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Bundesparteitag der Grünen

Die Grünen geben "Ehe für alle" als Bedingung für Koalition aus

Die Ehe für Schwule und Lesben ist für Grüne eine Bürgerrechtsfrage. Also gehört sie für die Delegierten des Bundesparteitags ins Wahlprogramm. Auf Kohlekraftwerke und auch Donald Trump können sie dagegen gut verzichten.

Die Grünen haben die Ehe für Schwule und Lesben zur Bedingung für eine Koalition im Bund gemacht. "Mit uns wird es keinen Koalitionsvertrag ohne die Ehe für alle geben", heißt es nun im Wahlprogramm. Damit übernahmen der Parteitag in Berlin einen Antrag des Bundestagsabgeordneten Volker Beck. Weiter wollen die Grünen bis 2030 komplett aus der Kohleenergie aussteigen und die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke schon in der nächsten Legislaturperiode abschalten. Im November hatten die Delegierten in Münster noch den kompletten Kohleausstieg bis 2025 beschlossen.

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Parteichefin Simone Peter im DW-Interview

Eine gesonderte Abstimmung über die Ehe für alle vermied die Parteitagsregie, eigentlich waren feste rote Linien für eine Koalition nicht vorgesehen. Die Ehe für alle ist auch Teil des "Zehn-Punkte-Plans für grünes Regieren" der beiden Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt. Dort heißt es etwas weicher, wer mit den Grünen koalieren wolle, der müsse bereit sein, "bei diesen Vorhaben entschieden mit voranzugehen". Die Abstimmungen gingen weitgehend im Sinne der Parteispitze aus.

Für Göring-Eckardt ist die Öffnung der Ehe eine der zentralen Forderung ihrer Partei. "Manche meinen ja, das sei doch nur Lobbyismus für eine kleine Gruppe, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende. Das sei aber nicht so. Es sei für sie eine "klassische Bürgerrechtsfrage". Die Politikerin fügte hinzu: "Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem nach der Art der Liebe unterschieden wird, welche Rechte man hat."

Trump-Karikaturen und schwitzende Planeten

Göring-Eckardt schwor ihre Partei ferner auf einen engagierten Klima-Wahlkampf ein. "Mich interessiert nicht die tausendste Umfrage", sagte Göring-Eckardt mit Blick auf schlechte Umfragewerte von sieben bis acht Prozent. Die Grünen seien immer am besten gewesen, "wenn es genug Gegenwind gab - und den haben wir gerade". Zum Abschluss der Rede Göring-Eckardts formten Grüne im Saal den Slogan "Climate first" (Klima zuerst) in Anspielung auf das Motto "America first" von US-Präsident Donald Trump. Andere hielten Trump-Karikaturen hoch sowie lachende und schwitzende Planeten. 

Grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt (Foto: picture-alliance/dpa/R. Jensen)

Spitzenkandidatin Göring-Eckardt: "Die Grünen waren immer am besten, wenn es genug Gegenwind gab"

Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte dann die Umweltpolitik der Bundesregierung. "Es geht um uns und unsere Lebensgrundlagen, und diesen Kampf müssen wir gewinnen", sagte er. Der angekündigte Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen sei ein "Verbrechen an der Zukunft der gesamten Menschheit". Er erwarte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass sie Trump "deutlich spüren lässt, dass es so nicht geht". 

In der außenpolitischen Debatte forderte der Grünen-Politiker Jürgen Trittin, den Kampf gegen den Terrorismus auf die Basis eines Mandats der Vereinten Nationen zu stellen. Man dürfe nicht mehr glauben, den Terrorismus "allein mit einer Koalition der Willigen überwinden zu können", sagte der frühere Bundesumweltminister. Die Grünen seien der Auffassung, dass "Militär manchmal nötig ist" - aber nur mit klarer völkerrechtlicher Grundlage. Der Einsatz deutscher Tornados über dem Irak und Syrien sei nicht durch das Grundgesetz gedeckt. Die Grünen fordern im Wahlprogramm ein Rüstungsexportgesetz, das "verbindlich und restriktiv" neu regelt, dass der "Handel mit allen Rüstungsgütern an klare Kriterien geknüpft, massiv begrenzt und der Export in Staaten außerhalb von NATO und Europäischer Union unterbunden wird". Die Delegierten in Berlin stimmten dem entsprechenden Kapitel des Programmentwurfs zu. Die Schlussabstimmung über das Wahlprogramm ist für diesen Sonntag geplant.

sti/jj (dpa, rtr, kna)

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