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Bücher

Die größte Buchhandlung Amerikas

Die Buchmesse in Guadalajara ist für viele Mexikaner die einzige Möglichkeit die neuesten Bücher zu kaufen. Für spanischsprachige Autoren und Verleger ist sie ein zentraler Treffpunkt. Der Lizenzhandel floriert.

Besucherin auf der Buchmesse in Guadalajara, Mexiko (Foto: AP)

Einmal im Jahr müssen sich Madrid und Barcelona hinten anstellen. Immer in der letzten Novemberwoche, dann steht nämlich Guadalajara im Mittelpunkt und genießt die Aufmerksamkeit von Schriftstellern, Verlegern und Lesern der spanischsprachigen Welt. Es gehört zu den erstaunlichen Entwicklungen in der Bücherwelt, dass der große spanischsprachige Markt ausgerechnet im mexikanischen Guadalajara seine zentrale Buchmesse gefunden hat.

Mit rund 2000 Ausstellern aus 40 Ländern und mehr als 600.000 Besuchern gehört sie zu den größten Veranstaltungen ihrer Art weltweit. Obwohl Guadalajara eine Metropolregion mit sieben Millionen Einwohnern ist und damit – nach Mexiko-Stadt, Los Angeles, New York und Chicago – die fünftgrößte Ansiedlung in Nordamerika, gilt die Stadt selbst in Mexiko nicht unbedingt als kulturelles Zentrum.

Große Namen, große Literatur

Der Schriftsteller Gabriel García Márquez auf der Buchmesse in Guadalajara (Fot: AP)

Stammgast in Guadalajara: Gabriel García Márquez

Trotzdem betrachten auch die spanischen Großverlage die "Feria Internacional del Libro" (FIL) in Guadalajara als ihren jährlichen Höhepunkt. Was sicher mit dem Profil der Veranstaltung zu tun hat, die vor 23 Jahren von der Universität der Stadt ins Leben gerufen wurde. Die FIL hat von Beginn an auf die Literatur-Karte gesetzt. Nirgendwo in der spanischsprachigen Welt wird ein größeres und hochkarätiger besetztes Literaturfestival durchgeführt. Nobelpreisträger wie Gabriel García Marquez oder Mario Vargas Llosa gehören zu den Gästen der Messe, denen man fast jedes Jahr begegnen kann; dazu kommen immer wieder Literaturstars wie Carlos Fuentes und viele Autoren aus den nicht-spanischsprachigen Ländern.

Mit einem ebenso ambitionierten wie konzentrierten Gastländerprogramm (2011 ist Deutschland zu Gast) wird diese Strategie unterstützt – und als Ergebnis der Bemühungen steht in jedem Jahr eine ungemein attraktive, leichtfüßige Veranstaltung, die trotz der langen Dauer von neun Tagen und täglichen Öffnungszeiten von bis zu 14 Stunden von den Ausstellern immer gerne absolviert wird. Zumal das eigentliche Ziel der literaturbetonten Strategie aufgeht: In der gesamten spanischsprachigen Welt wird tagesaktuell über die Messe berichtet, selbst in Spanien veröffentlichen die großen Tageszeitungen eigene Beilagen aus Anlass der Messe.

Messe als Großbuchhandlung

Eine Besucherin liest in einem Buch auf der Buchmesse in Guadalajara, Mexiko (Foto: AP)

Stöbern, anlesen, aussuchen...

Natürlich funktioniert auch ein Bücherfest wie die FIL nicht ohne Geschäft und das machen die Aussteller im Wesentlichen mit dem Verkauf von Büchern an das Publikum. Für viele Menschen ist die Messe die einzige Gelegenheit des Jahres, Bücher aus neuester Produktion zu erwerben. Der Buchvertrieb in Mexiko ist schlecht organisiert, für mehr als 110 Millionen Menschen gibt es gerade einmal etwas mehr als 600 Buchhandlungen. Die Messerabatte, die von den Ausstellern gewährt werden, tun ein Übriges, um die Kauflust zu stärken. Verglichen mit dem, was die Menschen in Mexiko verdienen, sind Bücher in Mexiko beinahe zehnmal so teuer wie in Deutschland.

Für ausländische Aussteller ist die FIL in den vergangenen Jahren als Ort für den Lizenzhandel attraktiv geworden. Vor allem die Verlage aus den größeren lateinamerikanischen Märkten wie Mexiko, Argentinien und Kolumbien kaufen hier Übersetzungslizenzen ein. Dies ist besonders für Kinder- und Jugendbuchverlage in der jüngeren Vergangenheit zu einem lukrativen Geschäft geworden. Dank hoch dotierter staatlicher Ankaufsprogramme in einigen Ländern, mit denen eine große Zahl von Titeln zur Verteilung an Schulen und Bibliotheken erworben wird, ist hier ein florierender Markt entstanden.

Getrennt durch die gleiche Sprache

Buchmesse Guadalajara 2009 (Foto: Holger Ehling)

...und zu günstigen Preisen viel kaufen

Mit dem Direktverkauf von Übersetzungsrechten an lateinamerikanische Partner umgehen internationale Verlage das schwierigste Nadelöhr, nämlich die großen spanischen Medienkonzerne. Diese kaufen nach Möglichkeit spanischsprachige Übersetzungsrechte mit Wirkung für den weltweiten Markt – die Übersetzungen allerdings finden aus Kostengründen nur selten ihren Weg auch in die Buchhandlungen Lateinamerikas. Zudem hat sich das Alltags-Spanisch in den Ländern Lateinamerikas inzwischen so sehr entfernt von dem, was in Europa gesprochen wird, dass vor allem im Kinderbuch-Sektor eine Übernahme der europäischen Übersetzung mit großen Problemen verbunden ist; die "Lokalisierung" des europäischen Spanisch in eine lateinamerikanische Variante wird inzwischen ab und zu vorgenommen, ist aber teuer und daher ungeliebt bei den spanischen Verlagen.

Autor: Holger Ehling
Redaktion: Gabriela Schaaf

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