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Europa

Die große Schweinegrippewelle steht noch bevor

Zurzeit gehen die Zahlen der Neuinfizierten zurück. Doch EU-Experten warnen, dass das Schlimmste bei der Schweinegrippe noch bevorsteht. Im Herbst rollt eine erste ernsthafte Welle der Seuche heran.

Spritze mit Impfstoff wird in den Oberarm gesetzt (Foto: AP)

Massenimpfungen werden europaweit geplant

Nach Einschätzung des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle in Stockholm steht die richtige Schweinegrippe-Pandemie noch bevor. Im Sommer habe sich das H1N1-Virus auf niedrigem Niveau in Europa ausgebreitet. Eine explosionsartige Ausbreitung der neuartigen Grippe erwarten die Experten der Stockholmer EU-Behörde im Herbst und im Winter. Wann genau diese Pandemie-Welle beginnen werde, lasse sich aber nicht konkret voraussagen, heißt es in einer Risikoabschätzung des Seuchenkontrollzentrums. Obwohl die Neuansteckungen mit Schweinegrippe in Deutschland sinken, gibt das zuständige Robert-Koch-Institut keine Entwarnung. Auch der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, rechnet mit einer größeren Grippewelle im Winter.

Passagiere gehen am Freitag (12.06.2009) auf dem Flughafen von Frankfurt am Main an einem Plakat vorbei, das vor der Schweinegrippe warnt (Influenza A/H1N1). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Tag zuvor die Schweinegrippe wegen ihrer starken Ausbreitung zur Pandemie erklärt. (Foto: dpa)

Warnungen an Reisende auf dem Frankfurter Flughafen

Junge Menschen eher betroffen

Das EU-Zentrum für Seuchenkontrolle geht davon aus, dass die Schweinegrippe zusätzlich zur normalen Wintergrippe auftreten und so eine Belastung für die Gesundheitssysteme, besonders für die Krankenhäuser, darstellen könnte. Anders als bei der normalen Grippe sind ältere Menschen von der Schweinegrippe nicht stark betroffen, manche scheinen sogar immun zu sein. Mit der Schweinegrippe infizieren sich besonders leicht Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. In den allermeisten Fällen verläuft die Krankheit relativ mild. Die meisten schweren Krankheitsverläufe werden bei Menschen beobachtet, die ohnehin schon eine chronische Krankheit haben. Auch Schwangere und Kinder unter zwei Jahren sind hier besonders häufig vertreten.

Ärzte fuer Infektiologie der Uni-Klinik Duesseldorf bereiten am 29.04.09 ein Zimmer der Isolierstation vor. Das Krankenhaus ist vorbereitet, Verdachtsfaelle von Schweinegrippe zu behandeln. (Foto: AP)

Infektionsabteilungen der Krankhäuser bereiten sich auf schwere Fälle vor

90 bis 135 Millionen Infizierte?

Die Seuchenexperten gehen davon aus, dass sich im Winter 20 bis 30 Prozent der europäischen Bevölkerung mit dem Schweinegrippe-Virus infizieren werden, das wären 90 bis 135 Millionen Erkrankte. Die Ansteckungsquote einer normalen Grippe liegt bei rund fünf bis zehn Prozent.

Die Europäische Union empfiehlt eine Impfung zunächst für die Risikogruppen, also Schwangere, chronisch Kranke und medizinisches Personal. Erst danach sollten Massenimpfungen an Kinder, Jugendlichen und der übrigen Bevölkerung folgen. Das deutsche Gesundheitsministerium geht davon aus, dass die ersten Chargen Impfstoff Mitte Oktober ausgeliefert werden können. Bis zum Dezember soll das Impfprogramm dann in vollem Umfang anlaufen. Auch viele andere EU-Staaten wollen ihrer Bevölkerung eine Impfung anbieten. Ein Impfzwang herrscht nicht.

Deutschland hat die meisten Fälle in Europa

Die Zahl der Menschen, die an Schweinegrippe erkrankten, ist in den Staaten der EU, der Schweiz, Norwegen und Lichtenstein auf 43.990 angestiegen (Stand: 26.08.2009). Die meisten Erkrankten verzeichnet das größte Mitgliedsland Deutschland mit knapp 15 000. Danach folgt Großbritannien mit 13.000 Erkrankten. Während es in Deutschland noch keine Toten zu beklagen gab, starben in Großbritannien bereits 59 Menschen an der Seuche. In Frankreich erlagen zehn Menschen der Krankheit, in Spanien 16. Etwa zwei Drittel aller Infektionen haben die Erkrankten aus Urlaubsländern mitgebracht.

Eine Mitarbeiterin des Pharmakonzernes GlaxoSmithKline in Dresden zeigt am Montag (15.06.2009) in einem Sicherheitslabor Hühnereier für die Produktion eines Impfstoffes gegen die sogenannte Schweinegrippe H1N1 (Foto: dpa)

Milliarden-Umsätze locken: Impfstoff wird mit Hochdruck produziert

Weltweit betrachtet verzeichnet Brasilien die meisten Todesfälle. Dort starben bislang 557 Menschen an den Folgen der Infektion. In den USA waren es 522. Die US-amerikanische Seuchenbehörde schätzt, dass die zu erwartende Grippewelle zwischen 30.000 und 90.000 Todesopfer fordern wird.

Pilgerfahrt eingeschränkt

Die Schweinegrippe-Pandemie wirkt sich auch auf der Reiseverhalten moslemischer Pilger aus. Medien aus Saudi-Arabien melden, dass rund ein Drittel weniger Menschen als sonst zur traditionellen Pilgerfahrt nach Mekka aufbrechen. Im arabischen Raum hat sich die Schweinegrippe bislang noch nicht stark ausgebreitet.

Gesundheitsexperten raten zum häufigen Händewaschen als einfachste Schutzmaßnahme gegen eine Ansteckung. Außerdem sollten "Kontaktstellen" wie Haltestangen in Bussen, gemeinsam genutzte Computermäuse in Firmen sowie Toilettensitze gemieden werden. Idealer Ort für eine Übertragung der Viren sind nach Erkenntnissen einer koreanischen Verbraucherschutzorganisation die Griffstangen von Einkaufswagen. Also vor dem Shopping: Desinfizieren oder Einmal-Handschuhe verwenden. (riegert/nis/dpa/ap/afp)

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