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Alltagsdeutsch – Podcast

Die Giraffe hat Halsweh

Tierarzt im Zoo: Keine leichte Aufgabe, manchmal sehr gefährlich – auf alle Fälle aber exotisch. Kranke Giraffen, Gorillas, Vogelspinnen gehören zu den Patienten eines Zooarztes. Manchen kann er aber nicht mehr helfen.

Sprecherin:

Ob tropischer Vogel oder einheimischer Flussfisch, ob kurzbeiniges Nashorn oder langhalsige Giraffe –Tiere aus aller Welt können interessierte Besucher im Kölner Zoo bewundern. Zoo ist eine Kurzform von Zoologischer Garten. Der Begriff leitet sich ab vom neu-lateinischen Zoologia, der Lehre von den Tieren. Ein anderer Ausdruck für Zoo ist das deutsche Wort Tierpark.

Sprecher:

Besucherinnen und Besucher eines Tierparks möchten sich an schönen und lebensfrohen Tieren erfreuen. Daher achtet jeder Zoo ganz besonders auf die Gesundheit seiner Tiere. Im Kölner Zoo ist der Tierarzt Dr. Olaf Behlert für ihr Wohlbefinden verantwortlich. Um herauszufinden, ob die Giraffe vielleicht Halsweh oder die Kröte eine Magenverstimmung hat, muss Dr. Behlert zunächst nahe an die Tiere heran. Eine schwierige Aufgabe.

Dr. Olaf Behlert:

"Es ist schwer, an eine Giraffe zu kommen, um sie zu untersuchen, denn die tritt und schlägt und läuft weg. Das ist ja keine zahme Kuh oder kein Hauspferd. Und da ist es manchmal fast leichter, bei den ganz Kleinen, Kröten und Echsen und so was zu diagnostizieren, weil man sie einfach in die Hand nehmen kann und kann dort besser untersuchen. Andererseits sind die diagnostischen Möglichkeiten wie Blutentnahme und auch Röntgenbilder und so was zwar möglich, aber doch oft mehr eingeschränkt als es bei einem großen Tier ist, wo man einfach mehr ran kann und mehr zur Untersuchung hat."

Sprecherin:

Röntgenbilder sind fotografische Aufnahmen vom Inneren des Körpers. Sie sind benannt nach dem deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen. Er entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts eine Strahlung, die in der Lage ist, Haut und Fleisch zu durchdringen und das Körperinnere auf Fotomaterial abzubilden. Um diesen Vorgang zu benennen, wurde der Name des Entdeckers in ein Verb verwandelt: röntgen. Wenn ein Arzt einen Patienten röntgt, fertigt er also ein Röntgenbild an.

Sprecher:

Der Zootierarzt kann oftmals schon am Aussehen eines Tieres erkennen, was ihm fehlt. Allerdings braucht er dazu Fantasie und Erfahrung. Denn im Zoo können die Patienten hin und wieder sehr exotisch sein.

Dr. Olaf Behlert:

"Ich war mal bekannt hier in Köln, weil ich 'ne Vogelspinne erfolgreich therapiert habe. Da rief einer an und sagte, seine Vogelspinne würde so blass werden und sähe komisch aus; was er machen sollte. Es war natürlich überwiegend ein Haltungsfehler. Er hat sie nicht feucht genug gehalten. Aber ich hab ihm auch gesagt, injizier ihr jeden Tag 'n paar Tropfen von 'nem Vitamin-B-Komplex. Das hat er auch gemacht, und die Spinne wurde danach hervorragend. Ich glaube, es lag mehr an der verbesserten Haltung als an dem B-Komplex. Aber da hatte ich mit einem Mal den Ruf weg, der Spinnendoktor zu sein."

