz gespielt wird. "Es steht außer Frage, dass wir in den letzten Spielen wieder zu viele Gegentore bekommen haben", sagt FCA-Trainer Markus Weinzierl.

Markus Weinzierl, Trainer FC Augsburg (Foto: Imago/DeFodi)

FCA-Coach Markus Weinzierl fühlt sich in dieser Saison wie in der Achterbahn

Tatsächlich mussten die Augsburger in den vergangenen fünf Spielen insgesamt zwölf Gegentore hinnehmen und holten dabei nur drei Punkte. In der Hinrunde waren die Augsburger lange Tabellenletzter, ehe sie sich mit einem starken Schlussspurt auf Rang zwölf nach 17 Spieltagen vorarbeiteten. Zuletzt ging es wieder nach unten.

"Ich fühle mich in dieser Saison ein bisschen wie bei einer Achterbahnfahrt", sagt Weinzierl. "Am Anfang sind wir runtergefahren, dann wieder hoch, jetzt wieder runter." Seine Hoffnung: "In der Achterbahn geht es dann wieder hoch." Mut macht Weinzierl die starke Ausbeute zum Ende der Hinrunde: "Jetzt kommen die gleichen Gegner, da können wir punkten."

Relegationskönig HSV?

Etwas weniger Sorgen müssen sich Köln, Ingolstadt (beide 33 Punkte), Stuttgart (32) und Hamburg (31) machen. Allerdings geht der Trend bei den Hamburgern deutlich nach unten. Zwischenzeitlich hatte man beim HSV schon aufgeatmet und gedacht, diesmal nicht bis zum Ende mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Der Schuh drückt besonders im Angriff. Stürmer Nummer eins, Artjoms Rudnevs, trifft nicht, sein Ersatz Pierre-Michel Lasogga ebensowenig. 2,5-Millionen-Mann Sven Schipplock konnte bislang nur selten Bundesliganiveau nachweisen, der ausgeliehene Josip Drmic ist für den Rest der Saison verletzt. Gar keine Rolle mehr spielt Edelreservist Ivica Olic.

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass der HSV zum Schluss auf dem 16. Platz landet und erneut in der Relegation um den Klassenerhalt spielt - zum dritten Mal in Folge. Ein "Rekord", auf den beim Bundesliga-Dino wohl niemand stolz wäre.

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