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Wirtschaft

Die Griechen sind spitze

Überall in Europa gibt es Schwarzarbeit. Vor allem aber dort, wo der Lebensstandard niedrig ist. Am meisten gehen Griechen dieser illegalen Beschäftigung nach.

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Auf dem Bau und anderswo - Schwarzarbeiter

Mondlichtarbeit, Untergrundwirtschaft, verborgene Beschäftigung, Schwarzarbeit - die Bezeichnungen in der EU für Arbeitsverhältnisse, für die weder Steuern noch Sozialabgaben gezahlt werden, sind so phantasievoll wie die Mitgliedsstaaten zahlreich sind. Schwarzarbeit ist ein europäisches Problem - die Schätzungen des Anteils der Schattenwirtschaft am europäischen Bruttoinlandsprodukt reichen von sechs bis 16 Prozent.

Griechenland vor Ost-und Mitteleuropa

Ungekrönte Könige der Schwarzarbeit sind die Griechen. Über 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden in Griechenland schwarz erwirtschaftet. Ein Fünftel des Olympiastadions ist demnach rein rechnerisch von Schwarzarbeitern hochgezogen worden. Die Bauwirtschaft, die Landwirtschaft sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe sind die Branchen, wo die meisten Menschen ohne Steuerkarte arbeiten.

Dicht gefolgt wird das Altmitglied Griechenland von den mittel- und osteuropäischen Neumitgliedern. Von Litauen bis Slowenien werden 14 bis 19 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schwarz erarbeitet. Auf Zypern sind es nur etwas mehr als vier Prozent, in Estland acht Prozent. In den großen Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich liegt die Schwarzarbeitsquote bei etwa sechs Prozent. Den niedrigsten Wert weisen die Niederlande, Östereich und Großbritannien mit rund zwei Prozent auf.

Ost-West-Gefälle

Die Daten in der ersten Studie zur Schwarzarbeit in allen 25 EU-Staaten beruhen auf Schätzungen. Die Daten stammen teilweise aus dem Jahr 1995, teilweise aus dem Jahr 2003, was ihre Vergleichbarkeit einschränkt. Die Prozentzahlen sind also mit hohen Fehlerquoten behaftet. Die 220 Seiten starke Untersuchung zeigt aber den eindeutigen Trend, dass die Schwarzarbeit in Ost- und Südeuropa höher liegt als im Westen und Norden der Union.

Die Gründe sind zum einen wirtschaftlicher Natur. Bei niedrigem Lebensstandard in Osteuropa suchen mehr Menschen zusätzliches Einkommen. Zum anderen gibt es aber auch Mentalitätsunterschiede. In Griechenland und Italien gehört Schwarzarbeit zum akzeptierten Lebensstil und wird von der Politik toleriert, so die Studie. Auch in Polen und Ungarn sei Schattenwirtschaft Tradition. In den ehemals kommunistischen Staaten komme ein tiefes Misstrauen gegen den Staat und die Finanzbehörden hinzu.

Minijobs hilfreich

Die Europäische Union hat eine Richtlinie zur Eindämmung der Untergrundwirtschaft verabschiedet. Als positive Beispiele werden die Steuerpolitik in Schweden und die Minijobs in Deutschland hervorgehoben. Mit den Minijobs würden bislang schwarze Arbeitsverhältnisse etwa in Haushalten und Restaurants in legale Jobs überführt. Insgesamt werde eine Angleichungs des Lebensstandards zwischen Ost und West auf lange Sicht zu einem Rückgang der Schwarzarbeit führen, hoffen die Autoren der Studie.

Auch in den USA problematisch

Und noch ein Blick über den Tellerrand Europas hinaus: In den USA, so schätzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), ist der Anteil Schwarzarbeit höher als in Deutschland, aber niedriger als in Polen. Das hänge vor allem damit zusammen, dass die hohe Zahl der illegalen Einwanderer in Amerika natürlich auch schwarz beschäftigt werde.

In Deutschland wird vom kommenden Monat an Schwarzarbeit schärfer geahndet. Am 1. August 2004 tritt das entsprechende Gesetz gegen illegale Beschäftigung in Kraft. Der Staat erhofft sich von der Neuregelung, wenigstens einen geringen Teil der auf diese Weise hinterzogenen Steuern von schätzungsweise rund 370 Milliarden Euro im Jahr hereinzuholen. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) rechnet mit Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Euro. Mit dem Gesetz soll vor allem die gewerbliche Schwarzarbeit bekämpft werden. Dies betrifft illegale Beschäftigung am Bau, in der Gastronomie, im Taxi- und Mietwagengewerbe, bei Reinigungsdiensten sowie in Spielhallen.

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