Sprecherin:

Zootierarzt Dr. Behlert hat einen Ruf weg. Die Wendung etwas weghaben stammt aus der Soldatensprache des 17. Jahrhunderts. Einen Rest oder einen Zacken weghaben bedeutete damals, schwer betrunken zu sein. Heutzutage ist die Wendung ein umgangssprachlicher Ausdruck dafür, etwas zugefügt oder zugeteilt zu bekommen. So hat jemand, der gestraft oder getadelt worden ist, gemäß einer populären Redensart sein Fett weg.

Sprecher:

Hinter der Redensart sein Fett weghaben steckt das Bild von einer Schlachtung. Derjenige, der nichts vom Fleisch des geschlachteten Tieres abbekommt, sondern sich mit dem Fett zufrieden geben muss, ist stark benachteiligt. Bevor Olaf Behlert den Ruf weghatte, ein guter Zootierarzt zu sein, war eine lange Ausbildung und vor allem viel praktische Erfahrung notwendig.

Dr. Olaf Behlert:

"Bei mir war's so, dass ich schon während des Studiums als Tierpfleger im Berliner Zoo gearbeitet habe, nach 'm Studium dann halt in der eigenen Praxis Zirkusse und kleinere Tierparks mitbetreut habe, dann sämtliche Kongresse und Tagungen besucht habe, in denen es um Zootiere ging. Ich war dann ja fünf Jahre in Südostasien, das war eigentlich auch ganz gut so als Ausbildung für den Job hier. Man muss dann einfach den Kontakt auch zu den Zoos halten. Und wenn 'ne Stelle frei wird, sich dann bewerben. Und wenn man dann einen gewissen Lebenslauf vorweisen kann, der sich mit Zootieren beschäftigt hat, dann ist man eigentlich schon auf 'm richtigen Weg."

Sprecherin:

Nach dem Studium hat Dr. Behlert in der eigenen Praxis gearbeitet. Die Praxis eines Arztes ist die Räumlichkeit, in der er seine Patienten empfängt und behandelt. Für den Arzt ist seine Praxis in etwa das, was für den Kaufmann sein Ladengeschäft ist. Unabhängig vom Arztberuf bedeutet Praxis als abstrakter Begriff so viel wie Ausübung, Anwendung, Berufserfahrung. So hat jemand, der eine bestimmte Tätigkeit schon oft ausgeführt hat, in dieser Tätigkeit viel Praxis.

Sprecher:

Dr. Behlert hat viel Praxis im Umgang mit den Tieren des Kölner Zoos. Trotzdem muss er bei dem einen oder anderen vierbeinigen Patienten sehr vorsichtig sein. Besonders die großen Tiere lassen nicht gerne Menschen in ihre Nähe. Schon gar nicht, wenn sie sich schlecht fühlen.

Dr. Olaf Behlert:

"Grundsätzlich ist der Tierarztberuf ja einer der unfallgefährdetsten überhaupt. Ich glaube, der liegt sogar bei den Unfallstatistiken an Nummer eins. Und ich glaube ehrlich gesagt gar nicht mal, dass die Zootierärzte da noch einen draufsetzen. Denn Kühe und Pferde in der täglichen Haustierpraxis können durchaus auch mal zutreten und zuschlagen und dann ähnlich gefährlich sein. Und hier geht man ja von vorneherein davon aus, das Tier - 'n Tiger, 'n Löwe, der würde mich fressen, also gehe ich hier gar nicht erst dran, sondern schieße ihn mit dem Narkosegewehr und gehe erst rein, wenn er sicher schläft."

Sprecherin:

Die Redensart vom noch einen draufsetzen im Sinne von etwas ohnehin schon Eindrucksvolles noch eindrucksvoller machen, ist zwar umgangssprachlich, aber sehr gebräuchlich. Sie geht zurück auf das mittelhochdeutsche ufsetzenaufladen. Wer noch einen draufsetzt, übertrifft eine vorhergehende Handlung oder Leistung. In diesem Fall ist die Unfallhäufigkeit bei Tierärzten nicht mehr zu übertreffen. Deshalb meint Dr. Behlert, dass Zootierärzte hier keinen mehr draufsetzen.

