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Globale Zusammenarbeit

Die globale Schere zwischen Reich und Arm

Laut einer UNDP-Studie befinden sich 80 Prozent des gesamten Weltvermögens im Besitz von nur einem Viertel der globalen Bevölkerung. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.

--- DW-Grafik: Per Sander 2010_09_01_obdachlos_hamburg.psd

"Der Staat müsste einfach den Reichen mehr Steuern abknöpfen. Wir zahlen uns dumm und dämlich an Steuern und sie kriegen überall Vergünstigungen“, schimpft eine ältere Bonnerin. Die Diskrepanz zwischen Reich und Arm sei riesengroß, denn die Einkommen seien ungerecht verteilt, sagt sie.

Ihr Gefühl trügt nicht. Laut einem Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, UNDP, wächst der Unterschied zwischen Arm und Reich überall auf der Welt. Die ungleiche Verteilung der Einkommen und Vermögen ist in den Entwicklungsländern am größten, doch auch in den reichen Industrieländern schrumpft der Mittelstand.

"Die USA stehen auf der 171. Position in der Statistik über die Einkommensungleichheit. In einem Entwicklungsland wie Tansania ist die Ungleichheit nicht so groß“, betont Cecile Molinier, Leiterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, UNDP, in Genf.

Die Schere zwischen Reich und Arm ist in den Entwicklungsländern unmittelbar sichtbar. Dort leben viele Menschen in absoluter Armut, also von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag und Person. Dort geht es ums nackte Überleben. In den Industrieländern hat Armut ein anderes Gesicht, die meisten sind jedoch ebenfalls von dieser Entwicklung betroffen.

Wohlstandsgefälle wächst

Im vergangenen Jahrzehnt ist die Einkommensschere nicht nur in besonders ungleichen Ländern wie Israel under den USA weiter auseinander gegangen, sondern auch in Ländern mit traditionell eher geringen Unterschieden. Dazu zählen neben Deutschland auch Dänemark, Schweden und andere nordeuropäische Länder, so eine Studie der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Viele Kinder, wenig Land – für viele Bauern, wie hier in Nord-Uganda, ist das Leben ein täglicher Kampf ums Überleben. (Foto DW/Helle Jeppesen)

Viele Kinder, wenig Land – für viele Arme, wie hier in Nord-Uganda, ist das Leben ein täglicher Kampf ums Überleben.

Wo in Deutschland früher ein Durchschnittseinkommen für eine vierköpfige Familie reichte, ist das seit 30 Jahren nicht mehr der Fall. Heute, so die Studie der OECD, verdient das oberste Zehntel der deutschen Bevölkerung acht Mal so viel wie das untere. Das liegt vor allem daran, dass die unteren Einkommen in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig gestiegen sind. Auch gibt es heute doppelt so viele Teilzeitbeschäftigte wie vor 25 Jahren.

Viele Menschen, in armen wie in reichen Ländern, kommen nicht mehr mit ihrem Einkommen aus. Die Kosten für den Lebensunterhalt steigen immer weiter, während die Löhne und Gehälter stagnieren. Gleichzeitig ist durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der Sozialbereich schwer angeschlagen. Das empört viele Menschen, wie die Bonnerin, die ihrem Ärger Luft macht: “Ich wünsche mir mehr Gerechtigkeit. Dass Geld da ist, wo es gebraucht wird: Für Kinder, für Arme, für die Krankenhäuser. “ Stattdessen, sagt sie, müssen immer mehr Menschen immer mehr arbeiten. “Schon heute müssen zwei Jobs auf einem Rücken getragen werden“.

Ausgleich vom Staat

Mehr Geld für Gesundheit, für Bildung, für sozial Benachteiligte? Könnte das dazu beitragen die Armut zu reduzieren? “Ja!“, sagt Cecile Molinier vom UNDP und nennt einige Beispiele. Zum Beispiel werde das Einkommensgefälle durch einen progressiven Einkommensteuertarif ausgeglichen. Wer mehr verdient zahlt auch mehr Steuern.

Gegensätze auf der Düsseldorfer Königsallee, aufgenommen am 16.01.2003. Ein Bettler sitzt auf dem Bürgersteig in Düsseldorf, neben ihm parkt eine Luxuslimousine (Foto: dpa)

Durch Steuern kann eine Gesellschaft die Verteilung der Einkommen regeln

Auch könnten sich viele Länder ein Beispiel an den Programmen "Bolsa Família“, das Familienstipendium in Brasilien, oder "Oportunidades“ in Mexiko nehmen, sagt Molinier. "Benachteiligte Menschen werden dadurch gezielt gefördert, damit sie ihre Kinder zur Schule schicken oder damit werdende Mütter zur Schwangerschaftsvorsorge gehen können“, erklärt sie.

Bildung als Ausweg

Solche Sozialprogramme sind jedoch immer noch die Ausnahme. Viele Kinder in Entwicklungsländern müssen vorzeitig die Grundschule verlassen – vor allem in ländlichen Gegenden. Die Chance auf den Besuch von weiterführenden Schulen oder gar Universitäten ist dementsprechend gering.

Teil des Projekts in Sarwan ist auch mehr Kinder eine Schulbildung zu ermöglichen. Beim Projektstart besuchte in Sarwan weniger als jedes dritte Kind eine Schule. Foto: Helle Jeppesen/DW, eingepflegt: Oktober 2010

Auch bei den Bildungsmöglichkeiten sind die Unterschiede zwischen Reich und Arm in allen Ländern groß

Auch in Industrieländern ist der Zugang zu Bildung oft nicht gerecht. Kinder aus der Oberschicht in Deutschland haben zum Beispiel eine dreimal höhere Chance auf ein Gymnasium zu kommen, als Kinder aus Arbeiterfamilien oder aus Familien mit Migrationshintergrund. An deutschen Universitäten kommen nur knapp sechs Prozent der Studierenden aus nicht-akademischen oder sozial schwachen Elternhäusern.

Laut einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) könnten aber gerade Grundversorgung und Bildung der zunehmenden Einkommensungleichheit in der Welt entgegenwirken. Solange die Teilhabe an den Gesundheits- und Bildungssystemen nicht einfacher und gerechter wird, wird die Kluft zwischen Reich und Arm immer größer werden, warnt die OECD.

Autor: Eric Segueda Wendpanga
Redaktion: Helle Jeppesen

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