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Welt

Die Gold- und Straßenkinder der Mongolei

Sie arbeiten auf dem Schwarzmarkt von Ulan Bator, in den Goldminen des Landes oder betteln am Straßenrand. Viele mongolische Kinder verdienen Geld, statt zur Schule gehen. Hilfe vom Staat können die wenigsten erwarten.

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Seit zehn Jahren wohnt Badbold im "Menschenloch"

Der dreizehnjährige Huderbat schaufelt wie besessen. Er steht auf dem Grund eines vier Meter tiefen Schachts. Ein eisiger Wind bläst ihm ins Gesicht, die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt.
Huderbat auf Goldsuche Kinderarbeiter in mongolischen Goldminen

Die Schwerstarbeit verrichtet der Kleinste.

Dennoch schwitzt Huderbat, in rasendem Tempo stößt er die Schaufel immer tiefer in die Erde. “Hier liegt Gold. Nur ist es bei der Kälte schwer, nach Gold zu graben, weil die Erde gefroren ist.” Seit fünf Jahren arbeitet Huderbat mit seiner Mutter und seiner Schwester in der Goldmine von Uyanga. Die Schule musste er nach der zweiten Klasse abbrechen, um zu arbeiten. Jeden Monat findet er rund drei bis vier Gramm Gold. Mit den 80 US Dollar, die er damit verdient, ernährt er die ganze Familie.

Der Fluch des Goldes

Goldgraeber in Uyanga Mongolei Goldgräber Kinderarbeiter in mongolischen Goldminen Foto: Eva Mehl f. DW Datum: 2008

Kein guter Ort für Kinder - die Goldminen von Uyanga

Etwa 8000 Kinder arbeiten in den Goldminen der Mongolei. Sie schleppen Wasser und Erde, graben Gruben und waschen Gold. Täglich atmen sie die Luft von stehendem Gewässer und den Rauch rostiger Maschinen ein. Oft verwenden sie Quecksilber oder andere Chemikalien. Viele leiden deshalb unter Atemwegserkrankungen und Nierenproblemen, manche an den Folgen schwerer Grubenunfälle. Arm– oder Beinbrüche sind keine Seltenheit. Andere Kinder bezahlen für die Suche nach dem Gold mit ihrem Leben.

Ohne Registrierung keine soziale Sicherheit

Mobile Schule in Uyanga Kinderarbeiter in mongolischen Goldminen Foto: Eva Mehl f. DW Datum: 2008

Die mobile Schule in Uyanga

“Weil die Kinder mit ihren Familien arbeiten und nicht bei Unternehmen angestellt sind, genießen sie keinen Schutz und keine soziale Sicherheit”, beschreibt Mongolmaa Norjinlkham die Situation. Sie ist Programm-Koordinatorin der Internationalen Arbeiterorganisation ILO für die Mongolei. Nur wer offiziell im Minengebiet registriert ist, hat Anspruch auf die staatliche Gesundheitsversorgung.

Auch in der Hauptstadt Ulan Bator sind viele Kinder nicht registriert. Schätzungen der ILO zufolge arbeiten dort rund 5000 Kinder mit ihren Familien oder auf eigene Faust, die Hälfte davon auf dem Schwarzmarkt.

Schwarzmarkt Ulan Bator

Ihre Rechenkünste reichen zum Verkauf

Eine von ihnen ist die zwölfjährige Tuul. Sie verkauft hart gekochte Eier an Passanten. Rechnen hat sie von ihrer Mutter gelernt – eine Schule hat sie noch nie von innen gesehen. Ohne eine offizielle Registrierung darf Tuul aber keine staatliche Schule besuchen. Auch bekommt sie deshalb kein Kindergeld vom Staat. Das sind immerhin 100 USD im Jahr. “Diejenigen, die die Hilfe am dringendsten nötig hätten, bekommen kein Kindergeld”; klagt Dr. Bertrand Desmoulins, UNICEF-Vertreter in Ulan Bator. Zwar unterstützen das Kinderhilfswerk Unicef und auch die ILO die mongolische Regierung dabei, den Registrierungsprozess für Migrantenfamilien zu erleichtert. Doch dieser Prozess hat erst begonnen.

Drei Euro zum Leben

Schwarzmarkt Ulan Bator

Der Schwarzmarkt von Ulan Bator

Badbold weiß nicht, ob er in Ulan Bator registriert ist. Seit zehn Jahren lebt er auf der Strasse. Heute ist er fünfzehn. Seine Eltern haben ihn verjagt, als er fünf war. Morgens verkauft er Zeitungen im Zentrum der Stadt auf dem Sukhbaatar Platz. “Ich brauche drei Euro am Tag zum Leben, aber die Zeitungen gehen nicht immer gut weg.“ Wenn es nicht reicht, steht Badbold nachmittags, wenn viele reiche Mongolen und Touristen auf der Nanjing Road flanieren, am Straßenrand und bettelt. In Ulan Bators Strassen wimmelt es von Strassenkindern wie Badbold. Sie tragen Bauchläden und preisen Kaugummis, Lutscher und Zigaretten an. Andere putzen Schuhe oder suchen nach verwertbarem Müll in den Seitenstrassen.

Zuflucht in Menschenlöchern

Strassenkind Badbold im Menschenloch Strassenkind Badbold in Ulan Bator Mongolei, Soziale Sicherung, Kinderarbeit, Straßenkinder Foto: Eva Mehhl f. DW 2008

Hier ist sein Zuhause.

Im Winter, wenn die Temperaturen in Ulan Bator auf Minus 40 Grad Celsius fallen, zieht sich Badbold in sein unterirdisches Nachtlager in den Heizungsschächten von Ulan Bator zurück. In diesen als “Menschenlöcher“ bezeichneten Schächten finden Hunderte Obdachlose Schutz. “Hier ist es viel wärmer als auf den Strassen von Ulan Bator”, sagt Badbold . Mit etwas Glück bleiben ihm heute ein paar Cent für ein Abendessen. Das wird er in seinem Nachtlager unter der Erde verspeisen, wo er auch in diesem Jahr überwintert.

Autorin: Eva Mehl

Redaktion: Peter Koppen

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