Sprecher:

Um die Übersicht über die großen und vielfältigen Tierbestände zu behalten, braucht der Zootierarzt Hilfe.

Dr. Olaf Behlert:

"Für mich als Tierarzt ist 'n ganz entscheidender Faktor der Pfleger, weil: der Tierpfleger, der jeden Tag seine Tiere kennt, der erkennt sehr frühzeitig Nuancen. Und wir machen ja jeden Morgen 'ne Runde durch den ganzen Zoo, fragen in jedem Revier nach, ist euch was aufgefallen? Und wenn der uns dann berichtet, ja, was weiß ich, Giraffe XY frisst heute was langsamer, dann gehe ich danach noch mal hin und schau mir das Tier mit ihm zusammen an, und dann entscheiden wir, ob wir da noch was machen sollen oder nicht."

Sprecherin:

Das Revier, vom mittelhochdeutschen "riviere", "Gebiet", ist der Bezirk, den ein Tier in seiner natürlichen Umgebung bewohnt. Auch im Zoo leben die Tiere in eigenen Revieren. Nur können sie sie hier nicht verlassen. Aus Sicherheitsgründen sind die Tiere durch tiefe Gräben, Glasscheiben oder geschickt versteckte Zäune vom Besucher getrennt. Man spricht hier von Gehegen. Das Wort leitet sich ab vom langobardischen gahagium und bezeichnet ein eingezäuntes Gebiet. Damit ein Leben im Zoo trotz der Zäune möglichst artgerecht ist, wird der Raum, der den Tieren zur Verfügung steht, an ihren natürlichen Lebensraum angepasst.

Sprecher:

Kranke oder verletzte Tiere haben im natürlichen Lebensraum keine Überlebenschance. Sie verhungern oder werden von anderen Tieren gefressen. Tiere, die im Zoo leben, werden im Krankheitsfall dagegen liebevoll betreut. Die meisten werden wieder gesund – man sagt auch: Sie kommen wieder auf die Beine. Aber manchmal kann selbst der Zootierarzt nicht mehr helfen.

Dr. Olaf Behlert:

"Wir hatten bis vor 'n paar Tagen ein Sorgenkind. Das war ein Giraffenbulle, der eigentlich schon seit Jahren, seit Monaten lahmt und zunehmend schlechter laufen konnte. Und da mussten wir uns dann letztendlich entschließen, das Tier einzuschläfern. Das heißt, dieses eigentlich seit langem hier existente Sorgenkind ist nicht mehr, weil wir das Problem irgendwie lösen mussten. Der konnte nachher nicht mehr laufen. Und 'n Huftier, was nicht laufen kann, hat eben auch keine Lebensqualität mehr. Deshalb mussten wir ihn leider einschläfern."

Sprecherin:

Das Verb einschläfern wurde noch bis zum 17. Jahrhundert im Sinne von betäubenmüde machen verwendet. Heutzutage bezeichnet einschläfern fast ausschließlich das Vorgehen von Tierärzten, unheilbar kranke, leidende Tiere durch Medikamente schmerzlos zu töten. Ein Tier einzuschläfern, ist selbst für einen routinierten Tierarzt eine schwere Entscheidung. Er wird diese Wahl auch nur dann treffen, wenn das kranke Tier zu sehr leidet.

Sprecher:

Ein erfreuliches Ereignis ist der Beginn eines neuen Lebens. Tiergeburten sind besondere Höhepunkte für jeden Zoo. Sie beweisen, dass die Tiere trotz Gefangenschaft ein zufriedenes Leben führen. Wären sie depressiv oder gestresst, würden sie die Fortpflanzung verweigern. Und wie in freier Natur bekommen auch die Tiere im Zoo ihren Nachwuchs meistens ohne ärztliche Hilfe.

Dr. Olaf Behlert:

"In der Regel fast ausnahmslos ohne mich. Auch da kommen wir wieder zum Wildtiercharakter. Es ist hier eigentlich ja auch so, wie es in der Natur ist. Die Tiere sind nachts alleine, die meisten werfen ja auch nachts, wenn sie ihre Ruhe haben, möchten gar nicht gestört werden. Und wir lassen sie natürlich auch in Ruhe. Insofern bin ich sicherlich bei fast allen Geburten nicht dabei."

