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Biologie

Die größten Schreihälse des Tierreichs

Sie schnurren, sie knurren, sie zirpen und sind lauter als Düsenjets. Vor allem winzige, unscheinbare Tiere nehmen den Mund oft ziemlich voll. Was meinen Sie - wer ist der größte kleinste Krachmacher?

200 Dezibel (db) würden die meisten von uns wahrscheinlich nicht überleben. Wären wir einer Lautstärke in dieser Größenordnung ausgesetzt, würde unser Trommelfell platzen und möglicherweise auch das Lungengewebe. Das war's dann - Sayonara!

Nicht einmal ein Kanonen- oder Maschinengewehrschuss aus nächster Nähe hat solch eine Wucht. Aber ein paar Tiere schaffen das.

Laut, lauter, Natur

Sie denken nun an einen Elefanten oder Löwen? Stimmt, die sind laut - aber es geht lauter.

Das stimmgewaltigste Tier der Welt ist - ein kleiner Krebs. Ja, wirklich!

Der Knallkrebs oder Pistolenkrebs lebt in den Tropen bzw. Subtropen. Er ist gerade mal fünf Zentimeter groß, bodenlebend - also benthisch - und ein sehr schlechter Schwimmer.

Auf Beutejagd schleicht er über den Meeresboden und pirscht sich langsam an sein Opfer heran. Dann geht alles ganz schnell: Der Krebs entsichert seinen Revolver - so klingt es tatsächlich - und drückt ab.

1. Knallkrebs: Todsichere Jagdmethode

Dabei erzeugt er eine Luftblase, Kavitationsblase genannt, die mit einem lauten Knall implodiert. Und "laut" ist in diesem Fall untertrieben: Der Pistolenkrebs schafft es auf über 220 Dezibel. Kleinere Tiere in der Umgebung werden durch die Schockwelle umgehend betäubt oder verletzt.

Aber nicht nur das: Bei der Implosion erhitzt sich das Wasser auf fast 5000 Grad Celsius - das ist fast so heiß wie die Sonnenoberfläche. Trifft die Blase auf Würmer, Krabben oder kleine Fische, sind sie sofort K.o. Würde man einen dieser Krebse in einem Glasgefäß halten, könnte er dieses sprengen.

2. Ruderwanze: Paarungszeit!

Wenn es um die Lautstärke in Relation zur Körpergröße geht, gibt es noch einen Anwärter auf den Preis des größten kleinsten Krachmachers: Die Ruderwanze, Micronecta scholtzi. 

Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Wanze so viel Krach macht: Um in der Paarungszeit auf sich aufmerksam zu machen, reibt das im Wasser lebende Insekt seinen Penis an seinem Bauch. Stridulation wird diese spezielle Form der Lauterzeugung durch Reiben zweier gegeneinander beweglicher Körperteile genannt. Damit erreicht die Wanze knapp 100 dB. Chapeau!

Das entspricht etwa der Lautstärke eines Orchesters für einen Konzertbesucher in der ersten Reihe. Allerdings gehen 99 Prozent des Ruderwanzenkrawalls bei der Übertragung vom Wasser in die Luft verloren. Dennoch kann ein am Ufer entlang gehender Mensch das kleine Insekt hören, das auf dem Grund des Flusses sitzt.

3. Singzikade: Ebenfalls klein, ebenfalls oho

Ein anderes Insekt, das auch für ganz schönen Radau sorgen kann, ist die Singzikade. Auch bei ihr geht es darum, möglichst erfolgreich Weibchen anzulocken. Eine besonders - nennen wir sie - singstarke Art gibt es in Australien, die Green grocer cicada, Cyclochila australasiae. Mit einer Lautstärke von bis zu 120 dB übertrifft sie einen Müllwagen (80 dB) und einen Ghettoblaster (100 dB) um Längen.

Die Zikaden besitzen für die Lauterzeugung ein eigenes Organ: das Trommelorgan (Tymbal), es befindet sich am vorderen Hinterleib. Durch ansetzende Muskeln, sogenannte Singmuskeln, werden Schallplatten in diesem Organ in Schwingung versetzt. Die zirpenden Laute mancher Singzikadenarten sind über Distanzen von bis zu einem Kilometer zu hören.

4. Coquí: Der Rockstar unter den Fröschen

Der unscheinbar bräunlich gefärbten Coquí-Pfeifffrosch (Eleutherodactylus coqui) macht seinem Namen alle Ehre: Denn er quakt nicht, sondern gibt eher ein durchdringendes "ko-qui" von sich. Er mag mit drei bis fünf Zentimetern zwar klein sein, aber der auf Puerto Rico heimische Frosch hat eine kräftige Stimme, mit der er es auf knapp 100 dB schafft.

Das "Ko" dient dabei zum Abschrecken der anderen Frosch-Männer, das "Qui" zum Anlocken der Weibchen. In der Lautstärke eines Ghettoblasters wird dieses Schauspiel auf Puerto Rico zu einem richtigen Froschkonzert. 

5. Großes Hasenmaul: Laut ist nicht gleich laut

Das Große Hasenmaul ist eine Fledermausart, die in Zentral- und Südamerika zuhause ist. Ihre Rufe erreichen eine Lautstärke von 137 dB - damit spielen sie zweifelsohne in der oberen Liga der lautesten Tiere.

Das Problem: Die Echoortungsrufe der Fledermaus bewegen sich zwischen 60 und 50 Kilohertz. Sie sind für den Menschen damit unhörbar. Ein Glück! Denn diese Art wär wirklich ohrenbetäubend laut und entspräche einem Düsenflugzeug in 100 Meter Entfernung.

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