Sprecherin:

Wenn ein Tier wirft, bringt es ein Junges zur Welt. Zwar wird das Verb werfen in erster Linie verwendet, wenn ein Gegenstand weggeschleudert wird. Werfen im Sinne von gebären stützt sich dagegen auf eine darüber hinaus gehende Bedeutung des Ursprungswortes. Das althochdeutsche werfan bezeichnet nämlich nicht nur schleudern und werfen, sondern auch austreiben, herausschieben.

Sprecher:

Heutzutage ist jeder Zoo darum bemüht, seine Tiere so artgerecht wie möglich aufwachsen zu lassen. Doch so naturnah die Lebensbedingungen der Zootiere auch sein mögen – im Tierpark sind sie einer Gefahr ausgesetzt, die sie stärker bedroht, als jede Krankheit:

Dr. Olaf Behlert:

"Also, im Grunde sind es schon die Besucher. Es gibt immer leider Gottes – zwar immer 'ne Minderheit – aber eben doch 'ne gewisse Minderheit, die sehr unvernünftig ist. Und da werden schon mal Tiere geärgert, da werden schon mal Sachen über den Zaun geschmissen, die die Tiere dann fressen. Die Leute finden es immer toll, wenn sie Popcorn zu den Gorillas reinschmeißen. Was erstens dazu führt, dass die natürlich nach ner Weile anfangen, zu betteln. Und zweitens ist es eben kein gesundes Futter. Wir hatten es als Extremfall schon, dass jemand 'ne Bierflasche zerschlagen hat und die abgebrochene Bierflasche zu den Seelöwen reingeworfen hat, die die natürlich balancieren und unter Umständen ja sogar verschlucken können. Also, es gibt ein großes Spektrum von Krankheiten, aber wenn wir eins herausstellen wollen, geht die größte Gefährdung sicherlich immer vom Besucher aus."

Sprecherin:

Die Leute finden es toll, Gorillas zu füttern. Das heißt, sie machen es gerne, sie finden es wunderbar. Das Adjektiv toll – vom mittelhochdeutschen dol – töricht, unsinnig – bedeutet ursprünglich, nicht ganz bei Verstand zu sein. Schon seit geraumer Zeit ist toll im Deutschen aber auch die Zustandsbeschreibung für etwas, das ganz besonders schön oder ganz besonders gut ist.

Sprecher:

Dafür, dass das Leben auch für die Tiere im Kölner Zoo angenehm und gut ist und dass weder der Gorilla Magenverstimmung, noch die Giraffe Halsweh hat, sorgt Dr. Olaf Behlert, der Zootierarzt.

Musik: Horst Muys, Ene Besuch em Zoo

"Ene Besuch em Zoo, oh oh oh ooh.

Ne wat es dat schön, ne wat es dat schön.

Ene Besuch em Zoo, oh oh oh ooh.

Dat is esu schön, dat es wunderschön."

Fragen zum Text

Wenn jemand einen Ruf weghat, dann …

1. schreit jemand besonders laut.

2. ist jemand wegen seines Handelns sehr bekannt.

3. ist jemand verrückt.

Artgerechte Haltung von Tieren bedeutet, dass …

1. natürliche Lebensbedingungen geschaffen werden.

2. alle Tiere im Zoo in einem Gehege zusammenleben.

3. Zoobesucher Tiere füttern dürfen.

Tiere, die Junge bekommen, …

1. werfen.

2. haben einen weg.

3. setzen einen drauf.

Arbeitsauftrag

Diskutieren Sie in Ihrer Gruppe die Vor- und die Nachteile von Tierparks. Fassen Sie die Ergebnisse schriftlich zusammen.

Autorin: Catrin Möderler

Redaktion: Beatrice Warken

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